Thema bei Technologiegesprächen: "Robotik - Neue Technologien für eine alternde Gesellschaft"
Wien/Alpbach - Intelligente Maschinen, die einmal alte
Menschen pflegen sollen, sind keine reine Utopie mehr. Doch trotz
erstaunlicher Errungenschaften verfügen Roboter auf dem heutigen
Stand der Technik noch bei weitem nicht über jene Merkmale, "die wir
als die Ingredienzien von Intelligenz bei Lebewesen bewundern", meint
Edgar Körner, Präsident des Honda Research Institute Europe (HRI-EU),
der heute, Donnerstag, zum Thema "Robotik - Neue Technologien für
eine alternde Gesellschaft" bei den Alpbacher Technologiegesprächen
referiert.
Gerade in puncto "autonomes Verhalten, Robustheit und
Flexibilität" würden Roboter dieser Tage ihren künftigen
Anforderungen noch gewaltig hinterherhinken, erklärte Körner in einem
Interview mit der APA. Der Bedarf an Intelligenz werde besonders
sichtbar, wenn es um humanoide Roboter gehe. Anstatt sich wie
Menschen zu verhalten, würden sie "in Wirklichkeit ihren Vorfahren an
den Fließbändern näher stehen".
Das menschliche Hirn
"Unsere Gehirne vollbringen eine autonome Anpassung an eine sich
ändernde Welt", so Körner. Sie können "Erlebnisse abspeichern, solche
Erinnerungen für die Interpretationen der momentanen Situation
verwenden und angebrachte Verhaltensweisen hervorrufen". Diese
Fertigkeiten seien noch immer unerreicht von jeglichem technischen
System. "Wenn wir also die fundamentalen Prinzipien verstehen, wie
das Gehirn intelligentes Verhalten hervorbringt, könnte uns das
ermöglichen, synthetische Artefakte zumindest mit einigen Aspekten
von Gehirn-ähnlicher Intelligenz auszustatten", ist der Experte
überzeugt.
Was die Übertragbarkeit von Erkenntnissen der Hirnforschung auf
Maschinen anbelangt, zeigt sich der Experte für Biokybernetik
realistisch: "Ich bin seit mittlerweile 40 Jahren in diesem
Forschungsgebiet tätig, und ich habe meine Lektionen gelernt, was den
langsamen Fortschritt beim Verstehen solch komplexer Phänomene
betrifft. Erstens wollen wir das Hirn nicht reproduzieren. Das ist
eine andere Geschichte für die universitäre Forschung, die versucht,
immer mehr Details für ein tieferes Verständnis des Gehirns zu
eruieren. Wir als Ingenieure würden gerne die grundlegenden
Prinzipien verstehen, die notwendig sind, bestimmte Funktionen des
Hirns auf unsere technischen Artefakte zu übertragen."
Noch nicht die Zeit für humanoide Roboter
Körner schätzt, dass sich innerhalb der nächsten zehn Jahre solche
Einblicke in einem rasch wachsenden Spektrum von Servicerobotern mit
speziellen Verwendungen manifestieren, während humanoide Roboter in
den kommenden Jahren lediglich in den Forschungslaboratorien
verbleiben werden. Darum sei auch "einfach bei weitem noch nicht die
Zeit, dass wir Gefahr laufen, von Robotern als dominante intelligente
Wesen überholt zu werden. Roboter in jedweder Form sind und werden
Werkzeuge sein, Menschen zu dienen." Die engere Interaktion mit dem
Menschen werde sogar noch drängendere Sicherheitsmaßnahmen erfordern,
meint der Wissenschafter.
Ob behinderte oder ältere Menschen ein aktives Leben innerhalb der
Gemeinschaft leben können, werde durch die zunehmende Verfügbarkeit
von Servicerobotern "definitiv unterstützt und nicht beeinträchtigt"
werden. "Im Gegenteil, die verantwortlichen Menschen können den
Älteren mehr Zeit und emotionale Fürsorge widmen, wenn sie von
anderen Pflichten entbunden werden. Das Problem der sozialen
Vernachlässigung ist eine andere Frage, keine technische, sondern
eine moralische, die die Gesellschaft angehen muss."
Neben der Betreuung von behinderten und älteren Menschen sieht
Körner in Medizin und Rehabilitation (Prothesen, robotische
Physiotherapie), Service und Unterhaltung (Spielzeuge, Haustiere,
Gefährten), Haushalt und Sicherheit die wichtigsten zukünftigen
Anwendungsgebiete für "Robotik und intelligente Systemtechnologie". (APA)