Amazonas-Gebiet

Brasilien baut Mega-Kraftwerk

27. August 2010, 15:27

Präsident Lula gibt grünes Licht für "Belo Monte"-Projekt - Umweltschützer laufen dagegen Sturm

Brasília - Trotz massiver Proteste von Umweltschützern hat Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva grünes Licht für das im Amazonas-Gebiet geplante drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt gegeben. Er unterzeichnete einen Konzessionsvertrag mit dem Konsortium Norte Energia SA, das für 35 Jahre die Nutzungsrechte an dem Kraftwerk Belo Monte am Xingu-Fluss im Bundesstaat Pa hat.

Dem auch für den Bau verantwortlichen Konsortium gehören 18 staatliche und private Firmen sowie brasilianische Pensionsfonds als Investoren an. Das umgerechnet etwa 8,5 Milliarden Euro teure Kraftwerk soll in der ersten Phase 2015 in Betrieb gehen. Es wäre mit einer Leistungskapazität von über 11.000 Megawatt das drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt, nach dem Drei-Schluchten-Staudamm in China und dem binationalen Itaipu-Werk an der Grenze Brasiliens zu Paraguay.

"Rücksichtlose Gigantomanie"

Umweltschützer sehen im Bau des Belo-Monte-Staudamms ebenso wie des umstrittenen türkischen Ilisu-Projekts "rücksichtslose Gigantomanieprodukte". Insbesondere der Belo-Monte-Staudamm "wäre gar nicht notwendig, da Brasilien ein riesiges Energieeinsparungspotenzial von 14 Belo-Monte-Kraftwerken hätte", so Ulrich Eichelmann von ECA Watch und Andreas Wurzer vom WWF Österreich in einer Aussendung. Beide Organisationen kritisieren die Beteiligung der österreichischen Firma Andritz AG als einen "internationalen Skandal".

Auch in dem Argument, dass Belo Monte 23 Millionen Haushalte mit Strom versorgt, erkennen die beiden "nicht mehr als einen Marketinggag: Die Energie kommt nämlich nicht den Anwohnern zugute, sondern soll für immer neue und größere Aluminiumwerke in Brasilien verwendet werden."

Unter Bezugnahme auf brasilianische Wissenschaftler weisen die beiden Organisationen weiters darauf hin, dass durch "Belo Monte" mehr als 100 Fischarten aussterben würden. "Wie viele Amphibien, Reptilien, Vögel und Insekten es darüber hinaus 'trifft', ist völlig unklar. Denn - genau wie bei Ilisu - gibt es keine seriöse Umweltprüfung." Ähnlich sei es bei den Anwohnern: "Für die Indios in Amazonien gibt es ebensowenig Klarheit über deren Zukunft, wie bei den Menschen in der Türkei. Ohne Umsiedlungsplan, wie es etwa die Weltbank vorschreibt, wird mit dem Bau einfach begonnen. Diese Form der Wasserkraft läuft letztlich auf die völlige Vernichtung der Naturgebiete und seiner Bewohner hinaus", so Wurzer und Eichelmann. Mindestens 17.000 Menschen müssen wegen des Projekts umgesiedelt werden.

Kritik auch von der Kirche

Heftiger Protest kam am Freitag auch von der österreichischen katholischen Kirche. "Wir lehnen das Projekt 'Belo Monte' grundsätzlich ab", so Bischof Ludwig Schwarz, der Vorsitzende der Koordinierungsstelle der Bischofskonferenz für Entwicklung und Mission (KOO). "Wir werden das Projekt weiterhin genau beobachten und die betroffenen Menschen bei ihren legitimen Anliegen in  Brasilien unterstützen", so Schwarz am Freitag. (red/APA)

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Werner Lischka
30
28.8.2010, 23:43
die möglichen einsparungen in allen ehren -

- aber um diese zu realisieren, muss die zur einsparung notwendige technologie so kostengünstig sein, dass sie mit den billigeren, aber verschwenderischen produkten konkurrieren kann oder die bevölkerung muss über genug kaufkraft verfügen um die teureren und sparsameren produkte kaufen zu können.
dies ist in den ermerging nations einfach nicht der fall. in der eu kann sich die bevölkerung energiesparlampen leisten - in brasilien ist dies nur bei einem geringen prozentsatz der fall. daher fällt diese möglichkeit weg. um den stand der eu zu erreichen ist billige energie notwendig - günstige technologie dafür ist entweder wasser oder kohle.
einsparen ohne qualitätsverlust ist teuer.

Heavyweather
00
30.8.2010, 12:45

die Qualität geht mit dem Energieverbrauch verloren. Sieht man ja an den Amis.
Ab ca. 2000kWh/a gibt es keinen Gewinn an Lebensqualität mehr.
Sieht man an Japan vs. USA z.B.

khaleb
01
30.8.2010, 00:06
paperlapap

mein Fond finanziert Ihnen die Energiesparlampe vor, bekommt dafür aber 50 % der Einsparungen. So funktioniert das. Die Kohle wird einfach falsch investiert.
Wasserkraftwerke schaffen frühesten in 10 jahren den Break-Even, so eine Investition aber wesentlich schneller.

