Kunden bekommen Geldautomat-Gebühren angezeigt

25. August 2010, 16:22
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Einigung nach monatelangem Ringen von Banken und Sparkassen unter Druck des Kartellamts

Berlin - Bankkunden in Deutschland sollen künftig beim Abheben an fremden Geldautomaten vor bösen Überraschungen geschützt sein. Ab kommendem Jahr wird an jedem Automaten im Land direkt angezeigt, wie hoch die Gebühren für die Transaktion sind. Das teilte die Banken und Sparkassen am Mittwoch nach einer entsprechenden Einigung mit. Die deutsche Regierung dringt allerdings weiter darauf, dass die Höhe der Abhebegebühren künftig begrenzt wird.

Der Einigung auf das neue System am Mittwoch war ein monatelanges Ringen von Banken und Sparkassen unter Druck des deutschen Kartellamts vorausgegangen. Das neue System soll ab dem 15. Jänner 2011 in Kraft treten und dann dem Kunden die Wahl ermöglichen, den für ihn günstigsten Geldautomaten zu benutzen, wie der Zentrale Kreditausschuss (ZKA), der Spitzenverband der deutschen Banken und Sparkassen, mitteilte.

Verzicht auf Interbankenentgelte

Im Gegenzug wollen die Banken künftig auf sogenannte Interbankenentgelte verzichten. Diese Gebühren hatten Banken bisher von anderen Instituten für die Abhebung an ihren Geldautomaten verlangt. Die eigene Bank reicht die Gebühr dann meist an ihre Kunden weiter. Der ZKA hofft nun, dass das neue System "schnell zu sinkenden Preisen führt". Bankkunden müssen laut dem deutschen Verbraucherschutzministeriums teils bis zu 20 Euro zahlen, wenn sie bei fremden Instituten abheben. Im Durchschnitt fallen nach Berechnungen von Branchenexperten mehr als fünf Euro an.

Unterdessen kündigten die deutschen Privatbanken an, die Gebühren an ihren Automaten im Alleingang zu deckeln. Eine Abhebung soll dort Fremdkunden künftig maximal 1,95 Euro kosten, sagte der Präsident der Bundesverbandes Deutscher Banken (BdB), Andreas Schmitz, der "Bild"-Zeitung (Donnerstagsausgabe). Der Preis werde ab Mitte Jänner kommenden Jahres erhoben. "Wir fordern Sparkassen und Volksbanken auf, sich unserer Gebühr anzuschließen", forderte Schmitz.

Schritt in richtige Richtung

Das Verbraucherschutzministerium kritisierte die Einigung von Banken und Sparkassen. Die Anzeige der Gebühren am Automaten sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung. "Leider ist das Problem der zum Teil völlig überzogenen Gebühren beim Fremdabheben nach wie vor ungelöst", erklärte das Ministerium. Geldautomaten dürften nun nicht länger Kostenfallen sein: "Abhebegebühren von zum Teil 20 Euro sind nicht akzeptabel", bekräftigte ein Sprecher.

Das deutsche Kartellamt prüft dem Ministerium zufolge die Einigung noch bis zum Ablaufen einer bis Ende August laufenden Frist. Dieser Prüfung wolle das Ministerium nicht vorgreifen. Alle Bankkunden hätten allerdings Anspruch auf ein "angemessenes und transparentes Preismodell", erklärte das Ministerium.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) bezeichnete die Einigung als "große Enttäuschung". Es würden weiterhin "keine Grenzen für Entgelte gesetzt und das Problem auf den Rücken der Verbraucher verlagert", erklärte vzbv-Bankenreferent Frank-Christian Pauli. Womöglich komme die Politik nicht umhin, die Preise doch noch zu deckeln.

Der ZKA wies darauf hin, dass schon heute über 90 Prozent der Bargeldabhebungen an Geldautomaten in Deutschland für die Kunden kostenlos sind, da viele Geldhäuser dazu Automaten-Verbünde gegründet hätten. Dazu zählten etwa die Sparkassen, das Bankcard-Servicenetz vieler Volks- und Raiffeisenbanken sowie die Cash Group und der Cash Pool. (APA)

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