Warum energiesparende LED-Lampen den Stromverbrauch steigen lassen werden

29. August 2010, 15:44

US-Forscher betrachten das Thema aus historischer Perspektive und zählten unseren Verbrauch an Lumenstunden

Albuquerque - LED-Lampen werden keine Kraftwerke überflüssig machen: US-Forscher erteilen dergleichen Erwartungen an die effiziente Form der Lichterzeugung eine Abfuhr. Viel eher wird der breite Einsatz von Leuchtdioden den Energieverbrauch für Beleuchtung so stark ansteigen lassen, dass alle Vorteile des Wirkungsgrades wettgemacht werden. Das wird zumindest dann der Fall sein, wenn der Strompreis nicht steigt, warnen die Experten der Sandia National Laboratories im "Journal of Physics D: Applied Physics".

Zu diesem scheinbar paradoxen Ergebnis kamen die Forscher, indem sie das Thema Energieverbrauch aus historischer Perspektive betrachteten und dabei einen seit langem anhaltenden und erstaunlich konstanten Trend feststellten: Je besser die künstliche Beleuchtung, desto stärker wird sie auch verwendet. Im Jahr 1700 konsumierte jeder Engländer 580 Lumenstunden pro Jahr, wobei eine Lumenstunde etwa dem Licht einer Kerze in einer Stunde entspricht. Heute liegt der Jahresverbrauch bei 46 Millionen Lumenstunden pro Person. "Jede effizientere und somit billigere Beleuchtung hat in der Vergangenheit den Energieverbrauch für Licht steigen lassen. Sehr wahrscheinlich wird das auch in Zukunft so bleiben", fasst Studienleiter Jeff Tsao die Ergebnisse zusammen.

Prognostizierter Anstieg

Die Ausgaben für Beleuchtung betragen seit jeher fast unverändert 0,72 Prozent des BIP, rechnet Tsao vor. "Lichtverbrauch, Beleuchtungskosten und Wohlstand eines Landes sind eng miteinander verknüpft." Und ein Mehr an Beleuchtung wäre jederzeit denkbar: Beleuchtete Innenräume erreichen heute erst ein Zehntel der Helligkeit eines bewölkten Tages, zudem bleiben heute viele Freiräume Nachts nur aufgrund der Energiekosten dunkel. Spielt Geld keine Rolle, wird die Nacht noch mehr zum Tag. Einen großen Beitrag werden dabei Entwicklungs- und Schwellenländer leisten.

Für den anstehenden Wechsel auf LED-Lampen sagen die Forscher voraus, dass der Lichtverbrauch binnen 20 Jahren um das Zehnfache steigen wird - was zu doppeltem Energieverbrauch führen würde. Sie berücksichtigen im Modell die globale Wirtschaftsleistung, den Energiepreis und die Effizienz der Lampen. Für LED gingen sie von einem dreimal besseren Wirkungsgrad gegenüber fluoreszierender Beleuchtung aus, für die Stromkosten ein gleiches Niveau wie heute. Laut ihrem Modell sinkt die gesamte für Lichterzeugung benötigte Energie erst, wenn der Strompreis verdreifacht wird. "Falls dies eines Tages etwa wegen einer CO2-Steuer der Fall ist, kann die hohe Effizienz der LED-Technologie dabei helfen, den Verlust menschlicher Produktivität auszugleichen, den es sonst wegen weniger Beleuchtung geben würde", so Tsao. (pte/red)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 171
1 2 3 4
LED-Profi
00
10.4.2011, 23:38
STrom ist noch zu billig

Spannende Studie. Doch geht man mit offenen Augen nachts durch die Straßen und sieht wie viel Licht für Schaufenster, Fassadenbeleuchtung, Werbung, Statussymbole etc. eingesetzt wird, dann glaub ich da schon dran.
LEDs lassen sich noch darüberhinaus für viele weitere "Kunstwerke" (=ineffiziente Anwendung) einsetzen.
Als in Japan der Strom knapp wurde, sah man in den TV-Reportagen immer noch die Werbetafeln leuchten.
Wer einmal in z.B. Shanghai oder Dubai war, der kann erzählen was man nachts mit Licht alles machen kann.

