Miese Mitbringsel und abartige Andenken

27. August 2010, 18:22
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Über üble Urlaubsgrüße

Es klingt nach Verschwörungstheorie, aber ich weiß es mit Sicherheit: Die internationalen Reise-Andenken-Produzenten haben sich im Geheimen zu einem Verein zusammengeschlossen, der einzig und allein das Ziel der professionellen Weltverhässlichung verfolgt. Die Produktion von Andenken, denen man ein Mindestmaß an ästhetischer Qualität attestieren könnte, ist streng verpönt und wird mit saftigen Konventionalstrafen belegt. Nur die miesesten Mitbringsel und abartigsten Andenken finden in diesem Verein Gefallen.

Das ist der Grund, warum Souvenirs weltweit so aussehen, wie sie aussehen: geschmacklich unter jeder Sau. Aber: Kein Unfug ist zu ungustiös, als dass ihn nicht Touristen massenhaft nach Hause schleppten. "Handbemalte" Plastikkrawatten, Gips-Eiffeltürme, Email-Schilder mit historischen Werbesujets und Gewürzstreuer, bei denen der Salzstreuer den Pfefferstreuer zärtlich umarmt. Hier die Top drei der Andenken-Scheußlichkeiten, welche mir diesen Sommer vor Augen kamen.

1) Gesehen in Cala Rajada (Mallorca): Eine in China (wo sonst?) hergestellte, faustgroße Schneekugel mit einer blauen Figur, die aussah wie eine Kreuzung aus Arielle, der Meerjungfrau, und einem gichtkranken Hai. Dass es im Meer nicht schneit, war dem Produzenten des Undings gleichgültig. Zusatzstrafe für den Käufer: Um ihren Sockel hat die Kugel eine Zierleiste aus scharfen Muschelschalen, die jedem, der zugreift, in die Finger schneidet. Hart, aber auch irgendwie gerecht.

2) Noch ein Sommerbrüller aus Mallorca, diesmal aus El Arenal, dem Herzen des Ballermanns: ein T-Shirt mit dem Aufdruck "Ich bin zwar kein Gynäkologe, schau's mir aber gern einmal an" . Einfach, geschmacklos und doch ordinär!

3) Gesehen in Heiligenblut (Österreich): Ein Waschlappen-Paar mit den Aufschriften "Fürs Goscherl" (Lappen eins) und "Fürs Arscherl" (Lappen zwei). Dieses heitere Duo regt natürlich zu den possierlichsten Gedankenspielen und Verwechslungskomödien an: Verwendete man Lappen eins am falschen Ende, wär's ja kein Malheur.

Nicht auszudenken aber, wenn man Lappen zwei versehentlich zum Munde führte: ein Bruhaha der Extraklasse! Im Verhässlichungsverein der Andenkenschnitzer hat der Mann, der dies ersann, selbstverständlich ein dickes Plus bekommen. (Christoph Winder, ALBUM/DER STANDARD - Printausgabe, 27./28. August 2010)

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