Katholische Kirche befürchtet Bürgerkrieg

27. August 2010, 11:20
12 Postings

Nach US-Abzug - Erzbischof Sako: Minderheiten als Sündenböcke

Bagdad - Im Irak wächst mit dem Abzug der US-Kampftruppen nach Einschätzung der katholischen Kirche die Angst vor einem Bürgerkrieg. Die USA hätten versäumt, die Probleme des Landes durch den Aufbau einer starken Regierung zu lösen, sagte der Erzbischof von Kirkuk, Louis Sako, dem italienischen bischöflichen Pressedienst SIR, wie Kathpress am Freitag berichtete. Nach dem Abrücken der US-amerikanischen Soldaten drohe der Irak in die verschiedenen ethnischen und religiösen Gemeinschaften zu zerfallen. "Sündenbock dieser Situation werden die Minderheiten sein, die jede Gruppe auf ihrer Seite haben will", betonte Sako.

Der Irak-Krieg 2003 habe nicht nur die Sicherheit, die Wirtschaft und die nationale Einheit erschüttert, sondern auch eine intellektuelle Verarmung zur Folge gehabt. Viele Akademiker seien ums Leben gekommen oder hätten das Land verlassen. Jetzt gebe es im Irak "viel Freiheit", aber nur "eine langsame Entwicklung in Richtung Demokratie", so der Erzbischof.

Seit der US-Invasion 2003 wurden zahlreiche christliche Geistliche im Irak ermordet, wie der entführte chaldäisch-katholische Erzbischof von Mossul, Paulos Faraj Rahho, dessen Leiche auf einer Müllhalde gefunden wurde. Die Lage der christlichen Bevölkerungsteile hatte sich dramatisch verschlechtert. Zahlreiche Kirchen wurden seither niedergebrannt, viele Christen ermordet, Diskriminierung und Anfeindung sind an der Tagesordnung. Wer als Christ erkannt werde, sei oft Zielscheibe brutalster Verfolgung, wie Geistliche berichten. Die Gesamtzahl der Christen im Irak ist in den vergangenen Jahren von 850.000 auf unter 400.000 gesunken. Die meisten Christen im Irak sind mit Rom unierte katholische Chaldäer, deren Oberhaupt der in Bagdad residierende Patriarch von Babylon, Kardinal Emmanuel III. Delly, ist. (APA)

 

Share if you care.