Muslime fürchten Angriffe

27. August 2010 19:37

Eine Messerattacke auf einen Taxifahrer aus Bangladesch, Koranverbrennungen in Florida - der Hass auf sie sei in den USA stärker denn je, klagen Muslime

Anlass für die Übergriffe ist die geplante Moschee am Ground Zero.

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New York / Washington - Es musste ja so kommen, meint Ibrahim Hooper. Es war ja abzusehen. "Eine Rhetorik des Hasses führt oft zu Verbrechen des Hasses, und ich denke, das erleben wir jetzt." Der Sprecher des Council on American-Islamic Relations, einer Organisation von US-Muslimen, sieht eine Welle der Feindseligkeit auf seine Gemeinde zurollen, schlimmer als nach dem 11. September 2001.

Der Mordversuch an einem New Yorker Taxifahrer, einem aus Bangladesch stammenden Familienvater, hinterlässt tiefe Ratlosigkeit. Kaum hatte er seinen Schock überwunden, erzählte Ahmad Scharif, ein 44 Jahre alter Cabbie, von einem Fahrgast, der ihm anfangs noch freundliche Fragen stellte, etwa zum Fasten im Ramadan. Dann habe der junge Mann eine Weile geschwiegen, plötzlich sei er von hinten mit einem Messer auf ihn losgegangen, habe versucht, ihm die Kehle aufzuschlitzen. "Das ist der Checkpoint" , soll er gerufen haben. "Ich muss dich ausschalten." Die Plexiglasscheibe, die Chauffeure von ihren Passagieren trennt und nur einen kleinen Spalt offen lässt, rettete Scharif das Leben. Geistesgegenwärtig lenkte er sein Taxi in die Nähe einer Polizeistreife, die den Messerstecher festnahm, bevor er fliehen konnte.

Was genau den 21-jährigen Michael Enright antrieb, wird derzeit von Detektiven geklärt. Im Frühjahr war der Filmstudent für fünf Wochen in Afghanistan, wo er Marineinfanteristen bei ihrer Offensive in der Provinz Helmand begleitete. In seinem Rucksack fand man eine leere Flasche Scotch. Im politischen Diskurs gilt Enrights blutige Tat als Alarmsignal, als Indiz dafür, was die verbale Hysterie des Sommers für Folgen haben kann.

Es begann mit dem Plan, zwei Straßen hinterm Ground Zero ein islamisches Zentrum mit Moschee zu bauen. Angehörige der Opfer der Anschläge auf das World Trade Center sprachen von einem Sakrileg an einem heiligen Ort, während andere das Projekt als Symbol der Toleranz begrüßten. Schlichtende Politiker betonten, dass sie die Emotionen der Hinterbliebenen sehr gut verstehen, egal in welche Richtung sie gehen. Inzwischen sieht Michael Bloomberg, der New Yorker Bürgermeister, aber immer mehr Trittbrettfahrer auf den Zug springen, die vor den Kongresswahlen im Herbst nur die Stimmung anheizen wollen: Den meisten Johlenden sei die Moschee an sich völlig gleichgültig.

Robert Reich, unter Bill Clinton Arbeitsminister, heute ein scharfzüngiger Kolumnist, macht die Verunsicherung der Wirtschaftskrise verantwortlich für die populistische Welle. "Wo kommt das alles her?", fragt er in einem Essay. "Man nennt es Angst. Wenn die Leute Angst haben, dass sie ihr Haus, ihren Job, ihr Erspartes verlieren, suchen sie jemanden, dem sie die Schuld geben können."

Ein Einzelfall sind die Messerstiche gegen den Cabbie jedenfalls nicht. Im kalifornischen Madera warfen Unbekannte vor wenigen Tagen Steine in die Fensterscheiben einer Moschee und kritzelten bösartige Sprüche auf Pappschilder - "Kein Tempel für den Gott des Terrors!"

In Gainesville in Florida will Pfarrer Terry Jones am 11. September einen Stapel von Koranausgaben verbrennen. Das heilige Buch des Islam stecke voller Lügen, sagte er der New York Times, räumte aber ein, es nie gelesen zu haben.

Vertreter muslimischer Verbände sehen in alledem eine gefährliche Wende. Nach den Terroranschlägen vom 11. September hatte die politische Klasse noch geschlossen zur Besinnung aufgerufen, auch der damalige Präsident George W. Bush. Damals besuchte Bush eine Moschee und fand klare Worte: "Islam ist Frieden" . Heute gießen prominente Politiker Öl ins Feuer. Eine Moschee am Ground Zero, eifert der Republikaner Newt Gingrich, das wäre wie ein Hakenkreuz am Holocaustmuseum in Washington.

