Zustimmung zur EU fällt drastisch im Zuge der Schuldenkrise

26. August 2010, 13:57
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Mehrheit der Österreicher sieht Nachteile durch Mitgliedschaft - Bürger wollen engere Wirtschaftskoordination

Brüssel - Die Unterstützung der europäischen Bürger für die EU ist auf dem Höhepunkt der europäischen Schuldenkrise deutlich zurückgegangen. Wie aus einer am Donnerstag in Brüssel veröffentlichten Eurobarometer-Umfrage im Auftrag der EU-Kommission hervorgeht, ging der Anteil der Befragten, die die Mitgliedschaft ihres Landes in der Europäischen Union für eine gute Sache halten, auf 49 Prozent, in Österreich sogar auf 36 Prozent zurück. Bezogen auf die gesamte EU ist dies der niedrigste Wert seit 2004.

Rückgang gegenüber Vorjahr

Gleichzeitig stieg der Anteil jener, die keine Vorteile in der EU-Mitgliedschaft ihres Landes sehen. Entsprechend äußerten sich in Österreich etwa 48 Prozent der Befragten, 41 Prozent der Österreicher sehen in der EU sehr wohl Vorteile. In Österreich ging die Zahl der EU-Befürworter gegenüber 2009 um 6 Prozentpunkte zurück. 40 Prozent beurteilen die EU-Mitgliedschaft weder positiv noch negativ, 23 Prozent sehen sie als "eine schlechte Sache". Im europäischen Durchschnitt gaben 53 Prozent der Befragten an, dass ihr Land von der EU-Mitgliedschaft profitiert, was gegenüber dem Vorjahr einem Rückgang von 4 Punkten entspricht.

Zugleich halten die europäischen Bürger aber die EU für besser geeignet, um die Finanz- und Wirtschaftskrise zu bekämpfen als ihre jeweiligen nationalen Regierungen. Auch in Österreich erklärten 23 Prozent, Schritte gegen die Krise sollten von der EU ergriffen werden, während nur 20 Prozent dies von der Regierung zu Hause erwarten. Im europäischen Durchschnitt halten 26 Prozent die EU für die Bekämpfung der Wirtschaftskrise geeignet, 19 Prozent die nationale Regierung, jeweils 14 Prozent die G-20 und den Internationalen Währungsfonds. Nur 7 Prozent der EU-Bürger sind der Ansicht, dass die Vereinigten Staaten effiziente Schritte gegen die Wirtschaftskrise setzen könnten.

Bürger wünschen sich engere Koordination

Drei Viertel der Europäer sprechen sich laut der Umfrage für eine engere Koordination der EU-Staaten in der Wirtschafts- und Finanzpolitik aus. Auch in Österreich wird dies von 74 Prozent der Befragten gewünscht. Die höchste Zustimmung für mehr wirtschaftspolitische Steuerung in der EU gibt es in der Slowakei (89 Prozent), die geringste in Großbritannien (60 Prozent).

Für die Umfrage wurden im Mai mehr als 30.000 Interviews in den EU-Staaten sowie in Kroatien, Island, Mazedonien und der Türkei durchgeführt. In Österreich wurden vom Gallup-Institut 1.000 Personen befragt (APA)

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