Dammbrüche führen zu Massenflucht

27. August 2010, 09:05
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Hunderttausende auf der Flucht - Kinder brauchen sauberes Wasser und Impfschutz - 230 Millionen Soforthilfe aus EU

In den Überschwemmungsgebieten in Südpakistan kämpfen Tausende Einsatzkräfte gegen die Überflutung weiterer Landstriche durch die Wassermassen des Indus. Am Westufer des Flusses nahe der Großstadt Thatta versuchten Helfer und Soldaten, einen Deich zu stabilisieren, sagte ein Sprecher der Katastrophenbehörde, Khair Mohammad Kaloro, am Sonntag. "Wir arbeiten Tag und Nacht, aber wir wissen nicht, ob wir Erfolg haben werden." Drei Viertel der etwa 300.000 Einwohner hätten sich bereits in Sicherheit gebracht. Die Übrigen warteten auf ihre Evakuierung, sollte der Deich brechen.

Am Ostufer des Indus verloren die Helfer ein weiteres Mal gegen die Flut. "Das Wasser fließt in die Stadt Sujawal, in der 200.000 Menschen leben", sagte Behördensprecher Kaloro. Insgesamt seien im Küstendistrikt Thatta, in dem der Indus ins Arabische Meer fließt, in den vergangenen drei Tagen etwa 350 Dörfer überschwemmt und Hunderttausende Menschen vertrieben worden. Landesweit sind nach UN- Angaben mehr als 17 Millionen Menschen von der Flut betroffen.

Im Süden Pakistans haben die Wassermassen des Flusses Indus bereits am Freitag Dämme bersten lassen. Hunderttausende Menschen waren auf der Flucht vor den Fluten. Auch die Großstadt Thatta war betroffen. Zu der katastrophalen Lage in den Hochwassergebieten kommen nun auch noch Drohungen der Taliban gegen die internationalen Hilfsorganisationen. Die "Horde von Ausländern" sei "in keiner Weise akzeptabel", sagte ein Sprecher der Islamisten.

Den USA und anderen Staaten, die Hilfe zugesagt hätten, gehe es nicht wirklich um die Flutopfer, sagte Taliban-Sprecher Azam Tariq per Satellitentelefon. Dabei deutete er unmissverständlich an, dass die Extremisten zur Gewalt greifen könnten.

Die Vereinten Nationen nehmen die Drohung ernst, wie UN-Nothilfekoordinator John Holmes sagte. "Wir treffen geeignete Vorsichtsmaßnahmen, aber wir werden uns nicht davon abschrecken lassen, das zu tun, was wir für notwendig erachten, nämlich dem pakistanischen Volk zu helfen", sagte Holmes vor Journalisten in New York.

Kinder brauchen sauberes Wasser

Nach Schätzungen von UNICEF müssen weitere drei Millionen Kinder dringend mit sauberem Trinkwasser, einfachen sanitären Einrichtungen und Hygienebedarf versorgt werden. Nur so lasse sich das Risiko tödlicher Krankheiten durch schmutziges Wasser eindämmen, so das Kinderhilfswerk der UNO in einer Aussendung. 800.000 Kleinkinder unter fünf Jahren und 1,2 Millionen schwangere Frauen und stillende Mütter müssen noch mit Zusatznahrung versorgt werden. 1,5 Millionen Kleinkinder brauchen Impfschutz gegen gefährliche Krankheiten wie Masern und Polio.

In der südpakistanischen Provinz Sindh verschärfte sich die Lage am Freitag nochmals. Am Fluss Indus brachen die Dämme an mindestens zwei Stellen. Betroffen war auch ein Deich, der die Stadt Thatta schützte. Allein dort flüchteten 175.000 Bewohner vor den Wassermassen. Seit Mittwoch seien in den Bezirken Thatta und Qambar-Shadadkot eine Million Menschen obdachlos geworden, sagte UN-Sprecher Maurizio Giuliano. "Wir teilen (Hilfe) immer schneller und schneller aus, aber die Flut scheint entschlossen, unseren Einsatz zu überholen", klagte Giuliano.

Seit Beginn der Flutkatastrophe sind vom gebirgigen Norden Pakistans bis zum landwirtschaftlichen Kernland im Süden fast 17,2 Millionen Menschen von den Wassermassen erheblich und direkt geschädigt worden, schätzen die UN. Etwa 1,2 Millionen Häuser sowie die Infrastruktur wurden zerstört. Unterdessen will Pakistan Ende November eine internationale Geberkonferenz in der Hauptstadt Islamabad ausrichten. Dies teilte die für humanitäre Hilfe zuständige EU-Kommissarin Kristalina Georgieva in Brüssel nach einem Besuch in der Krisenregion mit. "Sie planen, Gastgeber einer Geberkonferenz zu sein, sobald die Schätzung für den Wiederaufbau gemacht wurde", sagte die EU-Kommissarin. "Natürlich wird die EU dort sein."

Mitte Oktober soll in Brüssel ein Treffen der "Freunde eines demokratischen Pakistan" stattfinden, das von der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton und dem pakistanischen Außenminister Shah Mahmood Qureshi geleitet wird, sagte Georgieva. Dabei soll in einem erweiterten Format auch über die Hochwasser-Hilfe gesprochen werden.

Die gesamte EU habe Pakistan 230 Millionen Euro an Soforthilfe zur Verfügung gestellt, davon kommen 70 Millionen Euro aus dem Gemeinschaftshaushalt, sagte die Kommissarin. Damit habe die Europäische Union rasch und großzügig reagiert. (APA)

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    Seit Beginn der Flutkatastrophe sind in Pakistan fast 17,2 Millionen Menschen von den Wassermassen geschädigt worden.

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