Hütteldorfer Nachspiel - Kommt Lawaree?

28. April 2003, 10:50
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Verärgerte Rapid-Fans harrten nach dem Match gegen Bregenz 90 Minuten im Stadion aus - Vereinsführung im Zentrum der Proteste

Wien - Ein Bild mit Symbol-Charakter: Eine halbe Stunde nach dem Ende des enttäuschenden 1:1-Heimremis von Rapid am Samstag gegen Schlusslicht Bregenz zog ein Fan, eine grün-weiße Fahne schwenkend, einsam seine Runden auf dem Rasen des Hanappi-Stadions. Zuvor hatte sich der Anhang des Rekordmeisters auf der Westtribüne geweigert, die Arena zu verlassen, skandierte unter anderem "Wir haben die Schnauze voll", "Wir wollen den Vorstand sehen" und Beschimpfungen gegen Präsident Rudolf Edlinger, ehe die letzten Zuschauer rund 90 Minuten nach Spielende nach Hause gingen. "Seit 1995 wird Misswirtschaft betrieben, und es gibt keine Aussicht auf Besserung. Wenn das so weitergeht, stehen wir in zehn Jahren genauso da wie jetzt. Der Vorstand muss geschlossen zurücktreten", ärgerte sich ein Rapid-"Ultra".

Gespräch in Aussicht gestellt

Die Mitglieder des Präsidiums kamen der Aufforderung der Anhänger nicht nach und verzichteten auf eine Aussprache, stattdessen ließ Edlinger via Pressesprecher Peter Klinglmüller ausrichten, er verstehe den Unmut der Fans. Zur Besänftigung wurden Platzsprecher Andi Marek und später Mittelfeldspieler Andi Ivanschitz vorgeschickt. Für die kommende Woche ist ein Treffen von Fan-Vertretern mit Mitgliedern von Präsidium, Betreuerstab und der Mannschaft geplant.

Nach der Partie waren wie schon so oft im Laufe der enttäuschenden Frühjahrssaison, in der Rapid aus zehn Spielen bei drei geschossenen Toren lediglich acht Punkte ergatterte, Durchhalteparolen angesagt. "Wir sitzen doch alle in einem Boot, das derzeit in unruhigem Gewässer schwimmt. Wir müssen alle zusammen versuchen, das Boot wieder flott zu bekommen und uns nicht selbst zerfleischen", forderte ein gewohnt blumiger Trainer Josef Hickersberger.

Kein Streit mit Herzog

Mangelnde Erfolgserlebnisse hätten sich negativ auf die Psyche der Spieler ausgewirkt. "Zum Fußballspielen braucht man eine gewisse Selbstsicherheit, die fehlt momentan. Man muss auch die mentale Komponente betrachten. Eine Niederlage wäre eine Katastrophe gewesen, Rapid wäre als Abstiegskandidat Nummer eins gehandelt worden", vermutete Hickersberger. Über die Auswechslung von Andreas Herzog in de Pause meinte der Coach: "Er hat erklärt, dass er sich nicht wohl fühlt. Es gab keinen Streit." Der Rekord-Teamspieler hatte zuvor seinem Ärger Luft verschafft und den Ball aus dem Stadion gedroschen.

Spekulationen um Lawaree

Wer in der kommenden Saison seinen Teil zum Aufwärtstrend beitragen soll, steht noch nicht fest. Kolportiert werden Namen wie Stefan Lexa, Matthias Dollinger, Yüksel Sariyar oder auch der WM-Toschützenkönig von 1998, der Kroate Davor Suker. Auch Bregenz-Goalgetter Axel Lawaree, der gegen Rapid sein 19. Saisontor erzielte, soll ein Thema sein, da der Führende der Torschützenliste im Falle eines Abstiegs der Vorarlberger den Verein angeblich kostenlos verlassen könnte. Bregenz-Boss Hans Grill bestreitet die Existenz einer solchen Klausel. (APA)

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