Flughafen prüft Klagen gegen Skylink-Firmen

26. August 2010, 12:51
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Ergebniszuwachs im Halbjahr - Aschewolke kostete im April mehr als 3 Millionen vom Gewinn - Airportchefs bauen Ressorts um

Wien - Der Vorstand des Flughafen Wien lässt seine Anwälte prüfen, bei ehemaligen Auftragnehmern des teuren Skylink-Terminals in Form von Schadenersatzklagen Geld zurück zu holen. Ob und gegen wen geklagt wird, soll aber erst im neuen Jahr fest stehen.

RH-Bericht noch nicht da

Den Rechnungshof-Rohbericht zu Skylink hat der Flughafenvorstand eigenen Angaben nach noch nicht, um Stellung zu nehmen für den Endbericht. Dass zur Zeit eine Basis für Schadenersatzklagen geprüft wird, habe weniger mit dem Rechnungshof zu tun. "Wir überprüfen die Ursachen für die Probleme und Mängel, die es auf der Baustelle gegeben hat", sagte Vorstandschef Herbert Kaufmann am Donnerstag. In hohem Umfang seien die Mängel schon behoben. Man gehe jetzt technisch und juristisch den Ursachen nach. "Ist juristisch erhoben, dass Schäden zu Ersatzzahlungen führen müssen, werden wir die Forderung stellen." Beklagt werden könnten bauausführende Firmen sowie Konsulenten.

Zum "Ultimatum" des niederösterreichischen Landeshauptmanns Erwin Pröll (ÖVP), der im STANDARD ultimativ verlangt hatte, dass "Skylink" bis 2012 fertiggestellt wird, sagte Vorstandschef Herbert Kaufmann am Donnerstag: "Unser Ziel ist es, dass es 2012 fertig wird. Wir sind gut unterwegs, sowohl im Kosten- als auch im Zeitplan." Natürlich seien wie bei jedem Bauvorhaben Risikovorsorgen gebildet. Ein Terminalbau in der raschlebigen Aviation-Wirtschaft sei ein komplexer Bau. "Und Skylink ganz besonders". In Wien-Schwechat wähle man eine völlig neue Konzeption. Seit Projektstart 2004 seien viele neue Auflagen (Kontrolle, Sicherheit, Technik) dazu gekommen, man habe selber Konzepte geändert (etwa Shopping-Konzepte für spätere höhere Einnahmen). "Und natürlich sind auch Fehler passiert." Die Wiederaufnahme des Baus laufe aber "sehr gut", so Kaufmann. "Wir können wirklich davon ausgehen, dass wir das 830-Millionen-Budget auch tatsächlich einhalten können. Natürlich ist es das Ziel, das zu unterschreiten."

Kritik, die Baukosten würden mit einem "Buchungstrick" bei 830 Mio. Euro gehalten, indem darüber hinaus gehende Summen gesondert verbucht werden, wies Kaufmann zurück. "Das stimmt nicht, weil in allen früher angesetzten Kosten der gleiche Umfang auf 'Schnittstellenprojekte' entfallen ist, die andere Teile betreffen, wenngleich sie auch Skylink tangieren." Beispiel: Die Gepäcksortieranlage sei nie im "Skylink"-Kostenblock enthalten gewesen.

Vorstands-Ressorts werden umstrukturiert

Anfang 2011 sollen im Flughafen-Vorstand die Ressorts neu verteilt werden. Kaufmann sagte am Donnerstag, dass mit Unterstützung des Unternehmensberaters Roland Berger Abläufe und Organisation neu definiert würden. Ziel seien Effizienzsteigerung und sparsame Verwaltung.

Im Aufsichtsrat am Mittwoch fielen laut Kaufmann noch keine Beschlüsse zu den neuen Prozessabläufen. Abtäusche von Vorstandsagenden seien in Firmen normal. Noch sei nichts abgeschlossen, deshalb wolle er jetzt keine Details nennen. Kolportiert wurde bisher, dass die Technik-Verantwortung aufgeteilt wird, auch über die Neuverteilung der Zuständigkeiten für Aviation/Non-Aviation und Finanzen wurde spekuliert.

Ob er dabei sein wird im neuorganisierten Vorstand 2011? Kaufmann: "Mein Vertrag läuft bis September 2014. Den werde ich erfüllen." In jüngster Vergangenheit hatte es immer wieder Gerüchte über seinen vorzeitigen Abgang gegeben.

Zur umstrittenen Bonus-Frage sagte Kaufmann, 2009 sei entschieden, da gebe es keinen Bonus, der Skylink betreffe. Es gebe keine Prämien im Vorhinein, sagte der Vorstand. Das werde entschieden, wenn der Neubau in Betrieb gehe. Bonuszahlungen für 2010 seien ein Thema erst im Frühjahr 2011. Und auch da sei Skylink noch nicht fertig.

Aschewolke kostete mehr als drei Millionen

Der Flughafen geht bis zum Jahr 2020 jeweils von mehr als 5 Prozent Zuwachs bei den Passagierzahlen aus. "Das wären 30 Millionen Passagiere im Jahr 2020", rechnet der Manager. "Wir werden im Frühjahr 2012 an die Grenze der Kapazität kommen. Da wird Skylink gerade fertig."

Der Wiener Airport habe selbst im Luftfahrt-Krisenjahr 2009 ein gutes positives Ergebnis gehabt. Der Nettogewinnzuwachs um 11,6 Prozent im ersten Halbjahr 2010 sei beträchtlich, ohne die Ertragsausfälle wegen der Aschewolke wäre der Gewinn bis Juni nicht auf 38, sondern auf mehr als 41 Millionen Euro gestiegen. Bisher liege man im Passagierwachstum doppelt über dem Europa-Schnitt. "Der August läuft auch sehr gut." (APA/red)

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