ORF im roten Wahlprogramm

26. August 2010, 17:19
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Medien im Wiener Wahlkampf: "Der ORF soll von St. Marx aus senden", steht im Programm der Wiener SPÖ - Es geht auch aber gut ohne ihn im Media Quarter, versichert Vizebürgermeisterin Renate Brauner

Marx in einem Wahlprogramm der SPÖ, und das im Jahr 2010. Das kann nur St. Marx sein, der mit dem Karl nichts zu tun hat. Als Medienstandort, an dem das rote Wien bastelt. Von draußen brummen die Bässe der Baumaschinen, als die Vizebürgermeisterin das Projekt in der "Media Quarter Restauration" promotet. Derzeit keine Rede von "Silent Cooking".

Der Anlass des "Hintergrundgesprächs" ist eher vordergründig, seit die ÖVP die geplante Marxer Medienakademie als SP-Kaderschmiede durch den Vorwahlsommer prügelte. Brauner zitiert dazu den Bürgermeister: "Wahlkampfzeiten sind Zeiten fokussierter Unintelligenz."

Davor haben Brauner, Daniela Kraus und Matthias Karmasin vom Medienhaus Wien und die Wien Holding versichert: Zwar zahlt die Stadt für die ersten fünf Jahre Marxer Medienbildung 6,4 Millionen, zwar ist damit eine neue Tochter der Holding betraut. Aber die werde die drei Bildungsinstitutionen nicht selbst betreiben, "sondern private und internationale Betreiber" suchen.

  • Den Fachhochschulstudiengang Film-, TV- und Medienproduktion soll ab Herbst 2011 eine bestehende Wiener FH betreiben.
  • Für Weiterbildung für Journalisten bastelt das Medienhaus noch an einer Trägerstruktur. Jedenfalls nicht die Wien Holding, versichert man. Medien sollen sich beteiligen. Soll 2012 starten.
  • Innovationsmanagement im Mediensektor, postgradual und mit Ausbildungsmodulen in Firmen und Unis anderswo in Europa, soll eine internationale Uni betreiben. "Frühestens" ab Herbst 2011.

Ein internationaler Partner für die Technikdienstleistungen des Media Quarter (Studios, Licht, Kameras, Schnitt etc) zeichnet sich laut Brauner übrigens ab: Die Münchner Bavaria verhandle über eine Beteiligung an der Dienstleistungsfirma. Eine Tochter von ARD-Anstalten und bayerischen Landesinstitutionen und Mutter der Wiener Satel Film.

Noch eine unabhängige Medieninstitution will Wien nach St. Marx holen, die größte im Land: "Da draußen ist ein großer Platz, wo der ORF eine schöne Heimat finden könnte", sagt Brauner in der akustisch brummenden Restauration. Gratisgrundstück bestätigt sie nicht, aber es gebe viele Kooperationsmöglichkeiten.

Am 9. September verlangen die Stiftungsräte des ORF von General Alexander Wrabetz einen Bericht über die Standortfrage. Zentrale Punkte: Denkmalschutz und Nachnutzung für Küniglberg und Rosenhügel (auch die Filmstadt soll nach St. Marx oder auf die Raiffeisen-Gründe daneben); zudem ein Raum- und Technikkonzept und eben die Frage des konkreten Standorts. Bürgermeister Michael Häupl sagte der APA, er "erwarte" vom Stiftungsrat einen "Auftrag an Wrabetz" zur Standortfrage. Den gibt es längst, mit einem Beschluss ist im September nicht zu rechnen. Wrabetz könnte ein Standortkonzept als Aufbruchssignal für die Generalswahl 2011 einsetzen. Sein Finanzdirektor Richard Grasl plädierte schon für einen neuen Standort.

Da kommt der schwarze Niederösterreicher dem Wahlprogramm der Wiener SPÖ sehr nahe. In dem steht wörtlich: "Der ORF soll von St. Marx aus senden." (Harald Fidler, DER STANDARD; Printausgabe, 27.8.2010)

  • "Da draußen ist ein großer Platz, wo der ORF eine schöne Heimat finden könnte", lockt Vizebürgermeisterin Brauner nach St. Marx: Das Media Quarter entwickle sich aber "mit und ohne ORF positiv".
    foto: standard/fischer

    "Da draußen ist ein großer Platz, wo der ORF eine schöne Heimat finden könnte", lockt Vizebürgermeisterin Brauner nach St. Marx: Das Media Quarter entwickle sich aber "mit und ohne ORF positiv".

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