Arsalan Iftikhar, ein US-pakistanischer Bürgerrechtler, spricht von einer neuen Qualität des Hasses: "Wir beginnen, uns wie Albert Camus zu fühlen. Wie Fremde in einem fremden Land." (Frank Herrmann/DER STANDARD, Printausgabe, 28.8.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 71
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Mathias
 
30.08.2010 10:39
Was genau den 21-jährigen Michael Enright antrieb, wird derzeit von Detektiven geklärt.

Wird wohl die letzten Jahre fleissig Republikaner gewählt haben, vermutlich sogar noch Fan von Frau Palin?

machdasweg
28.08.2010 18:14
Gewagte Aussage...

..., die Vernichtung von Millionen von Menschen auf die selbe Stufe zu stellen wie einen Terroranschlag

vorname nachname1
28.08.2010 15:43
so blöd musst einmal sein

man stellt ja auch nicht neben einem holocaust museeum ndp schilder auf. man kann von den moslems auch taktgefühl erwarten, nicht immer nur umgekehrt.

Kowosch
 
28.08.2010 21:09
"man kann von den moslems auch taktgefühl erwarten"

Was meinen Sie? Man sollte als Muslim nicht mehr ausgerechnet in New York als Taxifahrer arbeiten, oder wie?

Alter Knacker
28.08.2010 18:16

die Politik ist ja auch saublöd, weil die Politiker drücken immer nur ihre Begeisterung vom Islam aus. Der Obama hat ja auch wieder, wie er von der Religionsfreiheit gesprochen hat, über das ganze Gesicht gegrinst. Die freuen sich ja, wenn sie für die Religionsfreiheit diesen Dreck kriegen. Also was soll man ihnen dann behilflich sein, das Problem zu lösen ? Die machen lieber einen Großkrieg, in dem sie ein paar Tauben und ein paar Unbeteiligte erschießen, bevor sie ihr Mißfallen über den Islam äußern. Aber so kann man nicht die Lage verbessern, weil jeder Terrorist hat dem Islam einen großen Nutzen eingebracht und jeder kann bald wieder mit dem Terror anfangen. Der Terror ist ja praktisch ("Gottes-)Dienst nach Vorschrift".

FSK
28.08.2010 18:00

das aufstellen eines kreuzes bei auschwitz hat schon zu einem weltweiten Aufschrei geführt.

molekühl
28.08.2010 13:48

Stellt's doch einfach einmal einen "Body Count" auf, wie es in den Industrieländern bilanzmäßig so ausschaut beim Abstech-Wettbewerb "Westen gegen Islam".
Ich hab' da einen Verdacht, wer da weit in Führung liegen könnte.

sanginius
28.08.2010 13:47
die USA waren schon immer rassistisch

zuerst gegen die Ureinwohner, dann Iren, Schwarze sowieso, Lateinamerikaner und jetzt eben Moslems.

Wer kein weißer Anglekaner ist kokmmt steht eben nicht an der Spitze der Nahrungskette

entropian
07.09.2010 03:44
Da reden die Richtigen...

Natürlich gibt es in den USA genau so wie in allen anderen Ländern Rassisten. Allerdings so viele ewig gestrige und unbelehrbare wie in Österreich gibt es da schon lange nicht mehr. Im Gegenteil, die Integration der Rassen hat im Einwandererland der Vereinigten Staaten besser funktioniert als sonst wo. In den vierziger Jahren hatte der KKK 3 - 4 Millionen Mitglieder. Heute sind es ein paar tausend, die bei ihren Aufzügen von der Polizei beschützt werden müssen, damit sie die Menge nicht prügelt. Besser vor der eigenen Türe kehren.

Jürgen Rembremerding
 
28.08.2010 16:54
Anglikaner spielen in den USA keine Rolle!

Peter Ebner1
28.08.2010 15:51
Das betrifft aber leider nicht nur die Weissen in den USA

Da hacken die Hispanics gegen die Asiaten, die Asiaten gegen Juden, die Juden gegen die Schwarzen etc. genauso hin. Von den Machos der Armenier und Perser moechte ich ganz und gar schweigen. Ich lebe die Haelfte meines Lebens in L.A. also es sind nicht nur die Weissen, die anderen Volksgruppen sind auch keine weissen Laemmer. Und was uns Oesterreicher betrifft. So sind wir schon gar keine weissen Laemmer. Die Auslaenderphobie ist da auch kein kleines Laercherl mehr,thanks to Haider, Strache etc.Es kommt in den USA nur drauf an wo man lebt.Hier in L.A sind die Hispanics so stark dass die Weissen vorsichtig sein muessen. Haben sogar Latino Buergermeister.Sehr engagiert uebrigens.Die haben den Vollkoffern in Arizona ordentlich Paroli geboten.

