Die Heuchelei um die Roma

25. August 2010, 19:30

Sarkozys Aufruf zum harten Vorgehen gegen die "Mitglieder des fahrenden Volkes löste die Debatte über das dringliche internationale "Eingliederungsprogramm" für Roma aus

Ein hohes Maß an Heuchelei prägt die internationale Aufregung der Medien und die Stellungnahmen der betroffenen Regierungen und EU-Stellen nach dem harten Durchgreifen der französischen Behörden gegen die illegalen Roma-Siedlungen. Dass Frankreich und andere EU-Staaten Roma aus Rumänien, Bulgarien und Serbien seit Jahren ausweisen oder repatriieren, war auch bisher in den Publikationen des Europäischen Roma-Rechts-Zentrums in Budapest nachzulesen.

Die Darstellung aus Paris, bei den hunderten Roma, die dieser Tage Frankreich verlassen haben, handle es sich ausschließlich um "freiwillige Rückkehrer", ist natürlich ebenso lächerlich wie der Vorwurf an die rumänische Regierung, der rumänische Staat sei für das Verhalten der rumänischen Roma verantwortlich. Erstens bekommen die rückkehrwilligen Roma ein Flugticket und einen Geldbetrag von 300 Euro pro Erwachsenem und 100 Euro pro Kind, um die Verletzung des EU-Rechts auf Freizügigkeit zu verbergen. Zweitens hatten schon im Vorjahr zwischen 8000 und 10.000 Roma ein ähnliches Ausreiseangebot angenommen - und fast alle kehrten gleich wieder nach Frankreich zurück, da sie natürlich kein Visum brauchen.

Auf die Pariser Vetodrohungen gegen Rumäniens Beitritt zur Schengenzone, falls der rumänische Staat "seinen diesbezüglichen Aufgaben" nicht nachkomme, antwortete der rumänische Außenminister Teodor Baconschi zu Recht, sein Land sei nicht in der Lage, eigene Bürger am Reisen innerhalb der EU zu hindern, solange sie sich nicht strafbar gemacht hätten. Niemand weiß genau, wie viele Roma in Rumänien leben: Glaubwürdige Schätzungen sprechen von zwei bis zweieinhalb Millionen, also einem Zehntel der Bevölkerung. Die Gesamtzahl der Roma in Europa dürfte zwischen 10 und 12 Millionen liegen. Seitdem die Roma aus ihrer Herkunftsregion Nordindien zwischen dem 4. und 14. Jahrhundert in Europa sesshaft wurden, lebt diese ethnische Gruppe, deren Mitglieder sich hinsichtlich Sprache, Traditionen und Lebensweise selbst innerhalb ihrer Siedlungsgebiete beträchtlich voneinander unterscheiden, am Rande der Gesellschaften.

Von Ungarn bis zur Slowakei, von Rumänien bis Serbien zeichnet sich trotz beträchtlicher EU-Zuschüsse (seit 2003 17,5 Milliarden Euro) kein sozialer und kultureller Aufstieg dieser stets diskriminierten Gruppe ab. Mit der EU-Erweiterung wurden auch die Roma und die Sinti, die man in Osteuropa nach wie vor pauschal als "Zigeuner" bezeichnet, zu EU-Bürgern "zweiter Klasse" und damit zu einem besonders heiklen Krisenherd innerhalb des Teufelskreises der globalen Migration.

Präsident Sarkozys zynischer und medienwirksamer Aufruf zum harten Vorgehen gegen die "Mitglieder des fahrenden Volkes" und seine Drohung, die französische Staatsangehörigkeit "jeder Person ausländischer Herkunft zu entziehen", die einen Polizisten oder Staatsvertreter angegriffen hat, löste eigentlich die Debatte über das dringliche internationale "Eingliederungsprogramm" für Roma aus. Sein populistischer Versuch einer kollektiven Stigmatisierung wird der "Lösung der Roma-Frage" auf lange Sicht ebenso wenig dienlich sein wie seiner Chance auf Wiederwahl. (Paul Lendvai/DER STANDARD, Printausgabe, 26.8.2010)

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Petar K
10
27.8.2010, 02:05
Das politische Spiel mit Nationalismen ist in Frankreich anders !

