Kolumne

Moscheenbau im 21. Jahrhundert

27. August 2010, 20:08

Es gibt in Österreich und in ganz Europa vielleicht Institutionen mit dem Titel „Islamische Glaubensgemeinschaft“, aber es gibt keine echte „Gemeinschaft“

Wegen heftiger Leserdiskussion noch einmal das Thema: Wie sollen Muslime im 21. Jahrhundert in Europa ihre Religion ausüben? In meiner Kolumne vom 25.8. wurde die Forderung des scheidenden Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Anas Schakfeh, thematisiert, mittelfristig solle es in jeder österreichischen Landeshauptstadt eine „von außen als solche erkennbare „Moschee geben, mit Kuppel und Minarett“. Daran schlossen sich Überlegungen, warum und ob Muslime im 21.Jahrhundert auf den Bauformen des 16. Jahrhunderts – Zeit der größten Machtentfaltung des Islam im Ottomanischen Reich – bestehen sollen.

Ein Aspekt von Schakfehs Äußerung blieb unbehandelt: Es gibt in Österreich und in ganz Europa vielleicht Institutionen mit dem Titel „Islamische Glaubensgemeinschaft“, aber es gibt keine echte „Gemeinschaft“. Es gibt Sunniten, Schiiten, Aleviten (die von den Sunnis gar nicht als echte Moslems angesehen werden) und es gibt vor allem türkisch dominierte und arabisch dominierte Glaubensgruppen. Und die beten gewiss nicht alle in einer Zentralmoschee. Damit sind wir wieder bei der Frage, ob sich aus einem Baustil eine Ideologie und/oder ein Machtanspruch ableiten lässt. Die Antwort ist nicht leicht, aber es ist argumentierbar, dass die Beibehaltung eines historisierenden Stils nach den herrlichen Vorbildern der osmanischen Großmoscheen aus dem 16.Jahrhundert (Sultan Ahmet und Süleymanye in Istanbul, Selimiye in Edirne), etwas mit einer beharrenden Mentalität zu tun hat. Die aber ist nach Meinung ernsthafter Islam-Forscher und auch muslimischer Intellektueller das größte Problem der muslimischen, vor allem arabischen Gesellschaften und ein Rezept für Rückständigkeit (sehr instruktiv dazu Dan Diners Buch „Die versiegelte Zeit“ und der UNDP-Report on Human Development on Arab States 2002).

Bis 1900 schwelgten auch die christlichen Kirchen(neu)bauten im Historismus – siehe in Wien die neogotische Votivkirche, von Touristen oft mit dem Stefansdom verwechselt. Auch die europäischen Großsynagogen der Zeit um 1900 hatten eine „orientalisierende“ Architektur. Mit dem Anbruch des klassischen Moderne entstanden aber völlig neue Formen des christlichen Kirchenbaus (Le Corbusier im französischen Ronchamp, nach 1945 die Wotruba-Kirche in Wien). Die Synagoge von 1930 im deutschen Plauen (sie existiert nicht mehr) war reines Art Deco; die neue Hauptsynagoge in München, kürzlich erst eröffnet, ist ebenso wie die 2001 erbaute in Dresden eine „abstrakte“ Kubenkonstruktion.

Es gibt auch moderne Moscheen, übrigens mit Minarett wie die im deutschen Plenzberg. Aber die großen Signalbauten historisieren: Die Zentralmoschee der vom türkischen Staat beherrschten Ditib in Köln hat eine klassische Kuppel und zwei Minarette (55 m hoch). Die Grand Mosque in Paris dagegen hält sich eher an den frühen arabischen Stil mit freiem Innenhof. Es gibt auch Kompromisse wie die in Telfs und Bad Vöslau mit gestutzten Minaretten; die sind einfach banal. Man kann somit sagen, dass christliche wie jüdische Sakralbauten seit dem Beginn der klassischen Moderne vor rund 100 Jahren zu zeitgenössischen Stilformen gefunden haben; die moslemischen seit Beginn der intensiven Einwanderung in Europa in den 50er-Jahren nicht oder in viel geringerem Ausmaß. Das kann/ muss zumindest ein Ansatz sein für eine Debatte, die das Recht auf angemessene Reli_gionsausübung nicht in Frage stellt, aber auch an die Muslime die Frage stellt, ob sie im 21. Jahrhundert leben wollen. (Hans Rauscher, DER STANDARD, Printausgabe, 28.8.2010)

