Strengere Prüfung bei Klimaschutzzertifikaten

27. August 2010, 19:07
posten

Von Österreich wurden keine missbräuchlichen Projekte finanziert, betont die KPC

Wien/Bonn - "Wir haben keine Projekte in unserem Portfolio, bei denen es um das Treibhausgas HFC geht", erläutert Alexandra Amerstorfer, Geschäftsführerin der Kommunalkredit Public Consulting. Die KPC ist in Österreich die Stelle, die für den Bund den Ankauf von Emissionszertifikaten durchführt. Mit diesen Zertifikaten werden klimaschonende Projekte in Drittländern, meistens Entwicklungsländern, finanziert. Die Einsparung an Treibhausgasen darf sich der investierende Industriestaat gutschreiben.

Dieser Mechanismus, der Teil des Kioto-Klimaprotokolls ist, kam kürzlich ins Kreuzfeuer der Kritik. Von Umweltschützern wurde aufgedeckt, dass für Kältemittelhersteller, vor allem in China, die Emissionszertifikate zum lukrativen Geschäft wurden. Anstatt dass sie treibhauswirksame Kältemittel mithilfe der Gelder aus den Emissionszertifikaten eliminiert hätten, weiteten sie die Produktion der schädlichen Gase aus. Der UN-Klimarat argwöhnt sogar, dass Anlagen eigens dafür gebaut wurden, Emissionen geltend machen zu können, Emissionen, für deren Vermeidung via Treibhausgas-Zertifikate wiederum Finanzmittel aus Industrieländern eingestreift werden können.

Amerstorfer, die das österreichische Emissionszertifikateankaufsvolumen im Umfang von 45 Millionen Tonnen Treibhausgasen für die Republik managt, erläutert, warum die KPC solche Projekte nicht unterstützt hat: "In der EU sind diese Gase, die nicht nur fürs Klima schädlich sind, sondern auch die Ozonschicht schädigen, verboten. In Entwicklungsländern dürfen sie noch produziert werden." Österreich habe sich bei der Auswahl an Projekten in Entwicklungsländern auf die Vermeidung des wichtigsten Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) konzentriert.

Die Notbremse hat nun auch der UN-Klimarat gezogen. Fünf Chemiefabriken in China, die mit klimaschädigenden Kältemitteln arbeiten, sollen für die Verminderung von Treibhausgasen vorerst kein Geld mehr erhalten. Die Vorwürfe müssten erst geklärt werden, hieß es seitens der UN-Organisation mit Sitz in Bonn.

Trotz solch zweifelhafter Ergebnisse glaubt Amerstorfer an die Zukunft des internationalen "emission trading", im Zuge dessen Entwicklungsländer Gelder für Klimaschutzprojekte erhalten. Künftig werde es mehr kleine Projekte in Afrika geben und weniger industrielle in Schwellenländern wie China, meint sie. (ruz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28./29.8.2010)

Share if you care.