Einstiger Möbel-König als Bilanzfälscher vor Gericht

26. August 2010, 15:40
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Firmengründer von Schieder und drei Manager müssen sich wegen schweren Betrugs verantworten

Detmold - Mammutprozess um den Zusammenbruch des einstmals größten europäischen Möbelherstellers Schieder: Seit Donnerstag müssen sich Firmengründer Rolf Demuth und drei seiner früheren Manager wegen schweren Betrugs und Kreditbetrugs verantworten. Sie sollen Bilanzen gefälscht und sich so von Banken und Investoren immer wieder Kapital erschlichen haben, bis Schieder 2007 pleiteging. Den Schaden beziffern Ermittler auf 234 Mio. Euro. Die Firma mit 11.000 Mitarbeitern wurde zerschlagen.

Zum Prozessauftakt am Landgericht Detmold äußerten sich zunächst nur die mitangeklagten Geschäftsführer. Der 71 Jahre alte Demuth verschob seine Aussage auf den nächsten Verhandlungstag, weil er akute Herzprobleme hat. Er erschien jedoch auf der Anklagebank.

Ein angeklagter Ex-Controller in der Geschäftsführung bestätigte die Anklage im Wesentlichen. Er sprach von einem menschlichen Versagen: "Ich bereue es sehr." Zugleich betonte der 50-Jährige: "Eine persönliche Bereicherung von mir hat es nie gegeben." Der Controller schilderte, dass er auf Anweisung gehandelt habe. Aus eigener Tasche müsse er einem der Schieder-Gläubiger noch 300.000 Euro zurückzahlen. Seine sämtlichen Vermögenswerte seien futsch. "Das ging so weit, dass an meinen Fernseher ein Kuckuck klebte."

Schleier über Niedergang

Die Manager sollen mit den Betrügereien zwischen 2004 und 2007 den wirtschaftlichen Niedergang der Firma verschleiert haben. Konzernabschlüsse der Gruppe sollen manipuliert worden sein. Lagerbestände wurden laut Anklage überbewertet oder erfunden. Dadurch sollte die finanzielle Schieflage der Schieder-Gruppe vor allem vor Kredit- und Kapitalgebern verheimlicht werden.

Der 45 Jahre alte ehemalige federführende Geschäftsführer betonte, er habe nie in krimineller Absicht gehandelt. Die Lage bei Schieder habe sich immer mehr zugespitzt. "In dieser Situation kam es zu Fehlentscheidungen und Fehlverhalten. Aber nichts folgte einem Kalkül." Seine berufliche Existenz sei heute nahezu vernichtet. Er fühle sich in der Anklageschrift zu Unrecht als "skrupelloser Bilanzfälscher und Serientrickser" dargestellt, sagte der 45-Jährige.

Alle drei mit Demuth angeklagten Geschäftsführer hatten das Unternehmen vor der Insolvenz verlassen. Später brachten Mitarbeiter der Pleite-Firma die Ermittlungen mit ersten Hinweisen ins Rollen.

Am 16. September geht der Prozess weiter. Dann will sich auch Firmengründer Demuth äußern. Er hatte das Unternehmen mit Stammsitz in Schieder-Schwalenberg bei Detmold in den 1960er Jahren aufgebaut und zu einem Imperium mit Werken in Deutschland, Polen und Italien gemacht. Für den Prozess wurden bis April 2011 zunächst 38 Verhandlungstage angesetzt. Der Vorsitzende Richter betonte, es seien im Vorfeld keine Absprachen der Prozessparteien zur Verkürzung getroffen worden sei: "Dazu ist das Ganze zu komplex." (APA)

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