Eurosklerose in Amerika

25. August 2010, 18:01

Das Stocken der einst gefeierten US-Jobmaschine belastet die Weltwirtschaft

Die Finanzkrise scheint überstanden, die globale Rezession ebenso, und dennoch herrscht diesen Sommer Katzenjammer in der Weltwirtschaft und an den Börsen. Schuld daran ist die bedrohliche Schwäche der US-Konjunktur, der nach Meinung vieler Ökonomen sogar ein Rückfall in eine neuerliche Rezession droht.

Diese düstere Aussicht versetzt die US-Demokraten im Vorfeld der Kongresswahlen im November in Panik, bei denen die Wirtschaftslage der wahlentscheidende Faktor werden dürfte. Dahinter aber steht noch eine tiefere, grundsätzliche Sorge. Die einst gefeierte amerikanische Jobmaschine ist gefährlich ins Stocken geraten. Und es ist in erster Linie die Angst um den Arbeitsplatz, die den amerikanischen Konsumenten und damit das Wirtschaftswachstum bremst.

Erstmals seit Jahrzehnten leiden die USA mit rund 9,5 Prozent unter einer höheren Arbeitslosigkeit als Deutschland (7,5 Prozent). Das liegt nicht nur an den höheren Wachstumsraten in den exportorientierten Staaten in Nord- und Mitteleuropa, sondern noch mehr an Strukturveränderungen dies- und jenseits des Atlantiks.

Zumindest in Deutschland wurde die berüchtigte Eurosklerose - stagnierende Beschäftigung trotz Wachstums - überwunden, und dazu hat die ungeliebte Hartz-IV-Reform mit ihren strikten Auflagen für Arbeitslose viel beigetragen. Erstmals führt eine Hochkonjunktur in der Industrie dazu, dass auch in Dienstleistungsbereichen neue Stellen entstehen. Die Bezahlung ist oft mickrig, aber auch ein schlechter Job ist immer noch besser als gar keiner.

Das ist genau das Phänomen, das den amerikanischen Arbeitsmarkt so lange ausgezeichnet hat. Dort hat sich jedoch vieles zum Schlechteren gewendet. Eigentlich müsste die Arbeitslosigkeit schon längst zurückgegangen sein. Die Unternehmen machen gute Gewinne, und auch wenn viele wegen wirtschaftlicher Unsicherheiten mit Neuanstellungen zögern, fehlt es in zahlreichen Regionen nicht an Jobangeboten. Doch immer mehr Arbeitgeber klagen darüber, dass sie die offenen Stellen nicht füllen können.

Ein wichtiger Grund ist die geplatzte Immobilienblase: Millionen von Amerikanern können ihr Haus nicht verkaufen, weil die Hypothek größer ist als der Marktwert. Deshalb können sie nicht dorthin übersiedeln, wo es Jobs gibt. Die unsinnige Förderung von Eigenheimen schränkt nun die Mobilität der Arbeitnehmer ein.

Und auch fehlende Qualifikationen stehen vielen Anstellungen im Weg. Hier bekommt nun die US-Wirtschaft den jahrzehntelangen Niedergang des Schulwesens zu spüren.

"Jobless Growth": Europas langjähriges Schicksal ereilt nun die USA und verdirbt US-Präsident Barack Obama die sonst ganz passable wirtschaftspolitische Bilanz. Deutschland hingegen erntet nun die Früchte von Gerhard Schröders so umstrittener Agenda 2010. Aber auch dort gibt es noch Handlungsbedarf, etwa beim Kündigungsschutz. Und in Frankreich und den Staaten in Südeuropa ist die hohe Arbeitslosigkeit vor allem die Folge eines verknöcherten Arbeitsmarktes.

Nach der Hochsaison für Makroökonomen während der Finanzkrise ist nun daher die Stunde der Arbeitsökonomen gekommen, die Wege zeigen, wie bei gleichem Wachstum mehr Jobs entstehen können. Und erstmals seit Jahrzehnten müssen auch die USA überlegen, wie sie ihren Arbeitsmarkt wieder in Gang bringen können. (Eric Frey, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.8.2010)

 

Kommentar posten
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american idiot
00
29.8.2010, 10:32
auch ich bin der meinung ... europa ist dem untergang geweiht ... ihr habt versagt, denn:

* lobbyism in the eu: underdeveloped
* export of democracy: still underdeveloped
* EU-wall street'ln: undercapitalized
* your corporations: far too small companies to make good business
* your CEOs: give them more! --> motivate employees
* hedge-fonds & euros: where are they? Com' on and take a look at US and our $!
* absatzmärkte für kokain&co: underdeveloped
* 50cent ("get rich or die tryin' "): nicht mal der hatte total impact bei euch ...

instead you waste your time quatsching about US, bureaucracy, bananenkrümmung und dem größten shice aller zeiten: rohstoffsteuer.

but, 2013 will be the year of revival:
sarah palin als personal-unionisierte president & first lady. our schmuckstück of guns, stars & stripes.
beware! be there!

also dann ...
11
28.8.2010, 08:40
schwer von kapee ... (FTD.DE) ist - wie immer - hr frey . . .

