Saban will Gottschalk in ProSiebenSat.1-Aufsichtsrat holen

27. April 2003, 16:37
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Bedenken beim ZDF

Eine Vorschlagsliste des US-Milliardärs Haim Saban für den neuen Aufsichtsrat von ProSiebenSat.1 sorgt laut "Spiegel" beim ZDF für Bedenken. Bei der Übernahme von Deutschlands größtem TV-Konzern wolle Saban ZDF-Show-Ikone Thomas Gottschalk in den Aufsichtsrat holen, schreibt das Nachrichtenmagazin. Gottschalks Name stehe auf Sabans Vorschlagsliste für die Aufsichtsratsposten von ProSiebenSat.1, die auf der Hauptversammlung im Juni neu besetzt werden sollen.

Chefsache

Bei seinem Haussender ZDF, wo Gottschalk seinen Plan per Fax ankündigte und man sich offiziell nicht äußern will, gelte der Fall als Chefsache: "Das ist eine politische Frage, und wir sind über die Pläne von Gottschalk alles andere als erfreut", zitiert der "Spiegel" aus dem Umfeld von ZDF-Intendant Markus Schächter, der nun offensichtlich persönlich auf Gottschalk einwirken wolle.

"Interessenkollision"

Auch eine andere Personalie auf Sabans Vorschlagsliste sorgt laut "Spiegel" bei den Mainzern für Furore: Als Vertreter des Springer-Verlags soll neben Vorstandschef Mathias Döpfner auch Dieter Stolte in das Gremium einziehen, der mehr als 20 Jahre lang ZDF-Intendant war und nun bei Springer als Herausgeber von "Welt" und "Berliner Morgenpost" fungiert. Nebenbei sitzt der Altintendant immer noch im Aufsichtsrat der ZDF-Tochter ZDF-Enterprises. "Eine klare Interessenkollision", heißt es dazu auf dem Lerchenberg.

Saban hatte die Kaufverträge für den TV-Konzern ProSiebenSAT.1 und den Filmrechtehandel der zusammengebrochenen KirchMedia im März unterschrieben. Nach den jüngsten Querelen zwischen Saban und den Gläubigerbanken scheine aber laut "Spiegel" beim Insolvenzmanagement der KirchMedia nicht mehr ganz sicher, ob der Deal wie geplant über die Bühne geht (etat.at berichtete). Zur Sicherheit hätten die Insolvenzmanager eine alternative Vorschlagsliste für den Aufsichtsrat erarbeitet, falls der Saban-Kauf scheitere.

Neben Insolvenzverwalter Michael Jaffe und den beiden Insolvenz-Geschäftsführern Wolfgang van Betteray und Hans-Joachim Ziems finde sich auch dort ein überraschender Kandidat: Helmut Thoma, langjähriger Chef des größten Pro-SiebenSat.1-Konkurrenten RTL. (APA/dpa)

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