Die Verallgemeinerung von einzelnen Individuuen zu einer Gruppe und schließlich zu einem Volk ist purer Nationalismus, der im multinationalen internationalen Frankreich anders ist. Werden etwa die Kreolen oder die Inder Französisch lernen müssen ?

Janosch bacsi
25
26.8.2010, 17:17
die 300 € Quizfrage

Was machen Analfabeten vom Balkan ohne Ausbildung, Französischkenntnisse, Visakarte, in Frankreich? a.) Wohnmobile verkaufen, b.) die Loire Schlösser besuchen, c.) Sie sind auf der "Durchreise" nach Grossbritannien, d.) ich weiss es nicht, würde mich aber auch interessieren.

hamstertier
03
26.8.2010, 15:08
frage an herrn lendvai:

wissen sie, was mit den 17,5 milliarden EU-geld gemacht worden ist?

jesus mohamed von wien
42
26.8.2010, 14:52
wen der lenvai schreibt, könnte

man glauben nach den tv-sendungen spicht er auch so und sein akzent ist nur aufgesetzt. deutsch kann er ja.

Josef Wanko
00
23.9.2010, 09:28

Sprichst Du so wie Du tippst? (wen(n), lenvai, spicht)

László
10
27.8.2010, 11:01
das heist Lendvai und lenvai

were es ein englischer Name dann hätten sie wahrscheinlich kein Problem es richtig zu schreiben und genau das ist der punkt es gibt hierzulande einfach kein Verständnis für osteuropäische Probleme zb. Roma frage usw. die meisten Österreicher können nicht einmal serbisch von ungarisch oder rumänisch unterscheiden und wissen schon gar nicht das es eine Roma Sprache gibt oder das "Roma" die politisch korrekte Bezeichnung ist für zigeuner.
Aber blöd kommentieren und ins lächerliche ziehen das sehr wohl.
Furchtbar!

jesus mohamed von wien
10
27.8.2010, 11:38
gut und was würde sein wenn ich die unterschiede kennen

würde und nichts damit anfangen kann. das ist genauso wichtig als ob ein einwanderer den unterschied zwischen den dialekten von meidling und favoriten kennt. ich bin überzeugt, daß wenn ich es notwendig hätte, würde ich die sprachen lernen. auch wenn ich dort hin auswandern würde. das ganze hat aber mit dem nichts zu tun, daß es eben menschen gibt die ihren dialekt über die massen pflegen. für was das wirklich gut ist, habe ich noch nirgends gelesen. ich finde es ist eine marotte von herrn lendvai seinen akzent so zu pflegen. ich kann damit leben.

László
00
27.8.2010, 20:03

Nein ist nicht das selbe weil Dialekte wären eine regionale Sache und das ist das mindeste was man von einen einwander verlangen kann das er sich ein bisschen damit auseinander setzt (ich musste es auch lernen) ich meinte eher das sie Holländisch von italienisch unterscheiden können wen sie es hören, bezweifle aber das sie serbisch von polnisch unterscheiden können, das kommt daher das ost und west lange zeit von einander abgeschnitten war und angefangen von vorurteil biss misstrauen in disse Gesellschaft selbst nach 20 Jahren fahl Ost u. West grenze noch immer gang und gebe sind.
Das mit dähm akzent ist für mansch leider ein problem die es ein leben lang vervolgen wen wir nur an Arnold Scwarzeneger auf englisch zu hören.. (Ein kabaret!)

Luky Pozzo
03
26.8.2010, 17:03

Wenn ich so lesen würde wie Sie schreiben, dann könnte ich Ihre Sätze nicht verstehen.

Mike 23
23
26.8.2010, 16:52
Paul Lendvai ist ein Migrant

der ersten Generation. Selbst sein markanter Akzent kann nicht verbergen, dass er einer der politisch klügsten Köpfe in unserem Land ist.

