"Vermieter müssen künftig auch zur Kasse gebeten werden"

26. August 2010, 06:51
548 Postings

Makler-Netzwerke erwarten durch die Verordnungs-Novelle einen Paradigmenwechsel in der Branche

Die Novelle der Immobilienmakler-Verordnung, die mit 1. September in Kraft treten wird, schlägt in der Branche erwartungsgemäß hohe Wellen.

"Das ist wirklich Wahnsinn", klagt etwa der Präsident des Immobilienrings Österreich, Andreas G. Gressenbauer. Was ihn am meisten wurmt: Das "Drüberfahren" über die Einwände aus der Makler-Branche seitens der Regierung. SPÖ und ÖVP würden mit der Novelle bloß "politisches Kleingeld" verdienen wollen.

"Sehr viele Makler werden sich zurückziehen müssen", umreißt er im Gespräch mit derStandard.at die zu erwartenden Auswirkungen. Und: "Auch die Vermieter werden zur Kasse gebeten werden müssen" - schlicht und einfach "aus einer wirtschaftlichen Überlegung heraus". Dies begrüße er zwar, denn "wer anschafft, soll auch zahlen". Dennoch sei die ganze Verordnung "dilletantisch" umgesetzt worden.

"Sicher keine Professionalisierung"

Auch für Bernhard Reikersdorfer, Geschäftsführer des Franchise-Netzwerks Re/Max Austria, geht die Verordnung ganz grundsätzlich in eine falsche Richtung. Eine von oben auferlegte Reduzierung der Makler-Einkünfte um 30 bis 50 Prozent werde nämlich "sicher nicht zur gewünschten Professionalisierung beitragen". Und auch das Ziel der Regierung, die Kaufkraft zu stärken und die Inflation zu dämpfen, werde nicht aufgehen. "Wenn die Regierung wirklich was für die Mieter tun will, soll sie endlich die Mietvertrags-Vergebührung streichen. Die trifft nämlich wirklich jeden."

Reikersdorfer gibt im Gespräch mit derStandard.at auch zu bedenken, dass eine zu sehr Wien-zentrierte Sicht der Dinge zu falschen Schlussfolgerungen führe. "Im ländlichen Bereich betragen die Monatsmieten oft nur zwischen 200 und 300 Euro." Eine solche Wohnung auf drei Jahre befristet zu vermitteln, also für eine Provision von künftig nur noch einer Bruttomonatsmiete, werde "wirtschaftlich nicht mehr machbar" sein. "Dazu braucht man kein Experte sein. Viele Maklerunternehmen werden sich zurückziehen bzw. zurückziehen müssen." Ob dies auch auf Re/Max Österreich Auswirkungen habe, werde sich zeigen, so Reikersdorfer.

Dass der Anteil der Transaktionen, bei denen Makler im Spiel sind, in Zukunft auch maßgeblich steigen wird (derzeit ist bei nicht einmal jedem fünften Mietvertrag ein Makler im Spiel, Anm.) und dies die Umsatzeinbußen teilweise kompensieren könne, erwartet Reikersdorfer nicht. Dennoch meint er: "Jede Veränderung ist auch eine Chance. Die Makler müssen künftig die Abgeberseite eben noch mehr vom Mehrwert ihrer Dienstleistung überzeugen." Das könne letztlich "Schritt für Schritt" dazu führen, dass auch die Vermieter einen Teil der Provisionen übernehmen, so der Re/Max-Chef.

"Makler müssen an einem Strang ziehen"

Dies unterstützt auch Elisabeth Huber vom Realbüro Dr. Max Huber vorbehaltlos. Als erster Schritt müssten die Leistungen der Makler transparenter werden, schlägt sie vor. Nur so könne den Auftraggebern bewusst gemacht werden, dass der Makler auch sehr hohe Vorleistungen hat. "Ein Abgeber hat oft keine Ahnung davon, wieviel eine Annonce kostet."

Kleinere Maklerbüros, die hauptsächlich auf Vermietungen spezialisiert sind, werden sich in Zukunft jedenfalls schwer tun, ist sie überzeugt. Dass damit auch unseriöse Mitbewerber verschwinden, hält sie für möglich, kritisiert dabei aber grundsätzlich, dass "die Makler" zumeist - auch in der medialen Diskussion - als homogene Gruppe verstanden werden. "Ich möchte nicht mit allen in einen Topf geworfen werden."

Um die Vermieter-Provision als Regelfall zu etablieren, müssten die Makler nun aber "an einem Strang ziehen", sagt sie im Gespräch mit derStandard.at. Und fügt hinzu: "Wir machen unseren Abgeber-Kunden schon jetzt immer klar, dass wir eine Provision wollen".

"Sparen bei den Marketing-Budgets"

Dass die Vermieter künftig mitzahlen, hofft auch Natascha Casar-Olbrich, Geschäftsführerin von Rustler - Die Makler. "Schließlich erbringen Makler ja für beide Seiten eine Dienstleistung." So wie Fachverbands-Obmann Thomas Malloth (siehe Artikel) macht sie darauf aufmerksam, dass die Maklerbüros im Falle drastischer Umsatzeinbußen als erstes wohl bei den Marketing-Budgets den Sparstift ansetzen müssten.

Ob sie glaubt, dass sich durch die neue gesetzliche Regelung die "schwarzen Schafe" aus dem Markt verabschieden müssen? "Schön wär's."  (Martin Putschögl, derStandard.at, 25.8.2010)

Share if you care.