Infineon: Entscheidung über Umzug ins Ausland noch nicht gefallen

26. April 2003, 21:52
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Verlegung des Firmensitzes in die Schweiz würde auch Ausscheiden aus DAX-Unternehmen bedeuten

Frankfurt/München - Der Münchner Chip-Konzern Infineon hat nach den Worten eines Sprechers noch nicht über eine Verlagerung des Unternehmenssitzes ins Ausland entschieden. "Es ist noch keine Entscheidung gefallen", sagte der Sprecher am Samstagabend der dpa. Er widersprach damit einem Bericht der "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung", wonach Infineon-Chef Ulrich Schumacher den Firmensitz in die Schweiz verlegen wolle.

Es werde am Dienstag eine Pressekonferenz zum strategischen Ausblick von Infineon geben, bei der einiges zu dem Thema gesagt werde, sagte der Sprecher. "Es wird aber keine Entscheidung über die Verlagerung des Firmensitzes bekannt gegeben werden."

Vor - und Nachteile

Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" hatte berichtet, Firmenchef Schumacher werde den Aufsichtsrat am Montag zum ersten Mal über den geplanten Umzug in die Schweiz informieren.

Seit Wochen lässt Schumacher die Vor - und Nachteile diverser Orte als Sitz einer Holding durchrechnen, von wo aus Vorstand plus 200 bis 300 Führungskräfte den Konzern künftig lenken sollen. Bei diesen Überlegungen habe sich die Schweiz als Favorit heraus kristallisiert: "Schumacher will am liebsten in die Schweiz", heißt es in Führungskreisen des Unternehmens.

Konsequenz

Als Konsequenz aus dem Umzug müsste Infineon aus dem Kreis der 30 DAX-Unternehmen ausscheiden. "Wenn ein Konzern seinen Sitz ins Ausland verlegt, dann kann er auch nicht im DAX bleiben", sagte ein Sprecher der Deutschen Börse der Zeitung. Eine Ausnahme für den Chiphersteller werde es da nicht geben.

Verschärfung des Sparkurses

Infineon hatte am vergangenen Dienstag sein Quartalsergebnis vorgestellt und nach dem unerwartet hohen Verlust eine Verschärfung des Sparkurses angekündigt. Dabei hatte Schumacher einen weiteren Stellenabbau nicht ausgeschlossen und bekräftigt, dass eine Verlagerung der Zentrale ins Ausland geprüft werde. Dabei sei auch ein Standort in Asien vorstellbar, sagte Schumacher am Dienstag.

Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2002/03 (30. September) stieg der Verlust vor Zinsen und Steuern verglichen mit dem Vorquartal von 31 auf 223 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum lag der Verlust auf dieser Basis bei 176 Millionen Euro. Analysten hatten steigende Verluste erwartet, die meisten allerdings nicht in diesem Ausmaß. (APA)

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