Auch nicht böses Google kann gefährlich sein

28. August 2010, 17:42
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Internetexperte Halavais: "Du musst gar nicht böse sein, um unbeabsichtigte Konsequenzen hervorzurufen"

 "Du musst gar nicht böse sein, um unbeabsichtigte Konsequenzen hervorzurufen" - Mit dieser Anspielung auf das Google-Motto "Don't be evil" warnte der Internet-Experte Alexander Halavais bei den Alpbacher Technologiegesprächen am Samstag vor dem Einfluss der Suchmaschine auf das Denken und die Verhaltensweisen der Menschen. Mittlerweile würden wir Google erlauben zu entscheiden, wer wir sind - und das könne unerwünschte Folgen haben.

"Social Architect"

Halavais, Associate Professor an der School of Communications der Quinnipiac University in Hamden (USA), betreibt unter anderem das Weblog "A Thaumaturgical Compendium" und bezeichnet sich als "Social Architect". In seinem Buch "Search Engine Society" nahm er etwa Suchmaschinen sowie deren Funktionsweisen unter die Lupe und zeigte die unterschiedlichen Methoden für deren Manipulation bzw. die Implikationen daraus auf. Trotzdem bezeichnete er sich in Alpbach nach wie vor als "Suchmaschinen-Fan" - "ich liebe sie, aber jetzt fangen wir einmal damit an, sie zu hinterfragen".

Die oft vorgebrachten Kritikpunkte a la "Google macht uns dumm" teilt Halavais allerdings nicht. Im Vergleich mit seinem Geisteszustand vor 20 Jahren fühle er sich nach wie vor "auf dem gleichen Level der Dummheit". Aber natürlich habe Google das Denken und das Gehirn verändert. Seine Großeltern hätten noch Gedichte auswendig gekonnt - "ich weiß nicht einmal meine Telefonnummer auswendig". Jede technische Entwicklung in der Geschichte - sogar das Alphabet - habe unser Gehirn verändert: "Ob es uns auch dumm gemacht hat, ist eine andere Frage."

Suche

Nach dem E-Mailen ist die Suche mittlerweile die zweithäufigste Web-Aktivität. Und die Menschen seien seit ihren Anfängen als Jäger und Sammler "exzellente Sucher", betonte Halavais. Allerdings würden sie allzu gerne dabei Abkürzungen nehmen und etwa im Internet aus Bequemlichkeit auf den obersten gefundenen Link drücken. Umso wichtiger seien die Entscheidung und Mechanismen, welche Treffer der Suche ganz oben angezeigt werden. Hier habe sich die Google-Methode, grob gesprochen um so höher zu reihen je mehr Links auf eine Seite verweisen, durchgesetzt. Daneben gebe es aber noch eine Menge anderer geheimgehaltener Kriterien.

Durch seine vielfältigen Dienste wisse Google mittlerweile etwa, auf welchen Websites man gewesen sei. Darüber hinaus habe das Unternehmen Kenntnis darüber, was man wem gemailt habe. Es wisse, mit wem man etwa über das "Google Phone" telefoniert habe, ja über die Handy-Ortung sogar, wo man im letzten Jahr gewesen sei. Über die Büro-Software wisse Google genauer als sein eigener Verleger, wo er gerade mit seinem neuesten Buch sei, und´es kenne auch seine "To-Do-List".

Über diese Möglichkeiten könne Google in letzter Konsequenz sogar entscheiden, was der einzelne in Zukunft eigentlich will - indem es ihm diese Möglichkeit anhand seiner bisherigen Vorlieben und Entscheidungen offeriert. "Wir erlauben Google darüber zu entscheiden, wer wir sind", meinte Halavais - mit allen unbeabsichtigten Konsequenzen. So habe er etwa ernste Bedenken über die Art und Weise, wie diese Wahl getroffen werde. (APA)

 

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