Superbakterium als Sommerlochfüller

27. August 2010, 17:31
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Zwei Patienten mit neuem Bakterium in Grazer Universitätsklinikum

Graz - Gernot Brunner möchte eine Gratulation ausrichten. An seine britischen Kollegen, die "so erfolgreich das mediale Sommerloch genützt haben" .

Der ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Graz hatte am Freitag Permanenz-Telefondienst, nach dem das Gesundheitsministerium bekanntgegeben hatte, dass auch in Graz zwei Fälle des neuen multiresistenten Keimes mit NDM-1-Gen nachgewiesen worden sind. Britische Medizinwissenschafter hatten vor kurzem davor gewarnt, das Bakterium berge "große Gefahr, zu einem weltweiten Gesundheitsproblem zu werden" .

Gernot Brunner im Gespräch mit dem STANDARD: "In Wirklichkeit ist das gar nichts Besonderes. Weltweit gibt es schon lange das Problem der multiresistenten Bakterien. Das Problem dabei ist, dass nicht alle Antibiotika wirken, sondern nur noch speziell ausgesuchte. Die Sachlage kennen wir auch in Österreich schon lang. Wir haben dafür ganz spezielle Maßnahmen: Der Patient wird isoliert, es gilt Masken- und Handschuhpflicht, damit die Keime nicht verschleppt werden. Und wir haben eben noch jene ausgewählten Antibiotika, die wir verwenden können. Genau so ein kritisches Bakterium haben wir jetzt auch in den vorliegenden Fällen."

Im Grazer Universitätsklinikum wurde bis vor kurzem ein 30 Jahre alter Motorradfahrer behandelt, der in Pakistan in einen Unfall verwickelt und vor Ort erstversorgt worden war, bevor er im Grazer Universitätsklinikum aufgenommen wurde. Der Mann befindet sich mittlerweile in häusliche Pflege. Er sei geheilt entlassen worden, da die Infektion erfolgreich behandelt worden sei, sagte der ärztliche Klinikumsleiter.

Der zweite Fall wird nach wie vor im Krankenhaus betreut, es handelt sich um ein 14 Jahre altes Kind aus dem Kosovo. Brunner:"Beide Patienten kamen nicht wegen der Infektion, sondern wegen anderen Probleme hierher."

Es gebe jedenfalls "keinen Hinweis auf ein Superbakterium, das uns in Österreich gefährden wird" . Brunner: "Was neu ist: Es ist gelungen, den Nachweis zu bringen, warum dieses Bakterium multiresistent ist. Das ist aber nur von akademischem Interesse." (Walter Müller/DER STANDARD, Printausgabe, 28./29. 8. 2010)

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