Verbund-Feilschen geht weiter

26. August 2010, 18:02
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Wiener Stadtwerke wollen mehr Informationen

Wien - Das Tauziehen zwischen den Regierungsparteien um die Kapitalerhöhung von einer Milliarde Euro beim Verbund geht weiter. Kampflos, so ist zu hören, wird Infrastrukturministerin Doris Bures (SP) wohl nicht ihre Zustimmung hergeben. So wird spekuliert, ob nicht im Gegenzug der nach dem Abgang von Christian Kern leere Vorstandssessel beim Verbund mit einer SP-genehmen Person nachbesetzt wird.

Zudem pochen die Wiener Stadtwerke, die wie die EVN rund 13 Prozent am Verbund halten, auf ein Aufsichtsratsmandat. Anders als die EVN sind die Stadtwerke im Kontrollgremium nicht vertreten. Derzeit sitzt dort nur ein deklarierter "Roter", der angeschlagene Flughafen-Sprecher Herbert Kaufmann. Stadtwerke-Chefin Gabriele Payr und eventuell noch ein zweiter, so die Idee, sollten dort einziehen.

Bei den Stadtwerken fühlt man sich derzeit noch nicht zufriedenstellend informiert, was der Verbund mit dem Geld machen will. Es fehlen Infos, welche konkreten Projekte finanziert werden und welche Rendite sie bringen, so ein Sprecher. Die Wiener wollen sicher gehen, dass das Geld in Österreich investiert wird. Immerhin müssten die Stadtwerke 130 Mio. Euro für die Kapitalspritze lockermachen.

Insider befürchten allerdings, dass das Geld in Folgeinvestitionen im Ausland wie der Türkei und Frankreich fließt. Gerade das Joint Venture in der Türkei berge hohe Risiken. Passiert dort etwas, hafte die Republik und die Stadt Wien, so die Überlegung. Auch in Frankreich gebe es Probleme: Dort sei die Kernenergie billiger als der Strom, den der Verbund verkauft.

Bures will sich jedenfalls nicht hetzen lassen: "Ich gehe nicht davon aus, dass der Verbund vor der Pleite steht." Es gebe noch genug Zeit, um eine gemeinsame Lösung für alle Unternehmen im Bundeseigentum zu finden. Bures pocht auf eine Unterstützung der ÖBB, der man durch Steuernachzahlung Eigenkapital wegnehme. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.8.2010)

 

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