Schulden von 400 % des Einkommens,
Sparquote in den Miesen,
Nachfragelücke von rund zehn Prozent,
d e - i n d u s t r i a l i s i e r t.
Trotzdem... rwarten die Volkswirte Wachstumsraten von 3 % (?) - und wundern sich jetzt über niederschmetternde Daten.

eine ges.wirtsch.Nettoersparnis von MINUS 1,5 % des BO-Nationaleinkommens, d.h. sie können nicht mal ihren vwl. kap.stock bedienen...
die REALEN löhne sind in der höhe der 60er jahre...
usw.
http://www.ftd.de/finanzen/... 61249.html

D - o-ton frey
...dazu hat die ungeliebte Hartz-IV-Reform mit ihren strikten Auflagen für Arbeitslose viel beigetragen...
und ich dachte,
dass wachstum seit entscheidend...

naja

Karin Stadler2
00
27.8.2010, 12:04
Tja, ja - ob die Arbeitnehmer, die ihren Lebensunterhalt

von einem Fulltime nicht bestreiten kommen, die Konsumenten sind, die die Wirtschaft ankurbeln? Und diese Schicht und die, die gar keinen Job hat wird immer breiter. Ich fuerchte, dieses System wird sich bald ad absurdum fuehren.
Dieser Kommentar ist schon recht oberflaechlich - dann doch bitte gar keinen.
Ja, und die Lage in den USA ist wirklich grauslich.

Alastair McKenzie
 
00
27.8.2010, 13:10
Das System funktioniert ja auch nicht so.

Der US-amerikanische Konsum ist auf Sand gebaut. Auf geborgtem Geld. Vom Mc-Job-Lohn können sich die meisten ihre Konsumausgaben nicht leisten, auch wenn in den USA vieles wesentlich günstiger ist als in Europa (Strom, Treibstoffe, Kleidung, Autos, ...). Zur amerikanischen Kultur gehört es, ständig Schulden zu haben. Das wird seit den 80ern auch noch unterstützt von der Notenbank; Greenspan hat das System der chronisch zu niedrigen Leitzinsen eingeührt, was die Amis auch noch zum Schuldenmachen ermutigt. Dass ein solches Kartenhaus regelmäßig zusammenbrechen muss, ist irgendwie logisch.

Karin Stadler2
00
27.8.2010, 15:39
Das ist mir bekannt. Wenn das Kartenhaus nur nicht

vollstaendig zusammenbricht und alle mitreisst....

Walter Bimini
00
27.8.2010, 22:32
es ist nicht ungewöhnlich, wenn ein imperium zusammenkracht, daß seine vasallen mitstürzen.

noch dazu nachdem die europäer so dumm waren massenhaft us schulden aufzukaufen.

Frodo Der Hobbit
00
28.8.2010, 18:55
die dummheit ist eher

wenn man krise spielt, während die regale voll sind zum bersten, und die gegend komplett mit relativ guten häusern zersiedelt ist...
haben die noch alle?!

hier kennt man ja den mobilen bürger gar nicht.
aber sollte man nicht dort wirtschaft treiben, wo es menschen gibt?

Walter Bimini
00
28.8.2010, 23:23
das kann sich sehr schnell ändern.

vor 2007 war island noch für seinen hohen lebensstandard bekannt und jetzt ? leere supermarkt regale, weil mit einer wertlosen währung die importe ein wenig schwierig sind.

warum glauben sie gibt es wohl den 750 milliarden euro schutzschirm?

glauben sie im ernst, daß irgendeiner der eu staaten nur annähernd so viel geld hat? spanien? griechenland? irland? portugal? italien? frankreich? österreich? ungarn? ....

auch deutschland - übrigens das einzige land, das seine anleihen vor dem 750 milliarden paket damals noch verkaufen konnte - hat auch außer 1,7 billionen schulden keine reserven vorzuweisen.