Wenn wir für dies weniger Energie brauchen, dann können wir ja noch mehr Lichtspiele starten. Ganz gewiss.
Grüße vom LED-Profi.
www.led-profi.org

epep
10
9.10.2010, 11:41
nur weil das ausgefranste bergsteigerseil nicht gerissen ist, bedeutet das nicht das es in zukunft auch nicht reissen wird.

soll bedeuten: nur weil es bisher so war muss es in zukunft nicht so sein.

das ist kein wissenschaftliches argument das ist kaffeesudleserei aus vergangen ereignissen, ohne zu berücksichtigen welche technische, kulturelle und soziale faktoren dabei eine rolle spielen.

diesen "forschern" sollte mal der unterschied zwischen korrelation und kausalität erklärt werden. das ist mehr eine "es gibt weniger störche und es gibt weniger kinder, also bringt der storch die kinder"-methode, als ein seriöses forschungsergebnis.

Just Me
12
Back to the Future

Es wird Zeit das die EU die Verwendung von Kerzen und Öllampen zwingend vorschreibt;-)

Jagoda1986
30
wo leben wir

zuerst wird diese lampe so gelopbt und jeder sparrt damit und umweltverschmutzung wird verringert und und und... sobald das gesetzt in kraft kommt dass man nur mehr solche lampen kaufen kann kommen die negativen schlagzeilen ... und dann noch womöglich steuern... *kopfschütl* ich hoffe auf das ende der welt, es gibt keine andre lösung für die menschen

rudolf schladming
 
00

super idee, immer fest beim endverbraucher besteuern!

mfgmfg
00
1.10.2010, 20:47
bei wem sonst?

der zwischenhandel würde das auch gleich an die nächste stufe weitergeben und so landet ohnedies alle belastung IMMER beim konsumenten.

meinrad
00
11.9.2010, 23:07

naja wenn sich der endverbraucher benimmt wie ein trottel...

Sir Popper
01
Ist wie mit der Ernährung, je mehr wir essen desto mehr wird die Natur mit dem Endprodukt belastet!

tablespace65
00
31.8.2010, 23:54
Erst vor kurzem zu lesen: http://derstandard.at/127733817... -Feuerwerk

Es läuft offensichtlich die gleiche Entwicklung wie im Straßenverkehr: Obwohl die Kfz in den letzten 50 Jahren enorme Verbesserungen in den Bereichen Motortechnik, Aerodynamik, Gewicht etc. erfahren haben, wurde die Umweltbelastung keineswegs geringer, sondern deutlich größer. Das einzelne Kfz ist zwar um ein Vielfaches "effizienter" (und damit auch "umweltfreundlicher") geworden, aber durch die immense Anzahl an Fahrzeugen, wurde dieser Vorteil einfach zunichte gemacht...

Freie Welt
00
31.8.2010, 21:21
Zu viel Licht während der Nacht kann Krebs erzeugen

http://www.physics.fau.edu/observato... ealth.html

Und das ist nur einer der vielen Gründe, warum wir die Lichtverschmutzung möglichst rasch in den Griff bekommen müssen:
http://www.hellenot.org

spacedakini
00
31.8.2010, 08:45

Die Haushaltsbeleuctung verbraucht doch gar nicht so einen großen Anteil des Gesamtstromverbrauchs.
Die meiste geht in Heizung.
Dort zahlt sich einsparen sicher aus, zB durch Wärmedämmung etc..
Viel heißer als 25 Grad mags außerhalb der Sauna wohl niemand...auch nicht wenns billig wäre.

The_new_number_2
20
31.8.2010, 14:58

Wer bitte heizt noch mit Strom (außer indirekt über die Abwärme von E-Geräten)? Wenn wir diese Wahnsinnigen einmal beiseite lassen, so war bis vor kurzem in einem typischen Haushalt der Kühlschrank der dominierende Faktor im Stromverbrauch. Seit einiger Zeit ist es der PC.

Sam Deer
 
02

Einen besseren Wirkungsgrad als bei Vollflächenniedertemperaturelektroheizung werden sie bei herkömmlicher Energiegewinnung kaum erreichen können (~ 98%).

Advaita0
10
30.8.2010, 19:56
Statt einer starken Deckenbeleuchtung wird es 20 LED-Lampen geben

für das Flair. Mit LED kann eben mehr gestaltet werden.

