"Jeden Tag kann ein Wahnsinn passieren"

29. August 2010, 17:00
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Pressesprecherin Corinna Tinkler über ihre anfängliche "One-Woman-Show", tägliche Herausforderungen und anstrengende Medienanfragen

"Die Grenzen zwischen meinem Job und meinem Privatleben sind fließend", erzählt Corinna Tinkler wenn sie über ihre Arbeitszeiten spricht und lacht: "Aber ich glaube, dass das in der Kommunikationsbranche immer so ist." Die gebürtige Kärntnerin ist seit dem Jahr 2005 Chefin der Unternehmenskommunikation der Rewe-Gruppe in Österreich und war am Beginn des Jobs eine "One-Woman-Show". "Offensichtlich hat die Gruppe lange keinen Wert auf Medien- und Öffentlichkeitsarbeit gelegt", sagt Tinkler. Das habe sich aber mittlerweile geändert. "Mein Team besteht mittlerweile aus sechs Damen und das entlastet schon ganz schön", so die 37-Jährige mit dem Nachsatz: "Heuer konnte ich sogar zweimal auf Urlaub fahren."

PR-Manager seien stark von außen geprägt

Die Aufgaben der Unternehmenskommunikation der Rewe-Gruppe bestehen aus zwei Teilen: der internen und der externen Kommunikation, wie Mitarbeitermagazin, Newsletter oder Presseaussendungen. Hinzu kommen noch Bereiche wie Eventmanagement (auch Weihnachtsfeiern) oder diverse Projektleitungen (etwa Werbekampagnen). Außerdem ist der Standort Österreich auch Ansprechpartner für Filialen im Ausland, etwa Italien. Als größte Herausforderung an ihrem Beruf sieht Tinkler, dass "man nie weiß, was jeden Tag auf jemanden zukommt." Für sie sei der Beruf des PR-Managers sehr stark "von außen geprägt".

Schneller Beruf

Das hänge damit zusammen, dass die täglichen Journalistenanfragen, Agenturtermine oder Presseaussendungen, die gemacht werden müssen, nicht vollständig planbar sind. „Es kann jeden Tag so sein, dass irgendein Wahnsinn passiert, oder es bleibt ruhig und man kann in Ruhe seine To-Do-List abarbeiten", erzählt Tinkler. Und weil der Beruf so schnell sei, sei es für sie besonders herausfordernd, Kollegen und vor allem Leute aus anderen Abteilungen "mitzunehmen" und für ein Projekt zu begeistern.

Höhepunkt: Klestil-Kampagne 1998

Für die 37-Jährige war schon während des Studiums klar, dass sie in die Kommunikationsbranche möchte, obwohl sie als Kind immer Schauspielerin werden wollte. Sie studierte bis 1995 Publizistik und Theaterwissenschaften in Wien und absolvierte dann ein Postgraduate Diploma an der Bournemouth University in Großbritannien, Studienrichtung: Marketing Communications.

Nach ersten Jobs bei der Kommunikationsagentur "Saatchi & Saatchi" und in der Internen Kommunikation am Flughafen Wien-Schwechat, folgte ein Engagement für den Klestil-Wahlkampf 1998 bei Karin Keglevich und "Special Public Affairs". "Dort habe ich dann wirklich das Handwerk gelernt", sagt Tinkler. Bis 2000 war sie in der Agentur tätig, bis sie zu "Hochegger" wechselte und sich vom PR-Junior- bis hin zum PR-Senior-Berater hocharbeitete und für große Kunden wie die Telekom Austria zuständig war. Nächster Halt: Rewe-Gruppe.

Praxiserfahrung großgeschrieben

Ob sie nie an den Journalismus als Tätigkeitsfeld gedacht habe? „Ja natürlich. Während meines Studiums habe ich ein Praktikum bei der Kärntner Tageszeitung gemacht und ich finde den Bereich auch sehr spannend", so Tinkler: "Aber es ist komisch, es hat mich immer auf die andere Seite gezogen."

Wichtig für Einsteiger in den Beruf sei ein einschlägiges Studium und vor allem Praxiserfahrung: "Man sollte schauen, dass man schon während der Uni Praktika in PR-Agenturen oder Pressestellen macht", sagt Tinkler: "Darauf lege ich auch Wert, wenn ich jemanden einstelle." Wobei der gut aufbereitete Lebenslauf die halbe Miete sei: "Rechtschreib- und Satzzeichenfehler gehen gar nicht". Außerdem sollte jeder Bewerber belastbar, kommunikationsfreudig und an Neuem interessiert sein.

Journalisten machen Leben nicht immer leicht

Dass Corinna Tinkler in ihrem Beruf nicht nur Spaß sondern auch Erfolg hat, lässt sich an ihrem 31. Platz beim Pressesprecher-Ranking des Industriemagazins, in Kooperation mit dem Österreichischen Journalist, erkennen. "Natürlich freut man sich auch, wenn die Arbeit gewürdigt wird", so Tinkler. Dabei würden Journalisten das Leben aber nicht immer nur leicht machen: "Ärgern könnte ich mich, wenn bei uns Pressefragen eingehen, wo ich ganz genau weiß, der und die hat sich mit dem Thema noch gar nicht beschäftigt" - Nachsatz: "Aber auch da muss man als Pressesprecher freundlich bleiben." (derStandard.at, 30.8.2010)

  • Corinna Tinkler: "Immer freundlich bleiben", auch bei Ärgernissen.
    derstandard.at/bianca blei

    Corinna Tinkler: "Immer freundlich bleiben", auch bei Ärgernissen.

  • Eine Pressesprecherin muss auch schauspielern können: "Die beiden Berufe
 sind sich doch in vielen Punkten ähnlich."
    derstandard.at/bianca blei

    Eine Pressesprecherin muss auch schauspielern können: "Die beiden Berufe sind sich doch in vielen Punkten ähnlich."

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