Die "fatalen Signale" im Bergdorf

Peter Illetschko, 26. August 2010, 18:00
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    foto: bmvit

    Verkehrsministerin Doris Bures präsentierte nicht nur Forschungsräte, sondern auch Elektrofahrräder.

Verkehrsministerin Doris Bures präsentierte ihren Favoriten für eine Neubesetzung des Forschungsrats: den Industriellen Hannes Androsch

Alpbach - In einem unterscheidet sich der zukünftige Forschungsrat, Hannes Androsch, von seinem Vorgänger Knut Consemüller auf jeden Fall. Am Vorabend seiner offiziellen Nominierung durch Verkehrsministerin Doris Bures (SP), meinte der Industrielle, er habe kein Problem, wenn die Forschungsstrategie erst im Dezember nach der Budgetrede von Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) vorliege. Nachsatz: "wenn sich dann etwas fundamental verbessert hat." Der scheidende Consemüller hat noch von einem "fatalen Signal" gesprochen, als die für die Alpbacher Technologiegespräche angekündigte Strategie von der Bundesregierung nicht beschlossen wurde.

Die offizielle Begründung war: Man wisse aufgrund der noch nicht fixierten Budgetzahlen nicht, in welchem Rahmen man sich mit der Strategie bewegen könne. Budgetrelevante Zahlen wurden deshalb vom Finanzministerium herausreklamiert. Androsch zweifelte freilich, ob man diese Budgetzahlen für eine Strategie überhaupt brauche: Trotz notwendiger Konsolidierung könne das kein Hindernis sein, "erste Pflöcke" einzuschlagen.

Verkehrsministerin Bures wünscht sich Androsch sogar als Ratsvorsitzenden und fordert einen noch stärkeren, aktiveren Rat als bisher. Die Strategiekompetenzen des 2000 gegründeten Beratungsgremiums gingen in den vergangenen Jahren mehrheitlich an die Beamten der Forschungsministerien, also auch an ihr Ressort.

Weitere Räte

Bures nannte Donnerstag in Alpbach auch die drei weiteren Räte, deren Nominierung durch das Verkehrsministerium erfolgt. Von zweien berichtete der Standard bereits am Mittwoch: Die Unternehmensberaterin Karin Schaupp, die unter anderem an der Neuausrichtung des Austrian Institute of Technology (AIT, vormals Seibersdorf) mitwirkte, und die Präsidentin der Forschung Austria, Gabriele Ambros. Die Geschäftsführerin des SPÖ-nahen Bohmann-Verlags ist auch in den Aufsichtsräten der Forschungsförderungsgesellschaft FFG und der ÖBB Personenverkehr AG vertreten. Die dritte Frau unter den Nominees von Bures ist die Biotechnologin Gi Eun-kim, Professorin an der Seokyeong University in Seoul (Südkorea).

Signal für mangelnde Gesprächsbereitschaft

Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (VP) wollte angesichts der noch nicht präsentierten Forschungsstrategie keine gemeinsame Pressekonferenz abhalten, was in der Community als Signal für mangelnde Gesprächsbereitschaft zwischen den Ressorts gesehen wurde. Sie weigerte sich auch, die von ihr zu nominierenden vier Namen des acht Mitglieder umfassenden Forschungsrats bekanntzugeben. Man müsse erst eine Strategie auf dem Tisch liegen haben, danach könne man von Personen sprechen. Prompt erntete sie dafür Kritik von Regierungskollegin Bures: Es sei ja keine Überraschung, dass die Amtsperiode des Forschungsrats am 6. September ende, sagte sie. Das waren aber nicht die einzigen Kritikpunkte von Bures an Karl: Dass sich die Wissenschaftsministerin ein Bekenntnis von Kanzler Werner Faymann (SPÖ) zur Forschung wünschte, verstand sie mit Hinweis auf seine "Affinität" zur Forschung ebenso wenig wie Karls Wunsch, eigene Forschungsgespräche neben den Technologiegesprächen aufzuziehen. "Die Technologiegespräche sind Forschungsgespräche."

Karl, die bedauerte, dass die Strategie nicht präsentiert werden konnte, stellte eine Initiative ihres Ministeriums vor: MINT soll mehr Studenten für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik interessieren. Beobachter nannten das eine Idee, "um wenigstens irgendwas präsentieren zu können. (Peter Illetschko, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.8.2010)

 

 

 

Werkzeug
 
00
26.8.2010, 21:34
Wegen dem Preisdruck..und dem schlechten Wirtschaftsstandort...

Wenn Androsch Forschungsrat wird müssen wir aufpassen das Alpbach nicht nach Fernost verlagert wird.
Obwohl.....würde es uns wehtun?

Loxoceles
11
26.8.2010, 20:19

Die SPÖ verwendet den Forschungsrat für Versorgungsposten. Ekelhaft.
Die Personaldecke der SPÖ (die sich als Partei komplett aus sämtlicher Forschungspolitik ausgeklinkt hat) ist extrem dünn, wenn sie Androsch schicken muss.

Faymanns sog. "Affinität zur Forschung" zeigt sich in Lippenbekenntnissen und Schaumschlägerei.

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