Eine Kreatur
61
30.8.2010, 19:47
und noch einmal .. der schwachsinn zu glauben, dass es unbegrenztes wachstum gibt, beweist nur die dummheit und unfähigkeit von manchen wissenschaftlerInnen und wirtschaftstreibenden ..

der haarsträubende vergleich vom bedarf an kerzen (verbrauch an licht anno dazumal) und der technologischen entwicklung zeigt nur, wie ahnungslos diese wissenschaftlichen trolle in sachen prognoseverfahren, entscheidungstheorien usw. sind, die sind ja nicht einmal in der lage restriktionen (zb. sättigung) zu setzen

der bedarf an licht ist begrenzt, mehr als die nacht zum tag machen geht nicht
und selbst das wird positiverweise zunehmend staatlich reglementiert

led wirkungsgrad 99%, "spar"lampen 30%, glühbirnen 10%
hurra! verneunfachen wir die beleuchtung und verbrauchen gleich viel wie jetzt! wo ist das problem?

genau - das problem haben energieversorger, die haben lieber die gleichen "produktionsmengen" und dafür höhere verkaufspreise

epep
00
9.10.2010, 11:52
zum glück sind sie ja klüger als die wissenschaftlerInnen..

und weil sie von "prognoseverfahren" und "entscheidungstheorien" und ähnlcihe begriffe quatschen, lassen sie mich raten: sie haben eine fachschule absolviert, denn für eine richtige uni hats nicht gereicht, stimmts?

It is so hot in here...
01
Schau...

ZB werden dann auch Straßen die ganze nacht beleuchtet werden, die heute nicht beleuchtet sind. Kleine Dörfer werden auch Nebenstraßen ausleuchten. Warum? Weil die Beleuchtung durch die hohe Effizienz im Betrieb günstiger wird, daher höhere Rendite. Und in unserer Rendite-Denken-Zeit will das jeder.

already
33
30.8.2010, 17:58
Egal ob Klimaforscher oder technische Wissenschaftler...

nur bla, bla, bla!

flotter denker
21
30.8.2010, 17:15
Find ich sehr lustig

Und zeigt deutlich, dass die ganzen Energiespartraumereien eben nur Traumereien sind. Weil jedes Mehr an Effizienz sofort durch zusaetzliche Anwendungen aufgefressen wird.

Tiannanmen
02
30.8.2010, 16:55
Telefon

Das war mit dem telefonieren auch so. Kann mich an eine Studie von vor ein paar Jahren erinnern, demnach ist zwar das Telefonieren pro Minute deutlich billiger geworden (als vor zb 15 Jahren). In Summe sind die Telefonrechnung aber recht stabil geblieben.

Plinius
10
30.8.2010, 16:54
kurzum...

...die Energiekonzerne wollen wieder zulangen!

randolf
17
30.8.2010, 16:30
Ja ja

Ist ja logisch, wir brauchen unbedingt teueren Strom!
Denn erst wenn Strom (und am besten gleich alle Energien aus verschiedenen Methoden gewonnen) so teuer ist das es sich ein jeder zweimal überlegt, bevor er das Licht aufdreht, dann wird das Klima auf der ganzen Welt besser werden. Wir erinnern uns. Gott sei dank haben unsere Politiker gehandelt und den Spritpreis auf ein Fantasieniveau gesteigert, nur das hat das Klima gerettet und das heute keine Klimakatastrophe nahesteht, haben wir diesem Geniestreich zu verdanken...

Gerhard Grabner
00
30.8.2010, 21:17
Stimmt fast,

nur waren es weniger die Politiker als die Rohölbörsen und die OPEC. Paradox, aber hier treibt der Markt den Ölpreis, die Politiker täten ihn lieber stabil halten um sich bei der Bevölkerung anzubiedern!

DM2006
00
31.8.2010, 01:32

Ohne hier Spekulanten zu sehr zu loben, zeigt gerade der im Vergleich zur Wirtschaftslage relativ hohe Rohoelpreis, dass der 'Markt' teilweise viel weiter voraus sehen kann als Politiker oder Buerger.
Da braucht niemand Buecher schreiben um die Leute von Peak oil zu ueberzeugen.
Die hohen future Preise fuer Oel lieferbar in z.B.: 2 oder 3 Jahren reflektieren Peak oel bereits heute und lassen den momentanen Spotpreis nicht weiter sinken.

Harald Bruckner
02
30.8.2010, 16:08
Den eingeparten EURO 3 mal ausgeben!

Am Donaukanal wurde ein "energiesparendes" Hochhaus gebaut. Durch prestigeträchtige Glasfronten und nächtliche Beleuchtung braucht es letztendlich ein Vielfaches.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 171
1 2 3 4

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.