Fest der Gastfreundschaft

27. August 2010, 19:09
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Das Vorarlberger Kulturfestival Walser Herbst beschäftigt sich heuer auf vielfältige Weise mit den Aspekten des Reisens

Bludenz - Stahlwürfel werden aus 210 Meter Höhe hinuntergeworfen. Junge Menschen ziehen fünf Wochen lang mit Handkarren durch ein Tal. Ein leerstehendes Hotel wird mit Erinnerungsräumen bespielt. Ein temporäres Wiener Kaffeehaus entsteht in einem hochalpinen Ort, der schon länger ohne Gasthaus auskommen muss. "Bilder vom Reisen" lassen ein altes Spar-Geschäft noch einmal aufleben. Es wird gewandert, gejodelt, gesungen, geschrieben, Theater gespielt, und man kann von Bludenz aus eine musikalische Kulturwanderung zur Eröffnung des "steilsten Festivals mitten in den Bergen" nach Raggal im Großen Walsertal machen.

Die vierte Auflage des biennalen Vorarlberger Kulturfestivals "Walser Herbst" umkreist heuer vom 27. August bis zum 18. September die vielfältigen Aspekte des Themas "Reisen". Dabei nähert man sich dem Reisen in künstlerischen und zeitgeschichtlichen Ausstellungen, anhand von Beispielen des zeitgenössischen europäischen Spiel- und Dokumentarfilms, mit Musik, Theater und nomadisch-kulinarischen Experimenten. Es geht darum, wie und warum sich Menschen auf den Weg machen, welche Sehnsüchte sie treiben, wo und wie sie als Gäste empfangen werden. Darüber hinaus schafft der Walser Herbst auch temporäre Räume lebendiger Gastfreundschaft, und er macht sich selber auf den Weg, etwa mit einer jodelnden Fußwallfahrt. Das Festival möchte Raum für Begegnung schaffen und die Auseinandersetzung mit Eigenem und Fremdem fördern. Die Begriffe "Fremdenverkehr und Gastfreundschaft" stehen dabei im Zentrum. Man will einen Diskurs in Gang setzten und vielleicht auch Visionen für die Zukunft entwerfen.

Schon das Eröffnungswochenende bietet ein umfangreiches Spektrum an Kunst, Kulinarik, Musik und Aktionen. Gleich zur Eröffnung des Walser Herbstes wird in Raggal mit Trommelgeschichten, Reisebildern und hatschenden Jodlern und einfachen heimischen Speisen vom Holzherd aufgewartet. (Raffaela Rudigier, DER STANDARD - Printausgabe, 28./29. August 2010)

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