Athen macht Jagd auf Steuersünder

26. August 2010, 19:56
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Das Arbeitsministerium überprüft mindestens 1.000 Verdachtsfälle - Manche Familien "vergessen" auf die Todesmeldung bei der Finanzbehörde

Athen - Im hoch verschuldeten Griechenland fördert die verschärfte Kontrolle der Staatsfinanzen auch kuriose Ausgaben zutage: Das griechische Ministerium für Arbeit und Soziales hat entdeckt, dass unter den Rentenbeziehern des Landes rund 8.500 Menschen älter als 100 Jahre sein müssten. Eine genauere Untersuchung ergab: In mindestens 320 Fällen wurde die Rente bzw. Pension an Bankkonten gezahlt, auf denen gar keine Transaktionen stattfinden oder bei denen Kinder und andere Bevollmächtigte der bereits seit Jahren Verstorbenen die Rente kassierten.

Das bürokratische Chaos in den Behörden erlaubte in einigen Fällen sogar die Auszahlung von Renten an Menschen, die älter als 110 Jahre sein sollten, berichtete der staatliche Rundfunk. Jetzt werde die Sache unter die Lupe genommen, hieß es aus Kreisen des Ministeriums für Arbeit und Soziales. Es wird vermutet, dass es mindestens 1.000 solcher Fälle geben könnte.

"Wir prüfen jetzt gründlich alle Renten für diese Altersgruppe," sagte der griechische Vizeminister für Arbeit und Soziales, Giorgos Koutroumanis. Er kündigte an, der Staat werde juristisch gegen alle vorgehen, die "vergessen hatten" den Tod eines Verwandten zu melden und dementsprechend die Rente zu stoppen.

Home-Videos für mehr Steuerehrlichkeit

Im Kampf gegen die grassierende Steuerhinterziehung setzen die Finanzbehörden künftig auch auf die Ideen jugendlicher Filmemacher. Das Finanzministerium in Athen kündigte am Donnerstag an, selbstgedrehte Videoclips, in denen Steuersünder zu mehr Ehrlichkeit angeregt werden, mit bis zu 5.000 Euro zu prämieren. Die zehn besten Videos, zu deren Produktion ausdrücklich auch Jugendliche aufgerufen sind, sollen dann im landesweiten Fernsehen ausgestrahlt werden.

In den vergangenen Monaten hatten die Behörden bereits durch die Auswertung von Satellitenbildern versucht, nicht deklarierte Swimmingpools aufzuspüren. Außerdem riefen sie die Bevölkerung wiederholt auf, beim Erwerb von Waren oder Dienstleistungen auf den Erhalt von Quittungen zu achten. (APA)

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    Das griechische Ministerium für Arbeit und Soziales hat entdeckt, dass unter den Rentenbeziehern des Landes rund 8.500 Menschen älter als 100 Jahre sein müssten.

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