Bombenanschläge nach Leichenfunden im Nordosten des Landes

29. August 2010, 13:27
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Vertreter der Staatsanwaltschaft und leitender Polizist verschleppt

Reynosa - Nach dem Massaker an 72 illegalen Einwanderern im Nordosten Mexikos hält die Gewalt in der Region an. Am Samstag detonierten in der Nähe des Leichenschauhauses der Stadt Reynosa im Bundesstaat Tamaulipas, in dem die Toten liegen, zwei Sprengsätze, wie die Behörden mitteilten. Sicherheitskräfte suchten zudem fieberhaft nach zwei mit dem Fall betrauten Ermittlern, die seit Donnerstag spurlos verschwunden sind.

Die Sprengsätze gingen fast zeitgleich nur einen Straßenzug voneinander entfernt im Zentrum von Reynosa hoch, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Mindestens ein Mensch wurde verletzt. Medienberichte über einen dritten Sprengsatz bestätigten die Behörden nicht. In dem Leichenschauhaus versuchen Ermittler derzeit, die Leichen der 72 ermordeten illegalen Einwanderer zu identifizieren. Bereits in der Nacht zum Freitag waren in Ciudad Victoria, der Hauptstadt von Tamaulipas, zwei Autobombenanschläge verübt worden, einer vor dem Gebäude des Fernsehsenders Televisa, der zweite vor einer Polizeiwache. Verletzt wurde niemand.

Einwanderer aus Mittel- und Südamerika

Mexikanische Soldaten hatten die 72 Leichen am Dienstagabend nach einem Feuergefecht mit mutmaßlichen Drogenschmugglern auf einer Farm nahe der Stadt San Fernando entdeckt. Bei den Opfern handelt es sich um illegale Einwanderer aus Mittel- und Südamerika, die in die USA wollten. Nach Angaben des einzigen Überlebenden, eines 18-jährigen Ecuadorianers, hatten sie sich geweigert, für die in der Region aktive Drogenbande "Los Zetas" zu arbeiten und waren daraufhin von den Drogenhändlern erschossen worden.

Der Ecuadorianer selbst wurde von Kugeln im Gesicht verletzt. Er wurde in ein Militärkrankenhaus in Mexiko-Stadt gebracht und soll bald in seine Heimat zurückkehren. Ein Visum, das ihm Mexiko aus humanitären Gründen erteilen wollte, lehnte er den Behörden zufolge ab.

Bisher konnten die Ermittler nur die Identität von 31 Opfern feststellen. 14 von ihnen stammen aus Honduras, zwölf aus El Salvador, vier aus Guatemala und eines aus Brasilien. Bei den Toten handelt es sich um 58 Männer und 14 Frauen. Viele der Opfer dürften nicht mehr identifiziert werden können, da sie keine Papiere bei sich trugen und bereits stark verwest sind. Vertreter der betroffenen süd- und mittelamerikanischen Länder reisten nach Mexiko, um bei der Identifizierung der Leichen zu helfen.

Verschleppt

Der Gouverneur von Tamaulipas, Eugenio Hernandez, bestätigte Gerüchte, wonach ein Vertreter der Staatsanwaltschaft sowie ein leitender Polizist verschleppt wurden. Von ihnen fehle jede Spur. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft war den Angaben zufolge als einer der ersten vor Ort gewesen, als die Leichen gefunden wurden. Armee und Polizei würden mit Hochdruck nach den Vermissten suchen, sagte Hernandez.

Jedes Jahr durchqueren Schätzungen zufolge eine halbe Million illegale Einwanderer Mexiko in der Hoffnung auf ein besseres Leben in den USA. Alleine in den sechs Monaten zwischen September 2008 und Februar 2009 wurden dabei nach Angaben der mexikanischen Menschenrechtskommission 10.000 Menschen von Drogenbanden entführt.

Mehrere Kartelle liefern sich in Mexiko eine blutige Auseinandersetzung um die lukrativen Schmuggelrouten in die USA, seit 2006 starben in dem Drogenkrieg mehr als 28.000 Menschen. Die mexikanische Regierung setzt mehr als 50.000 Polizisten und Soldaten im Kampf gegen die Drogenbanden ein. (APA)

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    Ein Verwandter hält das Foto von Hermelindo Maquin Huertas in die Kamera. Huertas war als einer der 72 MigrantInnen identifiziert worden, deren Leichen man auf einer abgelegenen Ranch nah der Grenze zu den USA entdeckt hatte.

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