Karin Stadler2
00
28.8.2010, 12:36

Tja, wem sagen Sie das.......

Walter Bimini
00
28.8.2010, 14:19
man kann nur versuchen sich möglichst anzuschnallen vor dem großen knall, der unvermeidlich kommen wird.

jeder, der dann noch im papiergeld system steckt, wird pech haben und es wird ein schlechter trost sein, daß es ja nicht das erste mal in österreich ist.

Karin Stadler2
00
28.8.2010, 15:56
Nun, was raten Sie?

Gold kaufen? Ist auch schon ein bubble. Eigenheim/Dach ueber dem Kopf habe ich. Noch eines, dafuer reicht das Papier nicht. Ausserdem kann man dann im Falle eines FAlles auch nichts davon abbeissen. Schulden machen liegt mir nicht, obwohl das vermutlich das beste in dieser Situation waere. Ich bin fuer's ausgeben, so weit vertraeglich, Reisen, da hat man dann wenigstens Erinnerungen, auch anderen helfen/spenden.

Walter Bimini
00
28.8.2010, 23:44
man hat natürlich mehr davon, wenn man sein papier (geld, aktien, sparbücher,...) vor der währungsreform ausgibt.

es gibt einige dinge ( wie unbehandeltes salz, honig, nudeln ohne ei, bohnen, ganze getreidekörner, verschiedene konserven,... ), die nicht oder zumindest nicht so schnell verderben und im fall des falles den magen füllen.

daß gold eine blase ist, ist ein märchen das die herren des papiergeld systems verbreiten. gold ist schließlich der feind der zentralbanken, weil kaum kontrollierbar und nicht jederzeit wie das papiergeld entwertbar, und je länger sie die bürger im papiergeldsystem halten können, umso besser für die zentralbanken/staaten. die paar österreicher, die wirklich gold besitzen, machen einfach keine blase aus.
immobilien sind übrigens nicht ganz so harmlos. denn die bürokratie wird die häuser hoch besteuern um sich zu retten.

V/A
00
Eine wirklich ehrlich gemeinte Frage:

Immer wieder heißt es, man solle sein Geld in Gold anlegen - als Absicherung gegen eine kollabierende Währung/Wirtschaft.

Sollte Gold nicht im Falle einer dramatischen Krise (in der Leute hungern, etc.) auch dramatisch an Wert verlieren (vllt halt mit kurzer Verzögerung)? Wie kann man denn fundamental erklären, dass Gold nicht davon betroffen sein soll? Wer kauft den noch Ringe, Ketten, etc wenn er sich kaum mehr eine Semmel leisten kann? Oder soll es an der menschlichen Psychologie (bzw Tradition) liegen, die Gold einfach weiterhin als wertvoll ansehen (unbegründet; bzw begründet auf dem wissen, dass andere das auch tun?

Verstehe es ehrlich nicht.

Dass man sich (bewirtschaftbare) Grundstücke kauft, kann ich da besser nachvollziehen.

leitfaden
01
27.8.2010, 09:59

bezüglich dtl kann ich mit herrn frey nicht übereinstimmen.

im osten werden facharbeiter-löhne von 3,50 - 5,50 brutto (!) pro arbeitsstunde gezahlt. und diese jobs soll man nach f.s ansicht auch noch schneller los sein, damit billigere arbeitskräfte eingestellt werden.

der soziale friede ist schneller zerstört, als ein neoliberaler journalist glauben möchte. ich bin gespannt auch frey-kommentare, wenn die wirtschaftlich entrechteten massen auf die straße gehen.

grazing snake
00
26.8.2010, 19:26
Billige "Mc Jobs" statt qualifizierten Facharbeiterstellen

haben in den USA in den 90ern Bill Clinton´s Arbeitslosenstatistik sehr gut aussehen lassen.
Die Industrie entließ Facharbeiter, aber Mc Donald´s schuf Jobs. Billigstjobs. Das war vor 10, 15 Jahren.

In Deutschland ist es wohl erst jetzt soweit.

Wohin das in Deutschland führen wird sieht man in den USA bereits jetzt.

sw16
03
26.8.2010, 19:05
... ein schlechter Job ist immer noch besser als gar keiner.

Hallo, was ist unser Lebenszweck Eric Frey?
Strukturveränderungen?
Auch der Handlungsbedarf beim deutschen Kündigungsschutz u. verknöcherter Arbeitsmarkt im Süden?
Heruntergenudelte Analysen, so möchte ich nicht mein Geld verdienen wollen!

