Versöhnungspreis

26. August 2010, 17:33
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Oscar für Jean-Luc Godard - Von Dominik Kamalzadeh

Für die cinephile Filmwelt hat sich die Nachricht ein wenig wie ein Gag angehört: Jean-Luc Godard, der große Eigenbrötler des Kinos, wird einen Ehren-Oscar erhalten. Eilig raste die Meldung durch soziale Netzwerke - kann es sein, dass die Academy ihre Ader für Godards Gedankenexperimente entdeckt hat?

Pas vraiment. Der Grund dürfte ganz einfach dem Umstand zu verdanken sein, dass der zurückgezogen am Genfer See lebende Filmemacher im Dezember seinen 80. Geburtstag feiern wird. Zumindest Godards erste Schaffensperiode, von A bout de souffle bis La Chinoise, gehört zum filmischen Allgemeingut - und eine Legende ist immer für einen Preis gut.

Ärgerlicherweise wird dieser jedoch nicht bei der großen Gala überreicht, sondern schon am 13. November beim Governor's Award Dinner. Das generiert weniger Aufmerksamkeit und schmälert die Chance auf die ohnehin unwahrscheinliche Anwesenheit Godards und eine seiner ketzerischen Reden.

In Godards neuem Film Socialisme heißt es, die Amerikaner hätten Europa befreit und es dadurch abhängig gemacht - ein Zitat von Malaparte. In dieser Hinsicht ließe sich die Entscheidung der Academy als Plan einer verkehrten Wiedergutmachung verstehen. Aufgehen wird er mit Sicherheit nicht. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD - Printausgabe, 27. August 2010)

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