Prozess-Pause bis Anfang Oktober

26. August 2010, 11:33
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Urteilsverkündung ist für November geplant

Graz - Der Prozess rund um die Leasing-Affäre der Hypo-Steiermark ist am Donnerstag nach einer weiteren Befragung in eine zweite, etwas verspätete Sommerpause gegangen. Bereits Ende Juli fand knapp vier Wochen lang kein Verhandlungstag statt, nun soll es erst wieder am 4. Oktober mit Zeugen von der Finanzmarktaufsicht weiter gehen. Ein Urteil ist für November geplant.

Seit 12. April wird am Grazer Straflandesgericht verhandelt: Angeklagt sind zwei ehemalige Manager, die sich wegen Untreue vor einem Schöffensenat (Vorsitz: Helmut Wlasak) verantworten müssen. Ihnen wird vorgeworfen, riskante Geschäfte vor allem im süd- und osteuropäischen Raum betrieben zu haben, wodurch ein Schaden von rund 53,6 Mio. Euro entstanden sein soll. Ein Ende des Prozesses war ursprünglich für Ende Juli geplant.

Die beiden Angeklagten hatten sich zu Prozessbeginn übereinstimmend für nicht schuldig erklärt. Dabei kristallisierte sich im Laufe der Zeit immer mehr heraus, dass der ehemalige Geschäftsführer jahrelang als "Leasing-Star" gegolten hat und seine zunächst guten Ergebnisse von der Bank in keiner Weise hinterfragt wurden.

Richter drängt auf Geständnis

Der Ex-Prokurist hat dagegen den Eindruck erweckt, vor lauter Arbeit nicht wirklich geprüft zu haben, in welche Richtung die Geschäfte laufen, und einfach die Anweisungen seines Vorgesetzen umgesetzt zu haben. Der Richter hat ihm wiederholt nahegelegt, sich zu einem Geständnis durchzuringen und nicht den Kopf hinzuhalten für etwas, woran er nur am Rande beteiligt war. Doch der Angeklagte blieb bei seiner Verantwortung und wurde nur im Laufe der Zeit immer wortkarger.

Unter den bisher befragten Zeugen waren auch ehemalige Mitglieder des Vorstands. Sie betonten übereinstimmend, der Ex-Geschäftsführer habe die Geschäfte in Kroatien und Bosnien von sich aus so emsig betrieben.

Einer der Altvorstände soll demnächst von Werner Kogler, Grünen-Spitzenkandidat für die steirische Landtagswahl, angezeigt werden. Wie der Pressesprecher der steirischen Grünen zu einem dahingehenden Bericht der Tageszeitung "Die Presse" (Mittwoch-Ausgabe) ergänzte, sei eine Anzeige in Vorbereitung - bis zur Einbringung könnte es auch noch Wochen dauern. Den Anlass habe das Gutachten von Wirtschaftsprüfer Fritz Kleiner gekommen, die Sache könnte auch noch "Thema für einen Untersuchungsausschuss im Landtag" werden.

Kleiner übte in seinem Gutachten Kritik: Seiner Meinung nach haben die Leasing-Gesellschaften mit einem "schlechten Mahnprogramm" gearbeitet. Jahrelang sei nichts passiert. Einem Bericht im "Falter" zufolge, der sich auf Kleiners Aussagen vor Gericht bezog, hätten die Vorstände sehr wohl eingreifen müssen. Sie hätten von den Problemen bei den Leasingtöchtern gewusst, meinte der Gutachter vor Gericht. (APA)

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