Gedrücktes Sentiment

27. August 2010, 14:44
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Ein Kommentar von Stephan Lingnau aus dem Equity Weekly der Erste Group

Die erneuten Konjunktursorgen in den USA drückten auch in Europa auf das Sentiment der Investoren. Der Stoxx 600 sank um 1,7%. Im Gegenzug fielen die Renditen der deutschen 10J-Bunds um 13 Basispunkte auf jetzt nur noch 2,13%. Alle 19 Sektoren rutschten tiefer, wobei Zykliker wie Bau-, Chemie-, und Automobilfirmen mit Minus 3-5% den Markt abermals underperformten. Defensive Konsumaktien wie Lebensmittelproduzenten konnten hingegen ihre Kursniveaus in etwa halten.

Im weltweiten Vergleich zeigt der Stoxx 600 weiterhin relative Stärke zu den USA und Japan. In den letzten drei Monaten schnitt der europäische Leitindex mit einem Plus von 5% klar besser ab als der S&P 500 (-2%) und der Nikkei (-6%).

Laut dem neu veröffentlichten Einkaufsmanager Index für die Eurozone ist die Situation der Wirtschaft am "alten" Kontinent noch stabil. Der Index sank gegenüber Juli um 0,6 Zähler auf  56,1 Punkte. Im historischen Vergleich fiel das 13. Monatswachstum in Folge jedoch nach wie vor ausgesprochen robust aus. Der Aufschwung verliert so nur leicht an Fahrt, wird aber erneut ausschließlich von Deutschland und Frankreich getragen und damit hat sich die Kluft innerhalb der Eurozone weiter vertieft. Die Industrie expandierte erneut stärker als die Dienstleister, beide
Branchen verloren gegenüber Juli jedoch an Fahrt. Dies ist auf einen insgesamt niedrigeren Auftragszuwachs zurückzuführen.

Air Berlin hält trotz heftiger Turbulenzen an ihrer Jahresprognose fest. Im ersten Halbjahr hatten die Aschewolke und der kalte Winter bei Deutschlands zweitgrößter Airline zu einem Betriebsverlust von EUR 127 Mio. geführt. In der zweiten Jahreshälfte werden die Passagiere laut Air Berlin jedoch wieder mehr Flüge buchen. Zudem soll die Kasse mit dem Verkauf von Flugzeugen aufgebessert werden. Weiteres Wachstum erwartet man sich durch den für 2012 geplanten Beitritt zum Luftfahrtbündnis oneworld. Dadurch ist Air Berlin künftig an das weltumspannende Netz der Allianz angebunden und kann seinen Kunden auch Ziele der neuen Partnerairlines anbieten.

Wegen der geringen Nachfrage nach Sonnenbrillen stagnierte der Gesamtabsatz von Fielmann in Q2 bei 1,6 Mio. Stück. In Q1 hatte der Konzern noch 4% mehr Brillen verkauft als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Normale Sehhilfen mit geschliffenen Gläsern sind jedoch auch von April bis Juni gefragt gewesen, erklärte das Unternehmen am Donnerstag. So kletterte der Konzernumsatz im zweiten Quartal um 5% auf EUR 250 Mio. 20 neue Filialen will Fielmann in diesem Jahr eröffnen. Bereits 2009 hatte der Konzern mit zuletzt 13.200 Beschäftigten sein Filialnetz um 24 auf 644 Läden erweitert.

L'Oreal konnte mit Kosteneinsparungen sein Ergebnis in der ersten Jahreshälfte verbessern. EUR 1,67 Mrd., um 21,4% mehr als ein Jahr zuvor verdiente die Gesellschaft aus dem operativen Geschäft. Auch der Umsatz stieg um 10% auf EUR 9,7 Milliarden. Für die zweite Jahreshälfte zeigt sich der Vorstand optimistisch.

Heineken hat im ersten Halbjahr den Gewinn, dank gesunkener Kosten, deutlich steigern können. Der Gewinn vor Sonderposten stieg um 17% auf EUR 621 Mio. Der weltweit drittgrößte Braukonzern trotzt damit der Tendenz der Europäer und Amerikaner weniger Bier des Konzerns zu konsumieren, denn der Bierabsatz der Gruppe ging um 2,3% zurück. Im Mai hat Foster's, der größte australische Brauer, angekündigt sein Bier- und Weingeschäft aufzuspalten. Unter anderen haben auch SABMiller und Asahi Breweries ihr Interesse an der Biersparte gezeigt. Der Wert des Biergeschäfts wird mit mehr als USD 10 Milliarden eingeschätzt. Das Retail Geschäft unterstützt Credit Agricoles Ergebnis. Der Gewinn des letzten Quartals stieg auf EUR 379 Mio., 88% höher als ein Jahr zuvor. Der Konsens war von EUR 264 Mio. ausgegangen.

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