Mord an 72 Einwanderern erschüttert Region

27. August 2010, 10:19
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15 Opfer bisher identifiziert - Mexikos Außenministerin: "Feige" Tat betrübt "alle Regierungen und Völker Lateinamerikas"

Quito/San Fernando - Ermittlern in Mexiko ist es bisher gelungen, 15 der im Nordosten des Landes ermordeten mutmaßlichen illegalen Einwanderer zu identifizieren. Unter den insgesamt 72 Mordopfern seien mindestens vier Menschen aus El Salvador sowie ein Brasilianer, sagte ein Vertreter der Staatsanwaltschaft im mexikanischen Bundesstaat Tamaulipas am Donnerstag (Ortszeit). Weitere Einzelheiten wurden nicht genannt.

Bei den am Dienstag auf einer Farm entdeckten Toten handelt es sich ersten Erkenntnissen zufolge um illegale Einwanderer aus Brasilien, Ecuador, Honduras und El Salvador, die in die USA wollten. Sie wurden vermutlich Opfer eines in der Gegend aktiven Drogenkartells. Vertreter der vier Länder reisten nach Tamaulipas, um die mexikanischen Ermittler bei der Identifizierung der Toten zu unterstützen.

"Feige Tat"

Der Fund der 72 Getöteten hat in der Region Erschütterung hervorgerufen. Die "feige" Tat betrübe "alle Regierungen und Völker Lateinamerikas", sagte Mexikos Außenministerin Patricia Espinosa am Mittwoch (Ortszeit) in Quito. Die Toten waren am Dienstag von der Armee auf einer Farm nahe der Stadt San Fernando im nordmexikanischen Bundestaat Tamaulipas entdeckt worden, nachdem sich die Soldaten Gefechte mit dort verschanzten mutmaßlichen Drogenhändlern geliefert hatten. In Tamaulipas wie in anderen an die USA grenzenden mexikanischen Bundesstaaten tobt ein mörderischer Kampf zwischen rivalisierenden Drogenkartellen sowie zwischen der Armee und den Banden.

Mexikos Außenministerin Espinosa sprach während eines Aufenthalts in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito den Angehörigen der Opfer ihr Mitgefühl aus. Ihr ecuadorianischer Kollege Ricardo Patino verurteilte die Tat und äußerte die Hoffnung, dass "hoffentlich nicht viele" Ecuadorianer unter den Opfern seien. Der Außenminister von El Salvador, Hugo Martinez, verurteilte ebenfalls das Massaker und sagte AFP, er hoffe, dass die Täter gefasst würden.

Soldaten griffen ein

Nach ersten Erkenntnissen waren die Einwanderer auf ihrem Weg in die USA von einer bewaffneten Bande abgefangen worden, die ihnen eine Tätigkeit als Handlanger angeboten habe. Als die illegalen Einwanderer dies abgelehnt hätten, seien sie von der Bande ermordet worden, berichteten die mexikanischen Behörden unter Berufung auf den einzigen Überlebenden des Massakers, einen Mann aus Ecuador.

Der Ecuadorianer hatte sich durch Schüsse verletzt an einen Kontrollpunkt des Militärs geschleppt und den Soldaten von dem Massaker berichtet. Daraufhin griffen die Soldaten die Farm an. Dabei wurden ein Soldat und drei Verdächtige getötet. Ein Jugendlicher sei festgenommen worden, die übrigen Bewaffneten entkamen demnach. Der Ecuadorianer gab an, dass die Kriminellen der Drogenbande "Zetas" angehörten.

Der ecuadorianischen Zeitung "El Comercio" zufolge hatte der 18-jährige Überlebende Schlepper bezahlt, die ihn in die USA bringen sollten. Demnach war er vor einem Monat in seinem Heimatdorf aufgebrochen, wie das Blatt unter Berufung auf die Freundin des Mannes berichtete.

Eine halbe Million

Jedes Jahr durchqueren Schätzungen zufolge eine halbe Million illegale Einwanderer Mexiko in der Hoffnung auf ein besseres Leben in den USA. Alleine in den sechs Monaten zwischen September 2008 und Februar 2009 seien dabei 10.000 Menschen von Drogenbanden entführt worden, berichtete die mexikanische Menschenrechtskommission.

Die meisten Überlebenden machten demnach die "Zetas" für die Entführungen verantwortlich. Die Gruppe ist eine Abspaltung des in Tamaulipas dominierenden Golf-Kartells, die ihrem früheren Arbeitgeber seit einigen Jahren die Schmuggelrouten für Drogen streitig machen. Der Vorfall zeige die Unfähigkeit der Regierung, die Gewalt gegen die illegalen Einwanderer in Mexiko zu verhindern, sagte der Chef der Menschenrechtsorganisation Amnesty International in Mexiko, Alberto Herrera. (APA)

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