Öffentliche Hand ist der säumigste Zahler

26. August 2010, 13:35
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Die Zahlungsmoral der Firmenkunden ist konstant hoch, Privatkunden zahlen gegenüber dem Vorjahr sogar noch um zwei Tage schneller

Wien - Trotz Krise ist die Zahlungsmoral der österreichischen Firmenkunden konstant hoch geblieben. Die privaten Zahler haben sich sogar um zwei Tage verbessert. Die öffentliche Hand hingegen ist noch immer der langsamste Zahler und hat sich gegenüber dem Vorjahr um zwei Tage verschlechtert. Durchschnittlich 40 Tage brauchten die Firmen 2010, um ihre Rechnungen zu bezahlen. Dabei gibt es jedoch ein deutliches Ost-West-Gefälle. Das geht aus einer Studie des Kreditschutzverbandes von 1870 (KSV1870) hervor, die heute, Donnerstag, vorgestellt wurde.

Privatkunden zahlen, obwohl ihnen eine längere Zahlungsfrist (14 Tage) zugestanden wird, schon nach 18 Tagen ihre Rechnungen. In 90 Prozent der Fälle bleiben die Privaten innerhalb dieser Frist. Die Firmenkunden der KMU liegen bei einer durchschnittlichen Zahlungsdauer von 32 Tagen. Die Zahlungsziele sind für durchschnittlich 26 Tage angesetzt, 83 Prozent der Unternehmen zahlen fristgerecht. Ein Viertel der Öffentlichen zahlt trotz der vergleichsweise großzügig bemessenen Zahlungsfrist nicht fristgerecht.

Lob für Vorarlberg

Das westlichste Bundesland Vorarlberg wird vom KSV1870 "lobend erwähnt": Die Öffentlichen im Ländle zahlen nach durchschnittlich 32 Tagen. "Damit gibt es in diesem Bundesland kaum einen Unterschied zu den Firmenkunden, die nach 31 Tagen zahlen", so Johannes Eibl, Geschäftsführer des Forderungsmanagements. In Salzburg und Tirol braucht die öffentliche Hand mit 41 Tagen deutlich länger. In Wien und Niederösterreich warten Gläubiger mit 46 beziehungsweise 47 Tagen am längsten.

In 70 Prozent der Fälle begründen die Unternehmen den Zahlungsverzug ihrer Firmenkunden mit "momentanen Liquiditätsengpässen". Zu einem Viertel sei "Überschuldung" der Grund für verspätete Zahlungen. Doch bei fast der Hälfte (46 Prozent) ihrer Schuldner in Verzug vermuten die Firmen auch vorsätzliches Handeln. "Unternehmen sollten beim Einfordern ihres Gelds konsequenter sein", rät Eibl.

So schickt mehr als die Hälfte der Unternehmen (56 Prozent) 3 Mahnungen. 28 Prozent mahnen ihren Kunden zweimal. "Den Kunden zweimal im Abstand von zwei Wochen zu mahnen muss genügen", meint Eibl. Denn allgemein gelte: Je länger die Zahlungen auf sich warten lassen, desto unwahrscheinlicher werde überhaupt ihre Einbringlichkeit.

Dass die öffentliche Hand sich mit ihren Zahlungsverpflichtungen am längsten Zeit lässt, sei nicht neu, sagte KSV1870-Chef Johannes Nejedlik. Er begründete dies damit, dass die öffentliche Hand in vielen, vor allem ländlichen Gebieten, eine Art "Monopolstellung" innehalte. Sie könne als dominierender Auftraggeber auch die Zahlungsgeschwindigkeit steuern.

Die vom KSV1870 im Juni durchgeführte Studie bezieht 2.000 Klein- und Mittelunternehmen (KMU) mit ein. (APA)

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    Lieber den Spatz in der Hand...

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