Michael

Hotcoolt
03
28.8.2010, 08:18
zu Mike23 Lendvai Paul

Ist das ein Wunder, was in einem Land vorsich geht, wenn Lendvai einer der klügsten politischen köpfe sein soll ?

jesus mohamed von wien
10
26.8.2010, 17:58
das ist alles schön und gut

mein vater ist auch ein solcher. den akzent hat er auch nie weg bekommen. aber lendvai schlägt ihn. ich sage auch nicht ob das gut oder schlecht ist. ich habe es erwähnt weil es mir aufgefallen ist.

stefan

Janosch bacsi
00
26.8.2010, 16:46

Noch nie was von einem Korrektor gehört?

cyber ferkel
00
26.8.2010, 14:39

Mich würde interessieren wie österreichische Zigeuner ihr Leben hier in Österreich sehen, bzw. wie sie ihre Situation heute im Vergleich zu vor 30 Jahren einschätzen.

anders and
 
00
26.8.2010, 16:25
was sind "österreichische Zigeuner"?

Jeder, der sich mit dieser Bezeichnung betroffen fühlt?

Adolf Ogi
00
27.8.2010, 22:55
österreichische Zigeuner

sind solche die Österreicher sind und von denen auch die Eltern und Großeltern schon hier waren. Im Detail hauptsächlich die von den Batthyánys im 17. Jahrhundert im Südbürgenland angesiedelten Lovara und deren sich später auf ganz Österreich verteilten Nachkommen.

anders and
 
10
28.8.2010, 20:44

das ist ja extrem rassistisch! Da brauchen schon die Zigeuner einen Ahnenpass, dass Sie über Generationen schon in Österreich leben!

Der Freund Deiner Frau
11
26.8.2010, 14:23
Lendvai hat zwar offenbar einen Meinung aber die Debatte in Frankreich scheint er nicht so genau zu verfolgen.

Hier wurde bisher naemlich schon ziemlich genau unterschieden zwischen den

"Gens du voyage", ein administrativer Begriff der Franzosen unterschiedlicher Herkunft (Roma, Manouches, Jenische etc) beschreibt und den

"Roma", meist rumaenischen Staatsbuergern, die seit der "Oeffnung" nach Westeuropa stroemen.

Erstere sind entgegen ihrer Bezeichnung zu 85% sesshaft und, abgesehen vom Leben im Caravan ganz gut integriert.

Sarko benutzt die Angst der Bevoelkerung vor den "neuen Bettlern" und schafft einen generellen Antiziganismus der so eigentlich nur noch in Osteuropa existiert.

In Ungarn ist er uebrigens besonders stark, was Lendvai auch haette erwaehnen koennen.

Break the spell! (GB)

Hotcoolt
00
28.8.2010, 08:21
Lendvai Paul

Lese Sie seine Bücher, und über Ungarn wird er sich kaum äußern, da mindestens eine Namensverwandtschaft zu der MSZP Frau Lendvai Ildiko besteht !

Thomas Wetschnig
00
26.8.2010, 13:58
16 Millionen Menschen in Europa ...........

........... sind immerhin 2x so viele, wie Oesterreich Einwohner hat. Wenn die sich mal richtig vernetzen, wuerden sie ihren Interessen auch mal mehr Gewicht verschaffen.

trollvottel
01
26.8.2010, 14:31

Wie denn? So erklärt sich jeder Staat als nicht zuständig.

anders and
 
02
26.8.2010, 16:28

die sind doch massiv zerstritten!

Die Ente Lippens
03
26.8.2010, 13:39
Es kann nur einen Weg geben; Integration der Kinder und Jugendlichen in das jeweilige Bildungs- und Sozialisierungssstem. Strenges Bestrafen von Kinderehen, Schulbesuchsverweigerung usw. Foerderung nur mit Kontrolle der Verwendung der Foerdermittel.

Alles andere fuehrt wie in den letzten Jahren zu nichts.

andreas lamers
 
20
26.8.2010, 17:05
mit der zerstoehrung einer ganzen kultur?

gegenvorschlag in den schulen wird nur mehr englisch unterrichtet. das tragen von dirndeln und trachten generel wird verboten und die schrammelmusik unter strafe gestellt. sich als oesterreicher zu bezeichenen ebenfalls. ist das etwas mit dem sie sich anfreunden koennen?

anders and
 
00
26.8.2010, 16:28

War das nicht das Konzept bis 1989?

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