Busenfreund
28.08.2010 17:56

"Von den Machos der Armenier und Perser moechte ich ganz und gar schweigen"

Dieser Satz hat mich zu der Überzeugung gebracht. Sie sind informiert und ein richtiger Experte.

superstrolch
 
28.08.2010 15:42

Barack Obama?

insertnamehere
 
28.08.2010 15:31
"Wer kein weißer Anglekaner ist kokmmt steht eben nicht an der Spitze der Nahrungskette"

Ahem. Ich spar mir jetzt mal die naheliegende Erwiderung und frag mal was anderes?

Würden Sie sagen, als Nicht-Einheimischer hat mans dort in den USA leichter, an die Spitze zu kommen oder aber
a) in Österreich
b) in der Türkei
c) sonstwo?

Oder anders gefragt: Wo auf der Welt sind die Zustände denn am wenigsten ra*sistisch? So im Vergleich zu den USA?

Nick Tameer
29.08.2010 10:50

So gesehen schießen die USA ganz klar den Vogel ab, das in über 200 Jahren noch keinen Präsidenten ohne Migrationshintergrund hatte.

Mir scheint, dass es durchaus Länder mit weniger Rassismus als die USA gibt, aber ich sehe in der Erstellung von Hitlisten keinen Sinn. (Armen) Immigranten, ist auch dort erst in der zweiten, meist erst in der dritten Generation in nennenswertem Umfang ein sozialer Aufstieg gelungen und speziell für Schwarze ist der Aufstieg trotz Obama (wieso gilt der eigentlich trotz weißer Mutter als "schwarz", seltsam gell?), nach wie vor besonders schwer. Obwohl die schwarze Mittelschicht gewachsen ist, ist selbst in dieser Schicht der soziale Umgang bis heute noch stark von "Rassen"schranken geprägt.

Christoph Karl Steininger
28.08.2010 13:24
Was kann bloß der Grund sein?

Vielleicht die nicht abreißende Flut von Greultaten übelster Ausprägung gegen einfach jedermann den man sich vorstellen kann.
Der Terror braucht immer noch den nächsten Kick, die nächste Steigerung.
Überdies ist das Sektierertum das sich genauso gewalttätig äußert auch nicht besonders attraktiv.
Geistliche und Richter die grausamste Leibesstrafen verhängen, oft wegen Bagatellen.
Die Liste ist länger als die 750 Zeichen die mir hier zur Verfügung stehen.
All das prasselt jahraus jahrein auf selbst einen durchschnittlichen Medienkonsumenten ein.
Da braucht man sich nicht wundern wo diese feindselige Haltung gegenüber dieser Religion herkommt!

Nick Tameer
29.08.2010 11:03

Du bist *Moslem*? Selbst dran schuld, wenn ich dich jetzt umbringe! Hättest halt deinen *Glaubensbrüdern* sagen sollen, *nicht zu weit zu gehen*!

Ein *Rassist* ist jemand, der Menschen nicht als Individuen, sondern als Angehörige einer Gruppe wahrnimmt.

(die mit *...* gekennzeichneten Wörter können entsprechend der jeweiligen persönlichen Aversion hassobjektgerecht angepasst werden).

Timagoras
 
28.08.2010 12:11
"Was genau den 21-jährigen Michael Enright antrieb, wird derzeit von Detektiven geklärt"

gemeint sind wohl kriminalbeamte (detectivs).
wer hat denn das übersetzt? ;o)

bademeister
28.08.2010 13:47

neenee, das ist schon richtig übersetzt. ich hab gehört dass ein gewisser mr. monk an der sache dran ist.

Advaita0
28.08.2010 11:16
Muslime können auch Obama fragen

wie er sich mit der Tea Party und bei Glenn Becks Tiraden fühlt.
Sie sind also nicht alleine. Amiland wird generell brutaler und radikal, u.q. weil die Schulbildung in den letzten Jahrzehnten auf Hilfschulniveau zurückgeschraubt wurde. Idioten sind leichter manipulierbar.

skipper2002
28.08.2010 10:44
die verjagung der moslem geht von amerkia aus

und wird auch europa erreichen.

mitch2
28.08.2010 15:48

möge die übung gelingen

Nick Tameer
29.08.2010 11:06

Mein Hobby - Völkermord

Lichtfreak
30.08.2010 11:28
Ich versteh den Frust

aber ich sehe eine mögliche Vertreibung immer noch sinnvoller, als abwarten, bis es zum Völkermord kommt (Geburtenrate)

Thomas Felder1
28.08.2010 14:14

da geh ich gleich mit, im 4. reich will ich ned leben

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