Die Schöne - und das Gift

27. August 2010, 19:15
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Im neuen Roman von Susanne Ayoub geht wieder um eine junge Frau in der Zwischen- und Nachkriegszeit

Ein weiteres Mal beweist Susanne Ayoub ihre Affinität zu Giftmischereien aller Art: nach Engelsgift geht es in ihrem neuen Roman Mandragora wieder um eine junge Frau in der Zwischen- und Nachkriegszeit. Pola, eine serbische Prinzessin, ist mit ihren Eltern nach Wien emigriert, wo die Familie sich schlecht und recht durchbringt. Das begabte und schöne Mädchen wird Lehrerin und vom Direktor ihrer Schule dazu überredet, seinem Sohn Nachhilfe zu geben. Die jungen Menschen verlieben sich ineinander. Der Direktor hat mit Pola andere Pläne: Er vermutet in ihr ein Medium und zieht sie in die obskuren Kreise und Riten der Ariosophen, die vom Kommen des höheren Menschen fabulieren und mit die geistigen Grundlagen des nationalsozialistischen Rassenwahns legen. Ayoub hat einen historischen Kriminalfall als Anregung benützt, belässt aber ihre widersprüchliche Figur im Zwielicht. Sie versucht keine psychologischen Deutungen und hält eine kühle Distanz zu ihrer Hauptfigur. Pola wird als Giftmischerin verurteilt, überlebt den Krieg und irrt in den Bombenruinen von Wien umher. In der oft pathetischen Diktion der Zeit, enorm detailreich und bildmächtig, schlägt der Text den Leser schnell in den Bann. Femme fatale oder naives Opfer, den Rätseln wird Raum gelassen.  (Ingeborg Sperl, ALBUM/DER STANDARD - Printausgabe, 28./29. August 2010)

Susanne Ayoub, "Mandragora". € 21,90 / 429 Seiten. Braumüller Verlag, Wien 2010

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