Ovadia Josef torpediert geplante Direktgespräche - "Abu Mazen und all diese Bösen sollen von der Erde verschwinden
Jerusalem - Wenige Tage vor neuen Nahost-Friedensgesprächen hat ein
jüdischer Religionsführer dem palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas und
seinem Volk den Tod gewünscht. Der greise spirituelle Führer der israelischen
Shas-Partei, Rabbi Ovadia Josef, sagte nach israelischen Medienberichten vom
Sonntag: "Abu Mazen (Abbas) und all diese Bösen sollen von der Erde
verschwinden. Der Herrgott wird sie mit der Pest schlagen, sie und all diese
Palästinenser." Das fast 90-jährige geistliche Oberhaupt der strengreligiösen
Partei habe dies am Samstagabend während einer wöchentlichen Religionsstunde
gesagt, hieß es.
Die Shas-Partei ist Teil der überwiegend rechtsorientierten und
siedlerfreundlichen Koalition des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin
Netanyahu. Netanyahus Vize, der Shas-Innenminister Eli Yishai, hatte am
Donnerstag gesagt, er rechne nicht mit einem Friedensabkommen mit den
Palästinensern.
Kurswechsel
Ovadia hatte in der Vergangenheit bereits mehrmals mit umstrittenen
Äußerungen Empörung ausgelöst. Zu Beginn des Friedensprozesses mit den
Palästinensern vor knapp zwei Jahrzehnten sprach er sich allerdings für eine
Friedenseinigung auf der Basis "Land für Frieden" aus. Später änderte er jedoch
seinen Kurs und warnte vor einer Teilung Jerusalems zwischen Juden und Arabern.
Vor fünf Jahren war ein Palästinenser aus Ost-Jerusalem zu zwölf Jahren Haft
verurteilt worden, weil er einen Mordanschlag auf Ovadia plante.
Die neuen Äußerungen kamen nur wenige Tage vor einem neuen Versöhnungsversuch
in Nahost. Nach fast zwei Jahren Funkstille sind Israel und die Palästinenser
von Washington und dem Nahost-Quartett (USA, Russland, EU und UN) für den 2.
September zur Wiederaufnahme direkter Verhandlungen nach Washington eingeladen
worden. (APA)