Microsoft erntet Kritik wegen halbnackter Messehostessen

27. August 2010, 10:13
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Sexismus-Vorwürfe auf der TechEd – Frauen auf IT-Veranstaltungen oft nur schmückendes Beiwerk

Frauen sind in der IT-Welt, egal ob als Entwicklerinnen oder in Management-Positionen, unterrepräsentiert. Auch auf Technologie-Messen ist das Publikum größtenteils männlich. Zwischen den wenigen weiblichen Besucherinnen auf solchen Messen, sind es die Messehostessen, die schnell auffallen - im Sinne der Gleichberechtigung jedoch leider nicht positiv. Meist leicht bekleidet oder in ausgefallenen Kostümen, sollen sie das Publikum zu den jeweiligen Ständen locken. Für eine derartige Promotion-Aktion auf Microsofts Hausmesse TechEd hat sich der Konzern nun heftige Kritik eingefangen.

Goldene Bikinis

In knappen, goldglänzenden Bikinis sollten die Messe-Hostessen so etwas wie Goldgräberstimmung auf der an der australischen Gold Coast stattfindenden TechEd verbreiten, berichtet der Sydney Morning Herald. Die "Meter Maids" in goldenen Bikinis hätten zwar seit den 60er Jahren Tradition, seien aber alles andere als angemessen für eine Veranstaltung eines Konzerns, der sich sonst für die Förderung seiner Mitarbeiterinnen einsetzt. Eine Key Session auf der TechEd war dementsprechend auch den Frauen in der IT gewidmet.

Verstimmte Mitarbeiter

Mehrere Mitarbeiter des Konzerns beschwerten sich über die leicht beschürzten Damen. Die Microsoft-Evangelisten Nick Hodge und Catherine Eibner drückten ihren Unmut auch auf Twitter aus. Für Eibner sei es ein schlechter Versuch gewesen, einen Kontext zur lokalen Gold Coast herzustellen. Microsoft-Managerin Tracey Fellows kritisierte die Aktion als "nicht akzeptabel". Der Konzern entschuldigte sich daraufhin für die Aktion. Microsoft habe nicht damit gerechnet, dass die Kostüme so freizügig sein würden. Am Tag des Events sei es dann bereits zu spät gewesen, noch etwas zu ändern. Laut der Hauptverantwortlichen der "Meter Maids", Roberta Aitchison, habe der Konzern aber sehr wohl gewusst, wie die Kostüme aussehen. Und nicht nur das: Microsoft habe die Kostüme gar selbst ausgesucht.

Booth Babes

Bei der Aktion handelt es sich freilich um keinen Einzelfall. Nicht nur auf IT-Messen, oder gerne auch auf Auto-Shows, tummeln sich "Booth Babes". Auch auf kleineren Presseveranstaltungen sind Frauen oft nur als "Showeinlage" oder zum Präsentieren neuer Produkte für die Fotografen anwesend. Kamera-Hersteller beispielsweise laden gerne Tänzerinnen oder fast nur mit Bodypainting "bekleidete" Frauen ein, um den anwesenden Journalisten Motive zum Ausprobieren der neuen Kameras und Camcorder zu bieten. Dass diese Darbietungen nicht nur den meist wenigen, anwesenden Damen unangenehm sind, fällt Herstellern und PR-Verantwortlichen offenbar nicht auf. (br/derStandard.at, 27. August 2010)

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  • Die "Meter Maids" haben Microsoft Kritik eingebracht - TechEd-Besucher Matt Marlor hat die Messehostessen fotografiert
    foto: matt marlor

    Die "Meter Maids" haben Microsoft Kritik eingebracht - TechEd-Besucher Matt Marlor hat die Messehostessen fotografiert

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