YouTube fördert Rauchen bei jungen Leuten

  • Die Tabakindustrie profitiert von dem "Marketing-Potenzial des Web 2.0".
    foto: apa/martin gerten

    Die Tabakindustrie profitiert von dem "Marketing-Potenzial des Web 2.0".

Internet-Plattform als Hintertür für Zigaretten-Werbeklassiker - Clips vermitteln positives Bild vom Rauchen

Paris - Das Internet-Videoportal YouTube fördert nach einer Medizinstudie das Rauchen bei jungen Leuten. Nach ihrer Verbannung aus Fernsehen, Kino und von den Plakatwänden vermittelten vor allem Werbeklassiker wie der Marlboro-Cowboy über diese Hintertür ein positives Bild vom Rauchen, warnen neuseeländische Wissenschafter in ihrer am Donnerstag veröffentlichten Studie. Sie forderten YouTube auf, gegen die Verbreitung dieser Bilder vorzugehen.

Für ihre in der britischen Zeitung "Tobacco Control" veröffentlichte Studie untersuchten die Forscher der University of Otago in Wellington Video-Clips, in denen fünf der bekanntesten Zigarettenmarken auftauchten. Neben inzwischen in vielen Ländern längst verbotener Werbung entdeckten sie Unmengen alter Filmszenen mit rauchenden Stars oder Ausschnitte von Sportereignissen, die von der Tabakindustrie gesponsert wurden.

Marketing-Potenzial Web 2.0

Mit Hilfe der Kategorie "Most Viewed" wählten sie dann 169 Clips aus und analysierten sie: 71 Prozent vermittelten demnach ein positives Bild vom Rauchen und vier Prozent ein negatives Bild - die restlichen 25 Prozent waren eher neutral. Die Wissenschafter kommen zu dem Ergebnis, dass die Tabakindustrie von dem "Marketing-Potenzial des Web 2.0" besonders profitiert - ohne "Gefahr zu laufen, Gesetze oder Werbe-Richtlinien" zu brechen.

Die Forscherin Lucy Elkin rief die Betreiber des Video-Portals dazu auf, Rauchen in die Liste von Merkmalen aufzunehmen, bei denen Clips gelöscht werden können, die Nutzer als "unangemessen" melden. Die Tabakunternehmen selbst hätten entweder keine Kenntnis von den raucherfreundlichen Videos "oder es kümmert sie nicht", sagte Elkin. Zumindest in den Fällen, in denen es sich eindeutig um "ihre Eigentum handelt", sollten sie jedoch von YouTube verlangen, die Clips wegen Verletzung des Urheberschutzes zu löschen, riet sie.

Sprecher der betroffenen Konzerne versicherten, keine Werbung über YouTube oder andere soziale Internet-Netzwerke zu betreiben. YouTube selbst reagierte zunächst nicht auf die Studie. (APA)

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