MCU
73
28.8.2010, 19:05
Gefällt mir jedenfalls viel, viel besser, als IRANS Atomkraftwerkpolitik

obwohl, die ja genügend Öl hätten um daraus Strom zu erzeugen, aber sie wollen Atomkraftwerke, um Atombombenmaterial zu haben.

Ein Wasserkraftwerk ist nun auf jedenfall jedem anderen atomaren, wie auch fossilien (im Extremfall Kohle - wie in China üblich) Kraftwerk vorzuziehen.

Mein Vorschlag:
Die Gegner von Wasserkraftwerken sollen selber freiwillig auf Strom verzichten!!

The 12th Monkey
32
29.8.2010, 10:54

billige polemik - null inhalt.
energiebewußte menschen (dazu zählen gegner von neuen kraftwerken meistens) verwenden bewußt so wenig als möglich strom und energie. dafür sollten sie nach deiner meinung gleich als erste gar keinen strom mehr verbrauchen dürfen? merkwürdige logik...

Ease up uno self!
00
30.8.2010, 10:38
leider eine oftmalige tatsache

der stromfresser wirft dem stromparer vor, dass er mehr strom sparen soll, wenn er keine neuen kraftwerke will. hab das in diesem forum schon mehrmals von dieversen postern erlebt.

WBR
00
29.8.2010, 07:48
Nachtrag

Das AKW ist schon in Betrieb, der Neubau betrifft nur einen zusätzlichen Reaktorblock.

WBR
00
29.8.2010, 07:43
Auch Brasilien setzt auf Atomenergie

Ein AKW ist im Bau und soll 2013 in Betrieb gehen.
http://www.contratom.de/2.0/index... ort&id=950

elflocho
00
28.8.2010, 20:15

was Irans Atomkraftwerkpolitik bzw. generell Atompolitik mit einem Wasserkraftwerk in Brasilien zu tun hat ist nicht verständlich.
Auch Wasserkraftwerke haben eine ganze Reihe an negativen Auswirkungen für die Umwelt und oft auch auf die dort lebenden Menschen.
Einfach alle Flüsse komplett verbauen weil Wasserkraft immer noch besser ist als die Atomkraftwerkpolitik wird wohl nicht der Waisheit letzter Schluss sein.
Es braucht einen Mix aus erneuerbaren Energieträgern.
Im Übrigen hat auch die EU erkannt dass der ökologische Zustand von Fließgewässern auf lange Sicht wichtig ist um unseren Planeten nicht ganz zu zerstören.

nuts1
01
28.8.2010, 18:06

wow in wieweit ist es relevant was die österreichische kirche sagt... omw der standard wird von tag zu tag erbärmlicher

A ndreas Bogeschdorfer
00
29.8.2010, 13:59
Erbärmlich ist bloss Ihr Informationsstand.

Zufällig ist der Vorarlberger Erich Kräutler seit Jahrzehnten Bischof in der dort zuständigen Diözese. Sein Engagement für die Bevölkerung, auch und gerade die indianische ist ein Ausdruck geleber Nächstenliebe und das unbeirrt trotz zahlreicher Mordanschläge gegen ihn.

Die katholische Kirche zu kritisieren ist bei gegebenem Anlass mehr als notwendig, aber blinde Kritik ist nur lächerlich.

replerstor ©
41
28.8.2010, 15:40

Müssten da jetzt nicht eigentlich alle Grünen und Ökofreaks jubeln?

Heissa, Wasserstrom statt Atom! :-D

The 12th Monkey
00
29.8.2010, 10:56

du hast gar nichts begriffen. leider.

X Y
00
28.8.2010, 18:39
Wasserkraft ist NICHT umweltfreundlich

Auch in Österreich nicht, dass flusslaufmäßig fast komplett zubetoniert ist.
Aber Wasserkraft erzeugt elektischen Strom und wurde in Österreich tradiotionell als Zeichen des Fortschritts gesehen. In letzter Zeit ist das ja auch nicht mehr ganz so. Aber 60% des österr. Stromes kommen aus der Wasserkraft, das kann man nicht übersehen.
Und sie produziert kein CO2.
Aber solche Großprojekte sind so zerstörerisch, dass sogar die Kirche dagegen ist.
Nur, wir können niemandem vorwerfen, dass er CO2-neutral Strom produzieren möchte.
Es ist ein riesiges Dilemma.

replerstor ©
12
28.8.2010, 19:17

Eben. Euer Staat ist gebirgig, da kann man prima Stauseen bauen.
Wo es die Landschaft hergibt, kann man Öko Stromquellen bauen. Aber bitte nicht meinen, Solar, Wind, Wasser und Erdwärme würden unseren Energiebedarf decken.

