15 Opfer bisher identifiziert - Mexikos Außenministerin: "Feige" Tat betrübt "alle Regierungen und Völker Lateinamerikas"
Quito/San Fernando - Ermittlern in Mexiko ist es bisher gelungen, 15 der im Nordosten des Landes ermordeten mutmaßlichen illegalen Einwanderer zu identifizieren. Unter den insgesamt 72 Mordopfern seien mindestens vier Menschen aus El Salvador sowie ein Brasilianer, sagte ein Vertreter der Staatsanwaltschaft im mexikanischen Bundesstaat Tamaulipas am Donnerstag (Ortszeit). Weitere Einzelheiten wurden nicht genannt.
Bei den am Dienstag auf einer Farm entdeckten Toten handelt es sich ersten Erkenntnissen zufolge um illegale Einwanderer aus Brasilien, Ecuador, Honduras und El Salvador, die in die USA wollten. Sie wurden vermutlich Opfer eines in der Gegend aktiven Drogenkartells. Vertreter der vier Länder reisten nach Tamaulipas, um die mexikanischen Ermittler bei der Identifizierung der Toten zu unterstützen.
"Feige Tat"
Der Fund der 72 Getöteten hat in
der Region Erschütterung hervorgerufen. Die "feige" Tat betrübe "alle
Regierungen und Völker Lateinamerikas", sagte Mexikos Außenministerin Patricia
Espinosa am Mittwoch (Ortszeit) in Quito. Die Toten waren am Dienstag von der Armee auf einer Farm nahe der Stadt San
Fernando im nordmexikanischen Bundestaat Tamaulipas entdeckt worden, nachdem
sich die Soldaten Gefechte mit dort verschanzten mutmaßlichen Drogenhändlern
geliefert hatten. In Tamaulipas wie in anderen an die USA grenzenden
mexikanischen Bundesstaaten tobt ein mörderischer Kampf zwischen rivalisierenden
Drogenkartellen sowie zwischen der Armee und den Banden.
Mexikos Außenministerin Espinosa sprach während eines Aufenthalts in der
ecuadorianischen Hauptstadt Quito den Angehörigen der Opfer ihr Mitgefühl aus.
Ihr ecuadorianischer Kollege Ricardo Patino verurteilte die Tat und äußerte die
Hoffnung, dass "hoffentlich nicht viele" Ecuadorianer unter den Opfern seien.
Der Außenminister von El Salvador, Hugo Martinez, verurteilte ebenfalls das
Massaker und sagte AFP, er hoffe, dass die Täter gefasst würden.
Soldaten griffen ein
Nach ersten Erkenntnissen waren die Einwanderer auf ihrem Weg in die USA von
einer bewaffneten Bande abgefangen worden, die ihnen eine Tätigkeit als
Handlanger angeboten habe. Als die illegalen Einwanderer dies abgelehnt hätten,
seien sie von der Bande ermordet worden, berichteten die mexikanischen Behörden
unter Berufung auf den einzigen Überlebenden des Massakers, einen Mann aus
Ecuador.
Der Ecuadorianer hatte sich durch Schüsse verletzt an einen Kontrollpunkt des
Militärs geschleppt und den Soldaten von dem Massaker berichtet. Daraufhin
griffen die Soldaten die Farm an. Dabei wurden ein Soldat und drei Verdächtige
getötet. Ein Jugendlicher sei festgenommen worden, die übrigen Bewaffneten
entkamen demnach. Der Ecuadorianer gab an, dass die Kriminellen der Drogenbande
"Zetas" angehörten.
Der ecuadorianischen Zeitung "El Comercio" zufolge hatte der 18-jährige
Überlebende Schlepper bezahlt, die ihn in die USA bringen sollten. Demnach war
er vor einem Monat in seinem Heimatdorf aufgebrochen, wie das Blatt unter
Berufung auf die Freundin des Mannes berichtete.
Eine halbe Million
Jedes Jahr durchqueren Schätzungen zufolge eine halbe Million illegale
Einwanderer Mexiko in der Hoffnung auf ein besseres Leben in den USA. Alleine in
den sechs Monaten zwischen September 2008 und Februar 2009 seien dabei 10.000
Menschen von Drogenbanden entführt worden, berichtete die mexikanische
Menschenrechtskommission.
Die meisten Überlebenden machten demnach die "Zetas" für die Entführungen
verantwortlich. Die Gruppe ist eine Abspaltung des in Tamaulipas dominierenden
Golf-Kartells, die ihrem früheren Arbeitgeber seit einigen Jahren die
Schmuggelrouten für Drogen streitig machen. Der Vorfall zeige die Unfähigkeit
der Regierung, die Gewalt gegen die illegalen Einwanderer in Mexiko zu
verhindern, sagte der Chef der Menschenrechtsorganisation Amnesty International
in Mexiko, Alberto Herrera.
(APA)