Geiseldrama im Bus in Deutschland kein Einzelfall

27. April 2003, 22:07
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Zwei Fälle in jüngster Zeit gingen glimpflich aus - 1995 in Köln zwei Tote

Hamburg - Busentführungen sind keine Seltenheit. In den meisten Fällen gehen die häufig spontan begangenen Kidnappings jedoch recht glimpflich aus. dpa dokumentiert einige Aufsehen erregende Fälle:

25. April 2003: Ein 17-jähriger Jugendlicher entführt in Bremen einen Linienbus mit 16 Menschen an Bord. Nach einer stundenlangen Fahrt und nachdem er einige Geiseln freigelassen hat ergibt sich der junge Mann - ein gebürtiger Libanese - auf der Autobahn 7 bei Hildesheim der Polizei. Er war nur mit einer Schreckschusspistole bewaffnet und wollte nach eigener Aussage mit der Entführung vier El-Kaida-Mitglieder freipressen.

11. April 2003: Nach einem Banküberfall kidnappt ein Schwerverbrecher in Berlin einen Linienbus und bringt zeitweise rund 20 Menschen in seine Gewalt. Mit einer Blitzaktion befreit ein Sondereinsatzkommando die Businsassen nach wenigen Stunden. Der Geiselnehmer wird dabei verletzt.

6. Jänner 1998: Zwei angetrunkene Männer kapern in Bonn einen Linienbus mit drei Fahrgästen. Ihre erste Lösegeldforderung von 500.000 Mark verdoppeln die Kidnapper schließlich und fordern zudem ein Flugzeug, das sie nach Brasilien bringen soll. Nach rund vier Stunden stürmt ein Einsatzkommando den Bus an einer roten Ampel in Düsseldorf und überwältigt die bewaffneten Männer.

28. Juli 1995: Ein bewaffneter Israeli bringt bei einer Stadtrundfahrt in Köln 26 Menschen in seine Gewalt. Er erschießt ohne ersichtlichen Grund den Fahrer des Busses und eine 64 Jahre alte Frau. Er eröffnet auch das Feuer auf einen Streifenwagen, verletzt einen Beamten und später eine Geisel schwer. Die Polizei stürmt den Bus: Späteren Ermittlungen zufolge erschießt sich der von mehreren Polizeikugeln getroffene Kidnapper dabei selbst. Seine Geiseln finden die Fahnder gefesselt und mit verbunden Augen vor.

16. August 1988: Zwei bewaffnete Gangster nehmen in einer Bank in Gladbeck zwei Geiseln und erpressen ein hohes Lösegeld. Auf ihrer Flucht entführen sie in Bremen einen mit Dutzenden Menschen besetzten Bus. Zahlreiche Reporterteams begleiten die Flucht. Einer der Geiselnehmer erschießt einen 15-jährigen Italiener. Im Tausch gegen ein schnelles Fluchtauto lassen die Entführer die Geiseln frei. Mit zwei neuen Geiseln beginnt eine Irrfahrt. Erst 54 Stunden nach Beginn des Dramas wird der Wagen auf der Autobahn gestoppt. Bei der Befreiungsaktion erschießen die Kidnapper eine Geisel. Ein Polizist stirbt nach einem Unfall bei der Verfolgungsjagd.(APA/dpa)

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