Springende Gene im Visier

30. August 2010, 14:21
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US-Forscher erhoben die Genstrang-Orte der Transposons

Baltimore - Wesentliche Akteure der Evolution, die bisher noch wenig erforscht sind, haben Wissenschaftler der Johns Hopkins University näher bestimmt. Sie erhoben die Genstrang-Orte der als "Transposons" bezeichneten springenden Gene des Menschen, berichtet die Fachzeitschrift "Cell". Diese Elemente des Erbguts lösen sich selbst aus der DNA, bewegen sich frei und setzen sich an gewissen Stellen nach dem Zufallsprinzip wieder ein. Damit tragen sie zur Artentstehung bei, können aber auch Krankheiten auslösen. "Erstmals gelang es, diese Gene fast vollständig zu verorten", berichtet Studienleiter Jef Boeke.

Die Forscher scannten das Genom von 15 nicht verwandten Menschen und fanden dabei bei jeder Person rund hundert Stellen, an denen sich die springenden DNA-Abschnitte wieder einpflanzen können. "Es überraschte uns, wie viele solcher Orte es gibt. Transposons sind somit weit aktiver als wir zuvor vermutet haben", so Boeke. Möglich war die Verortung durch drei Code-Buchstaben, in denen sich die Transposons von ihren nicht springenden Kollegen unterscheiden, sowie durch den Einsatz eines Gen-Chips. Das Genmaterial, das Transposons in ihrem Anhang mit sich führen, wurde dabei allerdings noch nicht untersucht.

Studienleiter Boeke bezeichnet die springenden Genabschnitte als Parasiten der DNA. "Sie können Mutationen auslösen, die in der Regel negativ sind, in Ausnahmefällen jedoch positiv. Bringen sie dem Wirtsorganismus Nutzen, so wird dieser das veränderte Merkmal schneller vervielfältigen", so der Forscher. Dass Transposons die Ursache für Krankheiten sein können, zeige sich bisher bereits sehr deutlich. "Die entscheidende Frage lautet, wie oft das passiert." (pte/red)

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