Angst vor religiösem Fundamentalismus

27. April 2003, 15:20
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Furcht vor islamischen Gottesstaat nach Vorbild Iran - Irakische Schiiten weisen entsprechende Befürchtungen zurück

Bagdad / Madrid - Viele Christen im Irak befürchten offenbar einen islamischen Staat nach iranischem Vorbild. Das bestätigten mehrere Kirchenführer laut Radio Vatikan jetzt in Mediengesprächen. Der syrisch-katholische Bischof Michael Al-Jamil, Titularerzbischof von Takrit und Apostolischer Visitator für die Gläubigen seiner Kirche in Westeuropa, warnte laut Kathpress vor wachsendem religiösem Fundamentalismus der Schiiten im Irak. Es bestehe die Gefahr, dass fundamentalistische Kreise im Iran von der unsicheren derzeitigen Lage im Nachbarstaat profitieren wollen.

SCIRI: "Es wird im Irak keine islamistische Regierung geben"

Die Schiiten im Irak streben nach Angaben eines ihrer Führer nicht die Schaffung eines religiösen Staates nach iranischem Vorbild an. Akram el Hakim, Gründungsmitglied der größten schiitischen Exilorganisation SCIRI (Oberster Rat der Islamischen Revolution im Irak), wies entsprechende Befürchtungen in den USA zurück. "Es wird im Irak keine islamistische Regierung geben", sagte er der spanischen Zeitung "El Pais" (Sonntagausgabe) am Rande eines Treffens irakischer Oppositionsparteien im Madrid.

"Kein Gottesstaat"

"Niemand im Irak möchte einen Gottesstaat." Zwischen den Schiiten im Irak und in Iran gebe es erhebliche Unterscheide. "Die Opposition und die Bevölkerung im Irak werden es nicht zulassen, dass an der Spitze des Staates ein Religionsführer steht, der nach iranischem Vorbild alle Macht in den Händen hält."

Treffen irakischer Exilgruppen

An dem mehrtägigen Madrider Treffen nehmen irakische Exilgruppen von Gegnern des inzwischen entmachteten Saddam-Hussein-Regimes teil. Die Iraker, die verschiedenen politischen Richtungen angehören, kamen nach Angaben der Veranstalter überein, dass der Irak nach dem Ende des Krieges das System eines Bundesstaates erhalten solle. Die territoriale Integrität des Landes müsse erhalten bleiben. Die Rechte von Minderheiten sollten geschützt werden.

Die Gruppen verständigten sich bei Beratungen hinter verschlossenen Türen darauf, beim Aufbau eines neuen Staates im Irak einvernehmlich vorzugehen, berichtete das spanische Fernsehen TVE. Sie seien übereingekommen, dass die Präsenz ausländischer Truppen im Irak bis auf weiteres erforderlich sein werde. Die ausländischen Streitkräfte müssten so lange im Land bleiben, bis der Irak wieder über eine eigene Armee verfüge. Das Treffen war am Freitag vom spanischen Ministerpräsidenten Jose Maria Aznar eröffnet worden. (APA/dpa)

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