Unzufriedene Mitarbeiter: Gefahr für Unternehmen

27. August 2010, 12:15
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Loyalität und Zufriedenheit gering - Nur elf Prozent der Arbeitnehmer haben hohe emotionale Bindung zu Unternehmen - Sicherheitsrisiko für Firmen

München - Der Kampf um qualifizierte Mitarbeiter ist mit dem Fachkräftemangel in Deutschland voll entbrannt. Aufgrund der schlechten Mitarbeiterbindung und -loyalität innerhalb der Unternehmen haben auch Headhunter Hochkonjunktur. So würde jeder vierte deutsche Arbeitnehmer bei einem attraktiveren Angebot seinen Arbeitgeber sofort wechseln. Neben den finanziellen Aspekten ist dieser Mangel an Mitarbeiterzufriedenheit auch ein sicherheitstechnisches Problem.

Das Gallup Institut rechnet vor, dass nur elf Prozent der Arbeitnehmer eine hohe emotionale Bindung ihrem Unternehmen entgegenbringen, wohingegen 66 Prozent gering an die Firma gebunden sind. "Mitarbeiter fühlen sich oft vernachlässigt, nicht in Prozesse eingebunden. Dann ist es natürlich leicht, die Person abzuwerben, besonders in Zeiten, wo Fachkräfte Mangelware sind", erklärt Christian Schaaf, Geschäftsführer der Münchner Corporate Trust Business Risk & Crisis Management GmbH. "Es ist für jeden Mitarbeiter ein zentrales Thema, ob gute Arbeit auf Wertschätzung stößt oder ob konstruktives Feedback gegeben wird. Arbeitnehmer müssen auch die Prozesse verstehen, für die sie eingesetzt werden", so der Analyst.

Kultur statt Kaffee

Unternehmen setzen oft nicht ausreichende Schritte, um die Mitarbeiterzufriedenheit zu erhöhen. "Anreize wie neue Kaffeemaschinen oder Gehaltserhöhungen bringen keine langfristigen Veränderungen. Wenn Arbeitnehmer als reine Dienstleister betrachtet werden, sinkt die Loyalität sehr schnell", sagt Schaaf. Loyalitätsprobleme hängen laut Corporate Trust sehr häufig mit Problemen in der Unternehmenskultur zusammen. "Hier geht es darum, die Personen in die Prozesse einzubinden und mit ihnen zu kommunizieren. Unternehmen könnten sich schon durch einfache Feedbackgespräche oder Themenrunden, wo Mitarbeiter Ideen präsentieren können, viel Geld sparen."

Das Gallup Institut schätzt den volkswirtschaftlichen Schaden, den unzufriedene und unmotivierte Arbeitnehmer jährlich verursachen, auf 120 Milliarden Euro. "Unternehmen müssen viel Geld in die Hand nehmen, um eine Fachstelle neu zu besetzen. Es muss eine Fachkraft angeworben und ausgebildet werden, hier entstehen Kosten von drei bis sechs Monatsgehältern", rechnet Schaaf.

Boomerang-Effekt

Neben der finanziellen Seite ist für den Experten auch der Sicherheitsaspekt wichtig. "Kein Mitarbeiter geht, ohne sensible Daten mitzunehmen. Hier gibt es immer einen Informationsabfluss, der leichtfertig, aber auch böswillig sein kann", warnt der Experte. Arbeitnehmer, die sich verraten fühlen, empfinden keine Verbundenheit und Verpflichtung mehr gegenüber dem alten Arbeitgeber und möchten durch Insiderinformationen beim neuen Chef punkten. "Früher ging man mit einem überschaubaren Karton unter dem Arm aus dem Büro. Heute passen auf einen winzigen USB-Stick Millionen an Daten", gibt Schaaf zu denken. (pte)

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