Zielpunkt holt Großhändler als Partner

26. August 2010, 17:14
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BluO will die Supermarktkette bis 2012 in die Gewinnzone zurück­führen, auf "optischen Firlefanz" wird verzichtet. Lieferanten zahlen mit

Wien - Zielpunkt vertraut bei der Sanierung auf Unterstützung aus Österreich. Die seit Jahren mit hohen Verlusten kämpfende Supermarktkette kam im Mai unter das Dach des Luxemburger Finanzinvestors BluO. Mit Tengelmann als Eigentümer ging auch die Anbindung an den internationalen Einkauf verloren. Diese Lücke soll in Zukunft der Großhändler Pfeiffer füllen, erfuhr der Standard.

Gute Preise bei den Lieferanten zu erzielen gilt als unumgänglich, um auf dem Markt gegen Spar und Rewe zu überleben. Ohne Partner drohe Zielpunkt eine Filetierung, sind sich Experten einig. Die Trauner Handelsgruppe Pfeiffer steht hinter der Marke Nah & Frisch, beliefert mehr als hundert Unimärkte und eigene Cash-and-carry-Standorte. 2850 Mitarbeiter setzten im Vorjahr 670 Millionen Euro um.

Zielpunkt und Pfeiffer selbst bestätigen die Zusammenarbeit derzeit noch nicht. Eine Kooperation werde jedoch in den kommenden vier Wochen fixiert, sagt Jan Satek, der neben Markus Roschel für BluO die Sanierung des Betriebs übernommen hat, und führt zwei Verhandlungspartner ins Treffen. Vor dem Verkauf waren auch Spar und Rewe als Interessenten im Gespräch. Satek verspricht, die Kette bis Ende 2012 in die Gewinnzone zu führen. Für heuer zeichnen sich Verluste von mehr als 20 Millionen Euro ab. Die Umsätze brachen seit 2008 von 600 auf weniger als 500 Mio. ein, auch bedingt durch Filialschließungen. In den kommenden zwei Jahren sollen sie wieder um 70 Mio. wachsen.

Nicht weniger Mitarbeiter

Insgesamt werde sich die Zahl von 3000 Mitarbeitern nicht reduzieren, wenngleich Arbeitsplätze in der Zentrale eingespart werden. 13 der 300 Läden seien noch auf der Schließungsliste, er wolle aber viele davon halten. Zugleich würden 15 neue innerhalb eines Jahres eröffnet. Ziel sei, den Marktanteil in Wien von zehn auf 15 Prozent zu erhöhen. Zugleich sollen 15 Mio. Euro Kosten gespart werden, etwa bei Personal und Einkauf. Satek will die Präsenz des Feinkosterzeugers Karl Schirnhofer ausbauen, was dieser bestätigt. In 211 Filialen verkauft er bereits, 40 bis 50 zusätzliche seien für ihn sinnvoll, sagt Schirnhofer. Der Gerichtsstreit mit der Kette wegen Shopschließungen sei vom Tisch.

Zielpunkt brauche neue, stärkere Eigenmarken, zudem ein neues Biolabel, da die Rechte am bestehenden auslaufen. Pfeiffer hat im Vorjahr die Marke "Natürlich für uns" gegründet, die wachsen soll. Neben Handelsmarken will Satek mehr Non-Food und regionale Lebensmittel in die Regale holen.

Wie viel Geld BluO für den Neustart der Kette in die Hand nimmt, verrät Satek nicht. In Firlefanz wie Holzvertäfelung oder Lightshows werde man jedenfalls nicht investieren, die Optik sei nicht im Vordergrund. Nicht primäres Ziel sei auch der schnelle Wiederverkauf: BluO werde Zielpunkt zumindest drei bis fünf Jahre behalten. Dass Tengelmann BluO die Märkte quasi geschenkt habe, weist er zurück. Es gebe lediglich Vereinbarungen bei einzelnen Mieten.

Lieferanten werden zur Kasse gebeten

Satek will die Zahl an 900 Lieferanten halten. Viele werden freilich zur Kasse gebeten - mit bis zu 1,5 Prozent ihres Jahresumsatzes. Der entsprechende Brief an sie sei unglücklich gewesen. Boni seien im Handel aber üblich, das ganze sei eine Bitte und keine Drohung.

"Wer mit verbundenen Augen mit dem Rücken zur Wand steht, dem muss man nicht mehr drohen", sagt Michael Blass von der Lebensmittelindustrie. Bei Lieferanten herrsche Hilflosigkeit, Verzweiflung. Rechtsbruch und Missbrauch von Marktmacht sei gang und gäbe, jedes Unrechtsbewusstsein mittlerweile verschwunden. (Verena Kainrath, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 27.8.2010)

 

 

  • Die Sanierung von Zielpunkt wird zum Kraftakt. Die Handelsgruppe macht mit 300 Filialen seit Jahren Verluste. Neue Investoren bauen Eigenmarken aus und wollen Schirnhofer stärker einbinden.
    foto: standard/andy urban

    Die Sanierung von Zielpunkt wird zum Kraftakt. Die Handelsgruppe macht mit 300 Filialen seit Jahren Verluste. Neue Investoren bauen Eigenmarken aus und wollen Schirnhofer stärker einbinden.

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