Roboter müssen intelligenter werden

26. August 2010, 17:49
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Thema bei Technologiegesprächen: "Robotik - Neue Technologien für eine alternde Gesellschaft"

Wien/Alpbach - Intelligente Maschinen, die einmal alte Menschen pflegen sollen, sind keine reine Utopie mehr. Doch trotz erstaunlicher Errungenschaften verfügen Roboter auf dem heutigen Stand der Technik noch bei weitem nicht über jene Merkmale, "die wir als die Ingredienzien von Intelligenz bei Lebewesen bewundern", meint Edgar Körner, Präsident des Honda Research Institute Europe (HRI-EU), der heute, Donnerstag, zum Thema "Robotik - Neue Technologien für eine alternde Gesellschaft" bei den Alpbacher Technologiegesprächen referiert.

Gerade in puncto "autonomes Verhalten, Robustheit und Flexibilität" würden Roboter dieser Tage ihren künftigen Anforderungen noch gewaltig hinterherhinken, erklärte Körner in einem Interview mit der APA. Der Bedarf an Intelligenz werde besonders sichtbar, wenn es um humanoide Roboter gehe. Anstatt sich wie Menschen zu verhalten, würden sie "in Wirklichkeit ihren Vorfahren an den Fließbändern näher stehen".

Das menschliche Hirn

"Unsere Gehirne vollbringen eine autonome Anpassung an eine sich ändernde Welt", so Körner. Sie können "Erlebnisse abspeichern, solche Erinnerungen für die Interpretationen der momentanen Situation verwenden und angebrachte Verhaltensweisen hervorrufen". Diese Fertigkeiten seien noch immer unerreicht von jeglichem technischen System. "Wenn wir also die fundamentalen Prinzipien verstehen, wie das Gehirn intelligentes Verhalten hervorbringt, könnte uns das ermöglichen, synthetische Artefakte zumindest mit einigen Aspekten von Gehirn-ähnlicher Intelligenz auszustatten", ist der Experte überzeugt.

Was die Übertragbarkeit von Erkenntnissen der Hirnforschung auf Maschinen anbelangt, zeigt sich der Experte für Biokybernetik realistisch: "Ich bin seit mittlerweile 40 Jahren in diesem Forschungsgebiet tätig, und ich habe meine Lektionen gelernt, was den langsamen Fortschritt beim Verstehen solch komplexer Phänomene betrifft. Erstens wollen wir das Hirn nicht reproduzieren. Das ist eine andere Geschichte für die universitäre Forschung, die versucht, immer mehr Details für ein tieferes Verständnis des Gehirns zu eruieren. Wir als Ingenieure würden gerne die grundlegenden Prinzipien verstehen, die notwendig sind, bestimmte Funktionen des Hirns auf unsere technischen Artefakte zu übertragen."

Noch nicht die Zeit für humanoide Roboter

Körner schätzt, dass sich innerhalb der nächsten zehn Jahre solche Einblicke in einem rasch wachsenden Spektrum von Servicerobotern mit speziellen Verwendungen manifestieren, während humanoide Roboter in den kommenden Jahren lediglich in den Forschungslaboratorien verbleiben werden. Darum sei auch "einfach bei weitem noch nicht die Zeit, dass wir Gefahr laufen, von Robotern als dominante intelligente Wesen überholt zu werden. Roboter in jedweder Form sind und werden Werkzeuge sein, Menschen zu dienen." Die engere Interaktion mit dem Menschen werde sogar noch drängendere Sicherheitsmaßnahmen erfordern, meint der Wissenschafter.

Ob behinderte oder ältere Menschen ein aktives Leben innerhalb der Gemeinschaft leben können, werde durch die zunehmende Verfügbarkeit von Servicerobotern "definitiv unterstützt und nicht beeinträchtigt" werden. "Im Gegenteil, die verantwortlichen Menschen können den Älteren mehr Zeit und emotionale Fürsorge widmen, wenn sie von anderen Pflichten entbunden werden. Das Problem der sozialen Vernachlässigung ist eine andere Frage, keine technische, sondern eine moralische, die die Gesellschaft angehen muss."

Neben der Betreuung von behinderten und älteren Menschen sieht Körner in Medizin und Rehabilitation (Prothesen, robotische Physiotherapie), Service und Unterhaltung (Spielzeuge, Haustiere, Gefährten), Haushalt und Sicherheit die wichtigsten zukünftigen Anwendungsgebiete für "Robotik und intelligente Systemtechnologie". (APA)

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    Roboter haben noch zu wenig im Hirn

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