Der Regulator im Stromkreis

27. April 2003, 21:13
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Walter Boltz kann wohl niemand beneiden - Er muss die versprochenen Einsparungen Realität werden lassen - Ein Kommentar von Clemens Rosenkranz

Energieregulator Walter Boltz kann wohl niemand beneiden. Schließlich hat er den undankbaren Job, die von Wirtschaftsminister Martin Bartenstein versprochenen Einsparungen für die Stromkunden auch Realität werden zu lassen. Weil der Energiepreis steigt und Steuern und Abgaben unveränderbar sind, ist das politisch definierte Sparziel nur mit der Senkung der Gebühren für die Nutzung der Stromnetze erreichbar.

Damit kommt der Regulator aber unter massiven Druck von der anderen Seite, nämlich den 137 heimischen Netzbetreibern. Sie malen ein düsteres Szenario an die Wand: Die angepeilten Sparpotenziale seien nur mit drastischem Personalabbau und einem Investitionsstopp realisierbar. Wenn die Erlöse der Netzgesellschaften wegbrechen, ist die Sicherheit der Versorgung gefährdet, es drohen sogar Firmenpleiten, unkt die Branche.

Zwar ist klar, dass es schon jetzt effizient arbeitende Netzbetreiber nicht um bis zu 35 Prozent billiger geben können, aber es gibt freilich noch genug Unternehmen, die noch schlanker und ökonomischer agieren könnten. Dies ist aber vom Aufschrei der Strombranche, dem sich auch die Landeshauptleute angeschlossen haben, komplett übertönt worden.

Am meisten ließe sich mit der Schaffung einer einheitlichen österreichischen Netzgesellschaft einsparen. Schließlich haben die Netzbetreiber jeweils eigene Vorstände, Planungsstellen und Wartungsteams. Die vom Bund erwünschte Fusion der Netze wird aber von den Ländern abgelehnt. Nun soll Boltz die zweitbeste Lösung, eine radikale Tarifsenkung, umsetzen. Auch wenn er fachlich dafür zuständig ist, kann sich Bartenstein nicht aus der politischen Verantwortung für die Strombranche und die Versorgungssicherheit stehlen. Den Regulator zu prügeln ist zwar populär, trifft aber den Falschen. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 28.4.2003)

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