Prunkvolle Klangwolken

27. April 2003, 22:02
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Die Wiener Philharmoniker mit Mariss Jansons im Wiener Musikverein

Wien - Unlängst hat man es ebenda hören können, im Wiener Musikverein, bei seinem Zwiegespräch mit dem ihm noch ein Weilchen anvertrauten Pittsburgh Symphony Orchestra, das er in Richtung Amsterdam und München verlassen wird: Der lettische Dirigent Mariss Jansons ist ein Mann der aufgeladenen Details, aber auch ein Mann fürs Prunkvolle, der die deftigen, üppig strahlenden Momente eines Werkes gerne übervoll auskostet und farbenreiches Klangtheater entstehen lässt.

Insofern war das philharmonische Abo-Programm (Debussy, Respighi) genau seine Kragenweite; insofern bot auch César Francks Symphonie in d-Moll einiges. Es ist allerdings ein immer wieder seltsam anmutendes Werk, diese dreisätzige dunkle Schönheit. Man fragt sich doch mitunter, was sie eigentlich sein will.

Da sind immer wieder diese sich schwärmerisch-romantisch überschlagenden Phrasen, auch die harmonisch motivierte Melancholie. Dann jedoch brechen da diese prunkvollen Momente des Festlichen herein, die irgendwie unvermittelt daherkommen und sich nicht leicht ins symphonische Gesamtbild fügen wollen. Jansons - könnte man sagen - gibt dem Widersprüchlichen dieses Werkes alle Rechte. Die Philharmoniker folgen ihm in die dunkeln Gefilde, lassen auch den zweiten Satz so sanft wie flink und schlank linear tänzeln und schwingen sich auch auf zu den gleichsam hellen Momenten des Prachtvollen.

Die Logik

Dennoch: Die Ideen des komponierenden Organisten aus Frankreich finden nicht zu einer Linie, sind in sich und für sich wirksam, bleiben aber in Summe eine Logik der inneren Ausdrucksbezüge schuldig. Auch Jansons fand keine Antwort. Das kleine symphonische Rätsel bleibt.

Bei Claude Debussy geht alles etwas einfacher, leichter von der Hand; da lösen sich alle Fragen gleichsam in Klang auf. Prélude `a l'apr`es-midi d'un faune wird mit feinem symphonischem Zugriff duftig zum Leben erweckt - samt der Schönheit der impressionistischen Farben und jenen durch diese Klangwolken schwebenden instrumentalen Soli. Auch Pini di Roma, Ottorino Respighis symphonische Dichtung, lässt einen nicht fragend zurück.

Zum einen lieferte der Komponist vorbeugend ein textliches Programm, das den Assoziationen Richtung gibt. Zum anderen ist das Klanggemälde plastisch bis effektvoll plakativ und bei Jansons in dienstbaren Händen. Eine Menge zierlicher Stimmungen ziehen vorbei, wirkungsvoll die koloristischen Momente. Alles steuert dem hemmungslos prunkvollen Ende zu. Bumsti! Jansons kostet es aus. War ein bisschen aufdringlich. (DER STANDARD, Printausgabe vom 28.4.2003)

Von
Ljubisa Tosic
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