Neue Arbeitsbegriffe braucht das Land

25. August 2010, 13:23
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Workshop: In der Krise muss auch Erziehungs-, Haus- und Pflegearbeit ins Blickfeld rücken

Alpbach/Wien - Über neue Arbeitsbegriffe von morgen diskutierte das Podium des Workshops "Arbeit in der qualitativen Wachstumsgesellschaft" im Rahmen des Europäischen Forums Alpbach 2010. "In Zeiten abnehmenden Wachstums muss unser Arbeitsbegriff weiterentwickelt werden und neben der Erwerbsarbeit auch Erziehungs-, Haus- und Pflegearbeit ins Blickfeld nehmen", betonte Beate Littig, Leiterin des Fachbereiches Soziologie am Institut für Höhere Studien (IHS). Littig fügte hinzu: "Vor allem die Arbeit von Männern und Frauen muss neu verteilt und bewertet werden."

Johannes Kopf, Vorstandmitglied des Arbeitsmarktservice Österreich (AMS) entgegnete: "Die bezahlte Arbeit geht uns nicht aus, zumindest nicht den qualifizierten Arbeitnehmern. Denn die demographische Entwicklung wird einen Arbeits- beziehungsweise Fachkräftemangel nach sich ziehen." Kopf sieht in dieser Entwicklung auch Gefahren, es gelte daher verstärkt in Aus- und Fortbildung sowie Forschung zu investieren: "Nachhaltiges Wachstum, zum Beispiel durch Green Jobs, schafft Beschäftigung, stellt jedoch Arbeitnehmer vor neue Herausforderungen. Viele Jobs ändern sich und die Berufstätigen müssen mit dieser Entwicklung Schritt halten. Darauf muss auch die Erwachsenenbildung reagieren und entsprechende Angebote für Personen in Beschäftigung bereitstellen." Darüber hinaus sieht Kopf vor allem in den Bereichen Bildung, Kindererziehung, Energietechnik und Gesundheit sowie Pflege in den nächsten Jahren Potenzial für neue Jobs.

"Über Arbeitsausmaß selbst entscheiden"

Für Elisabeth Freytag, Leiterin der Abteilung für EU-Angelegenheiten im Lebensministerium, ist die Wahlfreiheit ein zentraler Begriff: "Die Bevölkerung muss selbst entscheiden können, ob sie 20 oder 60 Stunden pro Woche arbeiten möchte. Um diese Entscheidung frei treffen zu können, müssen Kinderbetreuungseinrichtungen flächendeckend ausgebaut werden."

Andreas Exner, freier Publizist und Buchautor aus Kärnten, erklärte den Begriff der solidarischen Ökonomie: Die solidarische Ökonomie beruht auf Selbstorganisation und -verwaltung. Personen schließen sich zu Genossenschaften zusammen - in denen es Gemeinschaftsgärten und Umsonstläden gibt -und organisieren den Alltag gemeinschaftlich". Exner verwies auf ein erfolgreiches Projekt der Selbstorganisation zur Vermeidung von Armut in Brasilien: "Die solidarische Ökonomie ist keine Utopie." (red, derStandard.at, 25.8.2010)

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