Kommentar posten
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Alina Zak
00
10.9.2010, 17:23
ja wenn der Standard sowas schreibt ist das erlaubt

wenn es der Strache sagt, ist es eine menschenverachtende rassistische hetzerische islamophobe Nazi-Aussage.......zweierlei Maß ist anständiges Maß

Interrupt
21
29.8.2010, 18:57
Verstehe den Ansatz nicht

Für mich entsteht folgendes Bild:
Moslems sollen ihre Moscheen nicht so bauen wie es ihnen gefällt, sondern so bauen, dass es keine "klassischen Moscheen" mehr sind damit es Christen nicht stört. Dabei wird der Deckmantel der Diskussion bezüglich eines Vergleichs mit dem architektonischen Wandel beim Kirchenbau über die Geschichte gezogen, nur damit der Eindruck der Religionsfreiheit gewahrt werden kann.

Dazu stellt sich die zentrale Frage: Müssen Alle es den Europäern nachmachen? Müssen sie dazu gezwungen werden?

Ist es nicht schaizegal wie ein Gebetshaus aussieht? Wenn es dem Nachbarn nicht passt wird es sowieso beschmiert und ggf. niedergebrannt werden. Die Vergangenheit bietet genügend traurige Beispiele dafür...

Alina Zak
00
10.9.2010, 17:29
alle schimpfen über europa

aber alle wollen hier bleiben. das nennt sich dann tolerant + gerecht. ...(heiligen-Schein-Gefahr)

Wenn man einem Verein beitritt, kann der zuletzt beigetretene dann automatisch alles ändern + die vorherigen Mitglieder haben nichts zu sagen?

nein, ich bin kein Nazi, denn ich bin keine Ösi :-)
bin eine 3-fache Minderheit :-)))
(p.s. muß man leider dazu sagen um nicht ausgegrenzt zu werden von den Menschen mit Vor-urteil-en

wasndas
 
00
29.8.2010, 16:11

Menschen genannt 'Romanes' gehen das Haus!

Parsley, Sage, Rosemary and Thyme
66
29.8.2010, 16:06
wie sollen muslime im 21jh. ihre religion ausüben?

in westeuropa am besten gar NICHT.

da diese religion mit den werten der aufklärung nicht vereinbar ist sollte die ausübung untersagt werden. schliesslich hat man lange für rechte kämpfen müssen. aus respekt dafür gilt es weiterhin für diese rechte einzustehen anstatt sich diese durch kniefälle vor dem mittelalterlichen zuwanderern wieder nehmen zu lassen. selbiges gilt für katholizismus und judaismus.

recht auf religionsfreiheit sollte nicht priorität haben.

schuld hat die sozialdemokratie die sich anstatt sich zu ändern oder gar selbst abzuschaffen ein neues proletariat heranbildete als man dem öster. industrieprol. verlustig wurde. das erkennt man an den türkischen plakaten der spö die den integrationsunwillen noch fördert.

nemo sander
61
29.8.2010, 18:36
da deine aussagen im krassen gegensatz zu den

werten der aufklärung stehen, solltest du verboten werden, um auf deiner argumentationslinie zu bleiben.

Der Waehlerwille
 
14
29.8.2010, 18:55
damit erklären sie selbst sich zum faschisten.

da der eine eine religion verbieten will (unzulässigerweise)

Sie! aber den menschen selbst.

sie sind somit um klassen rassistischer/extremistischer als ihr vorposter.

Interrupt
11
30.8.2010, 07:00
das ist lächerlich und zeigt wieviel schindluder mit "faschismus" getrieben wird

nemo sander verbietet ja nicht den menschen selbst sondern das gedankengut welches die religionsfreiheit, als wert der aufklärung, abschaffen will. stellt sich somit gegen faschismus.

Alina Zak
00
10.9.2010, 18:54
war wohl ein freudscher versprecher :-)

"solltest du verboten werden" = unlebenswertes Leben ????

Der Waehlerwille
 
20
30.8.2010, 09:18
netter relativierungsversuch

nemo sagt klipp und klar "solltest du verboten werden"

das kann man nicht missverstehen.

nemo vertritt damit übrigens im gegensatz zum vorposter eine klar faschistische ideologie. was sie offensichtlich in ihrer parteilichkeit überlesen haben.

was btw nicht bedeutet dass eine einschränkung der religionsfreiheit wie vom vorposter gefordert auch nur irgendwie akzeptabel ist.

Interrupt
30
30.8.2010, 14:45
wenn man nur ein drittel des satzes hernimmt kann man durchaus einiges missverstehen

faschismus zeichnet sich durch die unterdrückung anders denkender aus. mit "wie sollen muslime im 21jh. ihre religion ausüben? in westeuropa am besten gar NICHT." ist der vorposter, anders als sie behaupten und glauben, selbst eindeutig ein faschist. nemo sander wendet dieses gedankengut ja nur auf die aussage selbst an und zeigt das resultat auf.