PS: Die Windpropeller in meiner Umgebung sehen einfach nur scheusslich aus und verschandeln die Landschaft bis zum Horizont. Was soll dieser Unfug bitte? Genauso ein Quark wie diese Hybrid Autos. Das ist auch keine echte Lösung. Gell?

A ndreas Bogeschdorfer
10
29.8.2010, 14:14
Aber bitte nicht meinen....

Der einzige der hier meint, abseits v belegbaren Fakten sind Sie selbst.

Denn Erneurbare (dazu zählt übrigens auch d Vielfalt d Biomasse) sind sehr wohl imstande d Energieversorgung alleine zu tragen. Das belegen zahlreiche (v d Energie-Großkonzern-Lobby hartnäckig ignorierte) Studien.

Außerdem ist d Vergleich v Landschaftsbildveränderungen durch Windräder (die durchaus nicht jeder als häßlich empfindet, v a im Vergleich m Industriegroßanlagen, Autobahnen, Kohleabbaugebieten...) m Eingriffen in Wasserhaushalte, o durch fossil-atomare Rohstoffgewinnung d lächerlichste aller Mittelalterargumente schlechthin.

Hauptsache die Idylle vor Ort ist geschützt, echte Zerstörung findet eh anderswo statt, gell?

replerstor ©
01
29.8.2010, 15:49

Ohne Kernkraftwerke am Netz gingen in Deutschland die Lichter aus. Dagegen helfen keine Windmaschinen und keine Solaranlagen.

Was bitte, ist eigentlich an einem KKW nun so überaus schlimm?

Diese Windräder in meiner Umgebung sind Alibi Energieträger. Die wurden dort gebaut, wo vorher die herkömmliche Energieversorung auch schon ausreichte. Es gab keinen bedeutenden Zuzug - weder von Personen, noch von Industrien. Und so oft ich an diesen Windrädern vorbeifahre, stehen die Flügel still.
Ach ja, bezgl. Mittelalterargument: Wir haben Autobahnen und Industrieanlagen, welche unsere Landschaft verschandeln, da bauen wir doch in die unberührte Natur, oben auf die schönen Hügel gleich noch ein paar Monster Ventilatoren mit dazu.

MCU
01
28.8.2010, 19:12
Ob die Kirche nun dagegen ist,

ist so relevant, wie der berümte umgefallene chinesische Reissack.

Die Kompetenz der Kirche beruht ausschließlich auf Glauben und sprichwörtlich sagt man doch:
Glauben heißt nichts wissen.

nuts1
00
28.8.2010, 18:07

ich kann zum einen nicht erkennen das atom die alternative dazu war udn zum zweiten kann ich nicht erkennen wann die grünen jemals positiv zur umwletvernichtung gestanden hätten

gaisbock
00
28.8.2010, 17:02

entschuldige, aber irgendwie verwechselst du etwas!

Müffeltiger
 
00
28.8.2010, 00:38
Leitungsverluste

Bei diesen Mega-Kraftwerken (egal ob Wasserkraft oder sonstwas), die weit von den Abnehmern (= Metropolen wie Sao Paulo, Rio, etc.) entfernt gebaut werden müssen, schlagen massiv die Leitungsverluste durch.

Das ist unter anderem beim Itaipu-Werk der Fall, das 1000 km von Sao Paulo entfernt ist. Ein massives Problem, das kaum zugegeben wird. Das neue Werk im Amazonasgebiet wird wohl dasselbe Problem kriegen...

MCU
00
28.8.2010, 19:30
Dies gilt genauso für offshore Windkraftwerke in der Nordsee,

wie für geplante Solarkraftwerke in Nordafrika, aber deshalb will man ja hierfür Hochspannungsgleichstromleitungen bauen. Ob dies auch in Brasilien passiert, ist mir nicht bekannt, aber techn. machbar wäre es und man hätte damit eben nur geringe Leitungsverluste.

Herzerzog Johann
00
28.8.2010, 18:34
Der Hochspannungsgleichstromübertragung ...

... gehört die Zukunft.

-HPS-
02
27.8.2010, 19:15

beim wasserkraftwerk Turuchansk (mit 12 gw leistung!!) in russland ist eine 3000km lange stromleitung geplant!

da ist es gar nicht so unrealistisch, dass die brasilianischen metropolen entlang der küste versorgt werden könnten, es ginge sich leicht eine leitung bis sao paolo aus. (dazwischen gibts aber sicher ein paar alu hütten die den strom abnehmen könnten)

-HPS-
12
27.8.2010, 17:15

bei einem einormalen kohlekraftwerk benötigt man 315 kg kohle für eine mwh strom

also spren die schlauen brasilianer ca 3.400 tonnen kohle in jeder stunde in den nächsten 100 jahren. also ich finds sehr ökologisch

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