Paarlauf bei Postbus endet 2004

27. April 2003, 19:25
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In Zukunft lenkt nur ein Fahrer das Vehikel - Bilanz zeigt Fortschritte bei der Sanierung

Wien - Bei dem in Richtung ÖBB fahrenden Postbus stehen personelle Weichenstellungen bevor: Österreichs größte Linienbusgesellschaft wird nicht mit einem Vorstandsduo, sondern mit einem Alleinvorstand zu den Eisenbahnern fahren. Wie DER STANDARD aus Unternehmenskreisen erfuhr, dürfte der Postbus-Aufsichtsrat den Ende April 2004 auslaufenden Vertrag von Technik- und Marketingvorstand Werner Ott nicht verlängern. Ott, Anfang 2000 von Post-Generaldirektor Anton Wais in Absprache mit dem mittlerweile abgelösten ÖBB-General Helmut Draxler vom Busverkehr Rhein-Neckar in den Postautodienst geholt, wollte dazu keine Stellungnahme abgeben.

Kompetenztransfer

Ott ließ aber durchblicken, dass er an einer weiteren Funktionsperiode interessiert sei. An sich wäre ein solcher Vorgang Routine, denn ohne fristgerechte Kündigung verlängert sich ein Vorstandsvertrag automatisch.

Da der Aufsichtsrat heute, Montag, aber auch eine Änderung der Kompetenzverteilung zwischen Ott und seiner für Finanzen und Controlling zuständigen Vorstandskollegin Wilhelmine Goldmann beschließen soll, gehen Insider davon aus, dass der Trennung auch Auffassungsunterschiede über die Unternehmensführung zugrunde liegen.

Bösartiges Gerücht

Der Antrag auf interimistische Änderung der Geschäftsordnung, den ÖIAG-Vorstandssprecher Peter Michaelis dem Kontrollgremium zur Beschlussfassung vorlegen wird, sieht nämlich vor, dass Planung und Umsetzung der Verkehrskonzepte von Ott auf Goldmann übergehen.

Damit geht ein weiterer Schlüsselbereich der auf Sanierungskurs fahrenden gelben Busflotte auf die ehemalige ÖIAG-Managerin über, bei der bereits Verkehrsverbünde und Verbundverträge ressortieren. Dass der 56-jährige Ott gesundheitlich angeschlagen sei, wie es in ÖIAG-Kreisen heißt, wird von Otts Umfeld als bösartiges Gerücht zurückgewiesen, darf aber als Indiz dafür gelten, dass Ott bereits zu Jahresende ausscheidet.

Doll bleibt

"Kein Kommentar", heißt es bei Noch-Eigentümer ÖIAG - der Postbusverkauf an die Bahn wird, wie berichtet, gerade von den Kartellbehörden geprüft. Vorstandsangelegenheiten seien Sache des Aufsichtsrates und nicht der Öffentlichkeit. Ein Geheimnis bleibt daher auch, wer in der ebenfalls heute stattfindenden Hauptversammlung statt Investkredit-Chef Wilfried Stadler als Kapitalvertreter in das Kontrollgremium bestellt wird.

Der zu Jahresbeginn von der ÖIAG in die Post gewechselte Finanzfachmann Thomas Doll bleibt dem Vernehmen nach vorerst im Postbus-Aufsichtsrat - bis der Verkauf an die ÖBB unter Dach und Fach sei. Kein Geheimnis ist indes die Bilanz 2002, sie zeigt Sanierungsfortschritte: Der Umsatz stieg von 194,2 auf 199,3 Mio. Euro, das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit verbesserte sich von minus 11,4 auf minus 4,9 Mio. Euro. Der Verlust, 2002 auch aufgrund von Grundstücksneubewertungen auf 42 Mio. Euro explodiert, dezimierte sich auf 12,7 Mio. Euro. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 28.4.2003)

Von Luise Ungerboeck
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