Dalien
 
00
26.8.2010, 18:01
Die Finanzkrise scheint überstanden...

Hahaha, jaja das wollen uns die oberen Leutchen weismachen um ihre dreckigen Spielchen weiterzutreiben.
Aber nicht mehr lange, denn der nächste Börsencrash ist imminent!
Kein Wunder, wird hier doch mit "Werten" gehandelt denen kein realer Wert zugrunde liegt.
Ich empfehle dringendst dieses Bankbilanzenvideo zu konsumieren, dann sehen die Menschen schnell, WAS uns blüht (link unten).
Glauben die Menschen wirklich, die Hypo AA wäre die einzige Bank die SO geführt worden ist LOL.
Weltweit sind korrupte und unfähige Freunderl der Politiker oder (nach deren Abhalfterung...) sie selbst in solche Posten gehoben worden.
http://www.youtube.com/watch?v=E12OSV1BbVA

Advaita0
00
26.8.2010, 17:48
Gute Analyse! Die USA zahlen nun für die Jahre von Hirnederl George W(eh)

wo die Klassen jeweils auf den unteren Standard gebracht wurden, damit mehr Schüler aufsteigen.
Das einzige gute Service ist das von Geico. Da bekommt man jedmand an die Leitung der Bescheid weiß. Sonst ist es sogar in den Banken traurig (mußte einmal auf den Manager der Bank warten, weil am Schalter keiner über eine stinknormale Transaktion bescheid wußte).
Unser Sohn ist in den USA gleich eine Klasse übersprungen, so niedrig ist dort das Niveau!

Walter Bimini
00
28.8.2010, 14:36
und sie glauben im ernst alles mit den 12 jahren unter dem supreme chimp erklären zu können?

europa fassen
06
26.8.2010, 16:16
Deutschland hingegen erntet nun die Früchte von Gerhard Schröders so umstrittener Agenda 2010.

Ganz Deutschland????
Nein!

Dieser und ähnliche Sätze entlarven die einseitige Betrachtung der Situation. Die oberen 10% in D ernten die Früchte und wurden wieder reicher. Aber auf Kosten eines ängstlich kuschenden Mittelstandes und von immer mehr Menschen, die trotz Fulltimejob nicht ohne staatlichem Zuschuss (den der ängstliche Mittelstand zahlt) überleben können.

Ganz Deutschland ..... sooo ein Blödsinn!

also dann ...
01
28.8.2010, 08:47
frey ... der "möchtegern-wirtschafts-versteher" ... ist ja nicht ernst zu nehmen.

dass hartz IV + die lockerung des arbeitsmarktes...
als hauptgrund zur verringerung der arb.losigkeit
beitrug ist angesichts von
- ca 5 mio (2002-04) arbeitslosen
- und 400.000 offenen stellen
ein vwl. unsinn der sonderklasse.

dass UNS dies die wi-wissenschafter (vor allem der sachverstäneigenrat) weissmachen will, ist ein
witz...der besonderen art, das der SV rat
für 2006 ein wachstum von 1 % prognostizierte
...es war sodann 3,2 % (!).

frey...ist ein sonderfall unter ösi`s
"selbsternannter wirtschafts-mainstream-journaille" !

one man can make a difference
00
26.8.2010, 20:05
richtig.

das neoliberale programm des pseudo-"sozial"-demokratischen schröder war eines der brutalsten "spar"-programme gegen die ärmeren schichten, das europa bisher gesehen hat. und ist es unter merkel noch immer ...

Dormouse
02
26.8.2010, 15:36

"Zumindest in Deutschland wurde die berüchtigte Eurosklerose ... Die Bezahlung ist oft mickrig, aber auch ein schlechter Job ist immer noch besser als gar keiner."

eine solche aussage im bezug auf den 1 euro job staat zu tätigen ist einfach nur eine frechheit!

Tretmine
00
26.8.2010, 15:14

dafür arbeiten jetzt schon mehr Maschinen als je zuvor, mit denen ist man effizienter und günstiger - brauchen keine Pension, und arbeiten rund um die Uhr

Lord Chaos
01
26.8.2010, 15:10
Die unsinnige Förderung von Eigenheimen schränkt nun die Mobilität der Arbeitnehmer ein.

War es nicht der Herr Frey der vor ein paar Jahren die geniale Konjunkturpolitik in den USA so hochgelobt hat und sie unbedingt auf Europa übertragen wollte?

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