Der Bergstock mit den vielen Geheimnissen

    27. August 2010, 16:58
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    Die Überschreitung des Dürrensteins ist eine langwierige und steile Tour. Trotzdem lohnt sie

    Den Dürrenstein umgibt ein Flair des Seltsamen und Geheimnisvollen, das trotz der langen und mühsamen Anstiege immer wieder die Bergwanderer anlockt. Die wuchtigste Erhebung der Ybbstaler Alpen wartet wie keine andere mit vielfältigen Landschaftsformen und Naturschönheiten auf, sie birgt noch viele Rätsel, die der Erforschung harren. An der Südseite des Berges liegen zwei der letzten Urwälder Österreichs, streng behütet, im Norden befindet sich das Grünloch, welches als der Kältepol des Landes gilt. In der Doline sammelt sich im Winter die kalte Luft und schafft arktische Verhältnisse. Im Winter 1929 wurde dort mit minus 52° Celsius die tiefste Temperatur gemessen.

    Das gesamte Gebiet ist geradezu übersät von Dolinen, die stellenweise ein beachtliches Ausmaß erreichen, in etlichen von ihnen versickern kleine Bäche. Einer der Höhepunkte der Dürrenstein-Überschreitung ist das Seetal, das auf einer Forststraße durchwandert werden muss. Der Obersee, ein besonders idyllisches Gewässer, bildet den grandiosen Auftakt. In ihm spiegelt sich der Gipfel des Berges, auf seinen Wellen tummeln sich die Reiherenten. Der See hat mehrere Zuflüsse, doch keinen oberirdischen Abfluss. Der Mittersee wiederum besitzt keine oberirdische Speisung, die Menge des abfließenden Wassers reicht aus, ein kleines Kraftwerk zu betreiben.

    Trotz der Erschließung durch eine Forststraße hat das Seetal kaum von seiner Ursprünglichkeit eingebüßt. Nicht zuletzt verdient die Aussicht vom Gipfel besondere Erwähnung.

    Alle auf den Dürrenstein führenden Routen sind lang und teilweise auch recht steil, zudem ist ein beträchtlicher Höhenunterschied von rund 1400 Metern zu überwinden, was eine gute Kondition und Ausdauer erfordert. Es zahlt sich aus, die Überschreitung in zwei Etappen mit einer Übernachtung in der gemütlichen Ybbstaler Hütte zu teilen.

    Die Route: Von Kasten geht es zum Eingang des Lechnergrabens, durch den man auf der roten Markierung - steil und steinig - ansteigt. Am Ende des Grabens wendet sich der Weg nach Südosten, man passiert den Kältepol Grünloch und erreicht über eine Anhöhe die Dürrensteinalm mit der Ybbstalerhütte. Gehzeit ab Kasten drei Stunden.

    Dann folgt man der roten Markierung zur Legsteinalm, von der es zum Kamm und nach links weiter zum Gipfel des Dürrensteins geht. Ab Ybbstaler Hütte zwei Stunden.

    Der Abstieg erfolgt nach Osten (rot markiert) über einen langen Rücken zum Leonhardkreuz, dort wendet sich der Weg scharf nach links und führt steil und in Serpentinen zum Obersee. Gehzeit ab Dürrenstein-Gipfel 2 bis 2½ Stunden. Auf einer Forststraße wandert man nun bergab durch das Seetal, zum Mittersee, zum Schloss Seehof und zur Biologischen Station. Gehzeit ab Obersee zwei Stunden.

    Nun wechselt man auf einen nach links abzweigenden Weg, um am Südufer des Lunzer Sees nach Lunz zu gelangen. Ab Biologischer Station eine Dreiviertelstunde.

    Die Distanz zwischen Ausgangs- und Endpunkt der Tour lässt sich mit Bahn oder Bus überbrücken. (Bernd Orfer/DER STANDARD/Printausgabe/28.08.2010)

    Gesamtgehzeit 9¾ bis 10¼ Stunden, Höhenunterschied 1400 Meter. Ybbstaler Hütte (von Ende Mai bis Ende Oktober durchgehend bewirtschaftet); Gaststätten am Lunzer See. ÖK25V Blatt 4204-West (Lunz am See) und 4210-West (Hochschwab), Maßstab 1:25.000

    Informationen: Wildnis Dürrenstein

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      foto: schutzgebietsverwaltung wildnisgebiet dürrenstein
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      grafik: der standard
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