Alina Zak
10
10.9.2010, 18:05
anti-faschist=faschist=haßliebe (denn "anti"-braucht "faschist")

bei genauer beobachtung ("solltest du verboten werden" ) erkennt man kaum unterschiede, nur daß anti-faschisten durchschnittlich intellektueller sind + daher ihre Schattenseiten in den"primitiven" Rechten zu projezieren versuchen

denn wie der schelm denkt, so ist er ....

Der Waehlerwille
 
01
faschismus zeichnet sich nicht durch unterdrückung von religionsausübung aus (dafür finden sich andere bezeichnungen)

sondern durch den wunsch unerwünschte bevölkerungsteile zu "eliminieren"

worauf das ursprungsposting nicht passt. hingegen nemos posting sehr präzise.

cyber ferkel
29
29.8.2010, 14:27

Den Menschenrechten, der Gleichheit von Mann und Frau und unseren westlich demokratischen Grundrechten muß ein höherer Stellenwert zugemessen werden als dem Recht zur freien Religionsausübung.

Nik M
00
30.8.2010, 17:48
Menschenrechtsverbot auf Schleier

Die links-linke Softiepartie, die die Menschenrechte zusammengeschustert haben, haben vergessen, das Schleierverbot mit reinzunehmen. Da haett zum Recht auf Meinungsfreiheit, Recht auf Eigentum, Recht auf Arbeit noch Verbot, sich die Haare zu verhuellen, wenn man eine Moslemfrau ist reingehoert. Und jetzt haben wir den Salat.

hilde peymann
10
29.8.2010, 18:40

versteh ich sie recht, sie sind für enteignung und schliessung von kirchen und klöstern ?

Ben Hemmens
30
29.8.2010, 18:36
Oh, ich dachte

die Religionsfreiheit WAR eines von "unseren westlich demokratischen Grundrechten" ...

die naive
12
29.8.2010, 15:10

Allerdings!

Sarah L.
 
32
29.8.2010, 13:49
"Wie sollen Muslime im 21. Jahrhundert in Europa ihre Religion ausüben?" (rau)

die antwort kann doch nur sein: "so, wie das muslime glauben!" das muß als grundsatz wohl gelten.
erst im folgenden hat man sich zu fragen, ob sie damit mit anderen, gültigen vorstellungen (zb.: menschenrechten) konfligieren.
das ergebnis ist dann vllt. auch, dass es das eine, oder andere nicht gibt. allerdings macht es im vergleich zum rauscher´schen hineinreden, mehr, als nur einen kleinen unterschied im procedere aus.

Sarah L.
 
00
30.8.2010, 11:21
"menschenrechte"

und "tierrechte" nehmen wir auch dazu.

denn es ist etwa nicht einzusehen, dass man in südspanien lebende ziegen mit stricken um den hals zum kirchturm raushängt, um sie dann am höhepunkt der religiösen erbauung vom turm zu werfen.

Annata
427
29.8.2010, 12:58
Religion war

so schön am aussterben, bis wir unbedingt Leute aus dem finsteren Mittelalter importieren mussten!

Ade schöne säkulare Welt und hart erkämpfte Menschenrechte.

nemo sander
50
29.8.2010, 18:38
leider hast du nicht verstanden, das säkularismus

keine weltanschauung ist, die gegen die religionen kämpft, sondern religionsfreiheit im sinne der aufklärung erst möglich macht.
siehe die laizistische und hochreligiöse USA

Parsley, Sage, Rosemary and Thyme
28
29.8.2010, 16:08
leider wird die religionsfreiheit über andere m-rechte gestellt

bedroht diese doch in form des islam andere freiheitsrechte

MalteLauridsBrigge
00
29.8.2010, 19:59
Wenn du deine Religion frei wählst

wählst du nunmal auch die Einschrenkungen und wenn du dich dadurch eingeschrenkt siehst, musst du ja nicht beitreten. Also bedroht der Islam keine Menschenrechte. Einige Islamisten bedrohen Menschenrechte, aber die sind sowieso da und wenn man die Muslime ausgrenzt und ihnen alles verbietet werden aus ihnen nur Islamisten hervorkommen.

nemo sander
42
29.8.2010, 18:38
leider weißt du nicht, dass religionsfreiheit

ein menschenrecht ist, dass du einschränken willst.

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