Chronische Konjunktursorgen

27. August 2010, 14:42
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Ein Kommentar von Ronald-Peter Stöferle aus dem Equity Weekly der Erste Group

Die US-Indizes setzen ihre Talfahrt fort. Der Dow Jones Industrial Average verliert 2,78% und notiert nun wieder unter 10.000. Der S&P 500 gibt 2,64% ab und handelt nun bei 1.047, während der Nasdaq Compsite 2,77% verliert. Der Ölpreis tendiert 1,42% schwächer, ein Barrel WTI kostet nun USD 73, während Gold bei USD 1.238 je Unze und somit knapp am Allzeithoch handelt.

Vom Häusermarkt kamen erneut desaströse Daten. Die Verkäufe neuer Häuser fielen im Juli um 12% auf 276.000. Der Konsens war von 330.000 ausgegangen. Die Verkaufszahlen bestehender Häuser waren ebenso ernüchternd. Die Zahl verringerte sich gegenüber dem Juni um 27% auf 3,83 Millionen. Der Konsens hatte 4,72 Mio. erwartet. Die Auftragseingänge für langlebige Güter stiegen um lediglich 0,3%, Volkswirte waren von 3% Plus ausgegangen. Zieht man den Transportsektor ab, so lag sogar ein Minus von 3,8% vor. Die Arbeitsmarktdaten fielen hingegen positiver als erwartet aus. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sanken um 31.000 auf 473.000, der Konsens war von 485.000 ausgegangen. Der Monatsschnitt lag jedoch so hoch wie seit 9 Monaten nicht mehr. Die Federal Reserve Chicago wies beim National Activity Index einen Wert von 0,00 Punkten aus. Dies bedeutet, dass sich das Wirtschaftswachstum exakt am historischen Trendniveau befindet.

Der Übernahmepoker um 3PAR, einem Spezialisten für Datenspeicherung, dürfte entschieden sein. HP bietet derzeit 24 Dollar je Aktie, Dell startete den Übernahmekampf bei USD 18 und hat nun auf 24,3 erhöht. Das Board von 3Par hat das Angebot angenommen, hieß es zuletzt. Damit wird 3Par mit USD 1,6 Mrd. bewertet. 3Par ist in erster Linie im Bereich Cloud Computing tätig. Erwartungsgemäß dürfte sich nun auch rund um Potash eine Übernahmeschlacht entwickeln. Nun soll auch Rio Tinto, gemeinsam mit dem chinesischen Verbündeten Sinochem, ein Angebot legen. Auch Agrium, Mosaic, Vale, Alcoa sowie Monsanto könnten noch in den Übernahmepoker eingreifen und als "Weißer Ritter" agieren. Potash hat indes das Übernahmeangebot von BHP Biliton in Höhe von USD 130 erneut als unzureichend kommentiert.

Apple kündigte für 1. September einen "Special Event" an und lud dazu ausgewählte Medienvertreter ein. Apple Afficionados erwarten sich Neuerungen bei iTunes, AppleTV oder auch ein Update des iPods. Halbleiterproduzent Marvell Technology (+7,3%) konnte überzeugen. Der Umsatz kletterte im Q2 von zuletzt USD 640 Mio. auf 896,5 Mio., der Nettogewinn stieg auf USD 219,8, nach 58,5 Mio. im Vorjahreszeitraum. Zudem kündigte man ein Aktienrückkaufprogramm in Höhe von USD 500 Mio. an.

Campbell möchte einen Großteil des britischen Konkurrenten United Biscuits übernehmen. Interesse herrscht nur an der Keksproduktion. Die Finanzinvestoren Blackstone und PAI Partners, die United Biscuits 2006 übernommen haben, sollen auch bereit sein, nur Teile des Unternehmens zu veräußern. Rund EUR 1,8 Mrd. will Campbell für die Keksproduktion locker machen. Wal Mart gab bekannt, nun auch in den russischen Markt einsteigen zu wollen. Man werde dazu den Detailhändler Kopeika für ca. USD 1,8 Mrd. kaufen.

Der Blutverdünner Lovenox ist ein Kassenschlager. Deshalb wehrt sich Sanofi-Aventis dagegen, dass Novartis und andere Konkurrenten mit Generika auf den Markt drängen wollen. Mit einer Klage gegen ein Nachahmerpräparat hat Sanofi Aventis jedoch in den USA eine juristische Niederlage einstecken müssen. In der Klage war es um die Zusammensetzung des Generikums gegangen - Lovenox soll das komplizierteste Produkt sein, für das es bisher ein Generikum am Markt gibt.

In der nächsten Handelswoche werden keine relevanten Unternehmensdaten veröffentlicht. Impulse sollten vom Case Shiller Index, dem ISM-Index und den MBA-Anträgen kommen.

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