Eskalation in Somalia

Zwischen Pest und Cholera

25. August 2010, 19:12

Präsident Sharif Sheikh Ahmed befindet sich in einem ständigen Rückzugsgefecht

Ein paar tausend Soldaten einer "friedenserhaltenden" (sic!) Einheit der Afrikanischen Union (AU) sorgen in Somalia dafür, dass die Regierung in dem in Chaos und Gewalt versunkenen Land physisch überlebt. Sie sind nicht viel mehr als Leibwächter von Präsident Sharif Sheikh Ahmed, der immer größere Teile Somalias an die Shabaab-Milizen verliert und sich auch in der Hauptstadt Mogadischu in einem ständigen Rückzugsgefecht befindet.

In Somalia sind nicht nur 1993 die USA militärisch gescheitert, auch alle regionalen Schlichtungsversuche und Interventionen danach gingen ins Leere. In Somalia scheint es immer nur die Wahl zwischen Pest und Cholera zu geben: Überlässt man die international anerkannte Regierung ihrem Schicksal, so schenkt man den ideologisch an den Taliban orientierten Shabaab ein ganzes Land. Hält man die ausländische Intervention aufrecht - oder verstärkt man sie, wie die AU es vorhat -, dann verschafft man den Shabaab nicht nur innersomalischen Zulauf, sondern auch den von internationalen Jihadisten.

Dass sich die Welt heute für Somalia wieder mehr interessiert, ist jedoch eine Folge des Shabaab-Bombenanschlags im ugandischen Kampala im Juli mit 70 Toten. Das war für westliche Verhältnisse immer noch weit weg. Aber die Vernetzungen der Shabaab etwa in den Jemen machen sie immer mehr zum internationalen Spieler, der einem auch anderswo als in Afrika begegnen könnte. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 26.8.2010)

Malkaye
00
28.8.2010, 11:36
Wer den Unterschied zwischen Präsident und Warlord, zwischen Regierung und Miliz nicht kennt, sollte sich mit öffentlichen Kommentaren Zurückhalten.

"Präsident Sharif Sheikh Ahmed, der immer größere Teile Somalias an die Shabaab-Milizen verliert"

Was soll das? -Ein Satz, zwei Irrtümer:
Er ist kein Präsident, sondern einfach Warlord mit international anerkannten Freunden und
er besaß nie die Kontrolle über größere Teile in Somalia.
Es sei denn, Frau Harrer bezieht sich auf seine Zeit bei der Union Islami(sti)scher Gerichte*...

*Ja, den Scharia-Steinigern.

Cepheus
02
26.8.2010, 10:08
"friedenserhaltenden" (sic!)

Wo ist da das Problem? Das machen UN Truppen nunmal, sonst bräuchte man sie ja nicht.

Christoph Karl Steininger
00
26.8.2010, 02:18
Ein paar Mindestansprüche könnte man sogar von einer Tageszeitung verlangen.

Es ist nicht das "ganze Land" was da grad vor die Hunde geht. Es handelt sich um Süd-Somalien. Die nördlichen Provinzen, die unter Somaliland bzw. Puntland firmieren sind ganz ordentlich. Diese Staatsgebilde müsste man international anerkennen und dann wär ein bissl a Ruh.
Rest-Somalien den Truppen aus Äthiopien zu überlassen und zu hoffen daß die die Radikalen für uns besiegen war vielleicht ein bisschen zu optimistisch!

vento - ora
00
26.8.2010, 10:03

weisst du wieviele der au-truppen aus äthiopien sind? den größten anteil stellt doch uganda, weshalb es dort auch den anschlag gab.

in puntland gabs übrigens kürzlich wahlen.

NeunZollNagler
 
50
25.8.2010, 21:50
Das hat Äthiopien ja toll hinbekommen

Unter der Union der islamischen Gerichte hat sich langsam etwas wie Stabilität angedeutet, aber da musste man natürlich einmarschieren

Mit dem Erfolg das 4 Jahre später die radikalsten Elemente der Bewegung das Land wieder erobern

vento - ora
02
26.8.2010, 10:01

du meinst die "stabilität" bei der frauen brutalst unterdrückt wurden, alles verboten wurde, kindersoldaten rekrutiert wurden und das land ins mittelalter zurückversetzt wurde?

tolle stabilität.

NeunZollNagler
 
00
26.8.2010, 13:00

Davor wirds auch nicht unbedingt besser gewesen sein, dazu der Bürgerkrieg.
Die Union der islamischen Gerichte war auch bei weitem nicht so radikal wie die Shahaabs heute. Der jetztige "Präsident" kommt ja auch aus dieser Bewegung

Malkaye
00
28.8.2010, 11:38
Wer steinigt gehört weg.

Wenngleich der äthiopische Einmarsch dumm organisiert war.
Es gab noch nicht genug Rückhalt in der AU und deshalb war es einfach ein unnachhaltiger Einsatz auf geheiß der USA.

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