Hypo Group verdreifacht Verlust

27. August 2010, 18:04
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Die einstigen Vorstände der angeschlagenen Bank sollen vor Gericht

Sechs Monate nach der Verstaatlichung kämpft die Hypo Group Alpe Adria mit der Vergangenheitsbewältigung und mit hohen Risikovorsorgen. Schadenersatzklagen sollen in Summe einen dreistelligen Millionenbetrag bringen.

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Wien - Die Zwischenbilanz zum ersten Halbjahr sei mehr als nur die Darstellung der Zahlen, sagte Gottwald Kranebitter, Neo-Chef der Hypo Group Alpe Adria, am Freitag. Damit eröffnete er einen Blick in die Bank, der dann doch nicht so tief war, wie von den zahlreich anwesenden Journalisten gewünscht. Ja, man werde im September erste Schadenersatzklagen "gegen einstige Verantwortliche der Bank" einbringen. Eine Handvoll Klagen - also fünf - seien praktisch fertig. In Summe sollen sich die Ansprüche am Schluss auf einen "guten dreistelligen Millionenbetrag" summieren.

Auf Fragen nach den Beklagten bzw. ob konkret der in U-Haft sitzende Ex-Chef Wolfgang Kulterer (am Montag findet die erste Haftprüfungsverhandlung statt) darunter ist, blieb Kranebitter die Antworten schuldig, auch - so sein Argument - um Ansprüche nicht zu gefährden. Anzeigen habe man bisher mehr als 50 eingebracht. Hier hänge es aber von den jeweiligen Gerichten ab, welche Verfahren eröffnet würden.

Mehr als 1000 Mann-Tage wurden laut Kranebitter bisher in die Aufarbeitung der Hypo-Vergangenheit investiert. Denn, so das erklärte Ziel Kranebitters: "Wir verstecken nichts und decken nichts zu." Die Vergangenheitsbewältigung soll aber "keine Never-ending Story" werden, Mitte 2011 soll ein Schlussstrich gezogen werden.

Risikovorsorge bleibt hoch

Sechs Monate nach ihrer Notverstaatlichung steckt die Hypo Group tief in den roten Zahlen. Die Bilanzvorsorgen für faule Kredite sind weiter gestiegen (667 Mio. Eur), Erträge gingen zurück. Der Vorsteuerverlust für das erste Halbjahr beträgt 449 Mio. Euro. Unterm Strich bilanziert das Institut zum Halbjahr einen Konzern-Nettoverlust von 499 Mio. Euro - dreimal soviel wie vor Jahresfrist.

Für das Gesamtjahr erwartet Kranebitter ebenfalls einen Verlust, "der aber deutlich unter der Milliardengrenze bleiben wird". Ende 2011 soll die Nulllinie erreicht sein.

Nach Durchsicht der Kreditbücher und Neubewertung des Kreditrisikos hat die Hypo heuer mit noch mehr faulen Krediten zu kämpfen als Ende 2009. Der Berg an faulen Krediten (Non Performing Loans / keine Zins- bzw. Tilgungszahlungen) ist seit Ende 2009 um 1,3 Mrd. Euro auf jetzt 8,27 Mrd. Euro angestiegen. Damit sind 23 Prozent des gesamten Kreditbestands der Hypo "faul". Zusätzlich stehen Kredite von rund vier Mrd. Euro unter besonderer Beobachtung. Hoher Wertberichtigungsbedarf war zuletzt u.a. bei Leasinggeschäften in Ungarn und Kroatien nötig.

Im Kreditbereich haben die neuen Bankchefs mittlerweile das Frühwarnsystem verschärft. Auch das Leasing wird künftig kein eigenständiges isoliertes Geschäft mehr sein, sondern Teil der Finanzierungssparte.

Außerhalb des Kerngeschäfts werden insgesamt mehr als 100 "Beteiligungsgruppen" verkauft, sagte Kranebitter. Der Bankchef will hierbei aber Verluste vermeiden. Verkauft wird auch der Standort der Wiener Zentrale am Stock-im-Eisen-Platz. Für die im Bankeigentum befindliche Palais-Etage werde mit einem Dutzend Interessenten verhandelt. In drei bis fünf Jahren soll die sechstgrößte Bank Österreichs wieder reif für eine Privatisierung sein. Geschäfte in Italien, Montenegro sowie andere Auslandstöchter sollen verkauft oder reduziert werden. An den Töchtern in Slowenien, Kroatien, Serbien und Bosnien will die HGAA hingegen festhalten.

ÖVAG dreht ins Plus

Die Österreichische Volksbanken-AG hat im ersten Halbjahr wieder schwarze Zahlen geschrieben und 14,6 Mio. Euro verdient - nach einem Konzernverlust von 106,1 Mio. Euro im ersten Halbjahr 2009. Wegen des "schwierigen Umfelds" in Teilen Osteuropas bleibt die Risikovorsorge der Bank mit 193,8 Mio. Euro weiterhin hoch. (bpf, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28./29.8.2010)

Kommentar

Nur Vorsätze reichen nicht - Von Bettina Pfluger

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    Noch schreibt die Hypo Group hohe Verluste. Ende 2011 will Neo-Chef Gottwald Kranebitter die Nulllinie erreicht haben. Dann soll es wieder bergauf gehen.

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